Ich möchte auch noch ein paar Worte als Hamburger zur Thematik verlieren.
Am Donnerstag ca 14 Uhr hatte ich hier schon einen Text geschrieben, diesen dann aber doch wieder gelöscht.
Ich wusste das Thema wird unweigerlich sowieso noch aufkommen.
Ich musste zur Arbeit, welche sich in der Nähe des HBF befindet und demnach Sperrzone war. Ich kam leider genau zu
der Zeit an, als die Strassensperren umgesetzt wurden. Ich war ca 2min von meiner Arbeitsstätte entfernt, kam aber
einfach nicht näher, sondern wurde ca 2 Std. drum herum geleitet. Irgendwann als ich mich ansonsten immer weiter entfernt hätte,
bin ich rechts ran gefahren (wo man rechts nicht abbiegen durfte) und hab freundlich einen Polizisten angesprochen, ob er mir sagen
könne wie ich in meine Strasse komme. Dieser war sichtlich genervt und meinte, dass er nicht von hier kommt und ich gefälligst
wieder einsteigen und weiter geradeaus fahren soll. Normalerweise hätte ich das auch gemacht, aber ich habe nicht das beste
Nervenkostüm und war nach 2 Std. fast komplettem Stillstand und Hitze einer Panikattacke sehr nahe. Also sagte ich zu ihm, dass
ich nicht weiterfahren kann, mir ginge es nicht gut. Daraufhin wurde er ungehalten und meinte ich soll jetzt sofort geradeaus weiter fahren.
Darauf meinte ich: Das mache ich nicht. Dann wieder er... Und dann nochmal ich: Nein das mache ich nicht und hab mich ins Auto gesetzt und bin rechts halb auf den Bürgersteig gefahren und habe gehalten.
Er hatte aber auch keine Zeit sich weiter mit mir zu befassen. Ich bin erstmal ausgestiegen um Luft zu bekommen und hab dann meinen Kollegen angerufen der auf mich wartete um in den Urlaub zu fahren. Auf der Rechtsabbiegerspur die gesperrt war stand ein weiterer Polizist samt Fahrzeug, welcher minutenlang von einer Frau bequatscht wurde.
Ich beobachtete das Szenario und plötzlich nickte er und stieg in sein Fahrzeug, und setzt vor um die Durchfahrt zu ermöglichen. Vor mir parkte noch ein Fahrzeug vom THW. Ich dachte natürlich die Sperre wird aufgehoben und eilte zurück zu meinem Auto. Währenddessen fuhr die Frau an mir vorbei. Ich fragte sie mit Augen und Gestiken ob man fahren kann und sie nickte mir zu. Der hintere Polizist rief auch irgendwas von "aber schnell". Also startete ich den Motor. Die Frau fuhr durch, der Wagen vom THW fuhr durch, dann kam ich und der Polizist setzte wieder zurück und rammte mich fast. Sprang aus dem Fahrzeug, schlug mehrfach auf mein Auto ein und brüllte mich an, ob ich nicht ganz dicht sei.
Ich liess die Scheibe runter und fragte irritiert warum die Frau fahren darf und ich nicht. Er motzte mich aber nur an ich soll zusehen, dass ich zurückfahre, hier ist Sperre. Ich sagte ich bin nur 1min von meiner Arbeit weg ob ich nicht vielleicht auch schnell fahren darf. Woraufhin ich noch schlimmer angeschrien wurde. Ich fragte dann ob ich vielleicht rechts auf dem sehr breiten Bürgersteig an einem Bauzaun mein Auto stehen lassen dürfe, um zu Fuss zur Arbeit zu kommen, wurde aber wieder zusammengeschrien, dass ich zurück fahren soll, sonst können wir das auch ganz anders regeln. Also setzte ich erstmal zurück. Weil ich mich ziemlich ungerecht behandelt gefühlt hatte, fuhr ich dann aber trotzdem einfach rechts auf den Bürgersteig. Tastete mich vor und sah, dass der Polizist anderweitig beschäftigt war, da ziemlich viele Autofahrer Fragen hatten wie es wo, wann irgendwie weiter geht. Und so fuhr ich einfach los und war 1min später auf Arbeit im sicheren Innenhof.
Mir ist klar, dass ich gerade eine strafbare Handlung zugegeben habe, aber ich glaube nach diesem Wochenende sollte das das kleinste Problem der Polizei gewesen sein.
Ich saß nun auf Arbeit und fragte mich, warum die Polizisten bereits mit den ersten Strassensperren schon derart genervt waren. Und die waren gerade erst aufgebaut. Als ich 22 Uhr heim fuhr waren die Sperren immer noch aktiv. Dies passierte alles noch vor den ersten Krawallen. Wenigstens der Ton hätte mir gegenüber ja gewahrt werden können.
Für alles was danach kam fehlen mir allerdings wirklich die Worte. In Hamburg gingen ja ziemlich schnell und zu erst die ganzen selbst gedrehten Videos per whattsapp usw. rum. Diese Gewaltbereitschaft ggü. dem Leib und Leben der Polizisten war unfassbar. Ich dachte dann: ok in dem Wissen, was wohl alles noch kommen wird, konnte ich verstehen warum die Polizisten von Anfang an unter Hochspannung standen.
Auch die wahllose Zerstörung etlicher Privat KFZ ergeben für mich null Sinn. Was kann Oma Hannelore mit ihrem 15 jahre alten Opel Corsa für den G20? Das ist alles so verlogen nur um irgendwo seine Gewaltexzesse ausleben zu können. Anti Kapitalista schreien, aber sich im Rewe die Taschen mit Gütern vollstopfen. Ich will da jetzt auch nicht mehr weiter ins Detail gehen, mittlerweile hat ja jeder die Ausmaße sehen können. Ich war einfach nur noch froh, dass ich in Rahlstedt wohne und aus dem Zentrum heil nach Hause kam. Und in meinem Stadtteil Ruhe war. Mein Mitgefühl an jeden Bürger der in Brennpunkten wohnt und dessen Auto oder anderweitiges Eigentum es erwischt hat. Sowie an alle verletzten Polizisten und deren besorgte Familien! Ich habe höchsten Respekt für alle Polizisten die dieses Wochenende durchstehen mussten.