Eventuell hat es jemand von euch in den Nachrichten gelesen, dass in Dortmund Neonazis an der Ausreise nach Sofia gehindert worden sind. Der Grund: Heute fand der seit einigen Jahren stattfindende Lukovmarsch statt, auf dem der Ermordung des bulgarischen Generals Hristo Lukov gedacht wird, der ein glühender Anhänger der Nationalsozialisten war und auch den Holocaust für eine gute Sache hielt. Und daher reist alljährlich alles, was im faschistischen Spektrum in Europa etwas auf sich gibt, nach Sofia. In den letzten Jahren wurde Bulgariens Hauptstadt somit jedes Jahr im Februar zu einem Ort der rechtsextremen Provokation, denn es gibt keinen vernünftigen Grund, diesem Mann auch nur irgendwie als Helden zu gedenken.
Ich war heute deshalb auf der Gegendemo dabei und es kamen immerhin knapp 200 Leute. Einerseits war es schön, dass auch viele Deutsche extra angereist waren, um gegen die klar antidemokratische Gesinnung dieses Marsches zu protestieren. Andererseits ist es natürlich traurig, dass die Gegendemo nur etwa 200 Leute mobilisieren konnte und ein Großteil der Leute vermummt war, um nicht im Nachhinein Repressalien vonseiten der Rechten in Bulgarien zu befürchten. Und es wäre toll gewesen, wenn noch mehr Bulgaren sich an der Gegendemo beteiligt hätten, aber im Vergleich zum Vorjahr sind Fortschritte zu erkennen. Der Marsch wurde wie in den beiden Jahren zuvor offiziell verboten und dieses Mal auch insofern durchgesetzt, dass die Nazis nur eine Kundgebung abhalten konnten. Das ist zwar immer noch eine Schande, wenn einem solchen Mann gehuldigt wird, aber immerhin fiel der Marsch ins Wasser. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr mit einem kompletten Verbot.