Das hat man doch jetzt 12 Jahre lang probiert und es hat NICHT funktioniert. Die Wettbewerbsfähigkeiten der einzelnen Länder sind einfach viel zu unterschiedlich. Früher wurde das eben über die eigene Währung geregelt.
In welcher Hinsicht hat man dies probiert? Hat man versucht, die unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeiten abzupuffern, indem man z.B. Lohn- und Sozialstandards festsetzt? In Deutschland durfte man die Reallöhne quasi einfrieren, einen Billiglohnsektor schaffen, Sozialabbau betreiben. Die deutsche Kaufkraft reduziert sich, die Binnenwirtschaft wächst kaum, der Staat lebt eigentlich nur noch durch seinen Export. Und der Exportüberschuss des einen ist das Defizit des anderen, dadurch geraten vermeintlich "schwächere" Staaten unter Druck und verschulden sich. Hat man in der EU irgendetwas unternommen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen? In dieser Hinsicht hätten wir - auch wenn es einen Verlust an nationaler Souveränität bedeutet hätte - viel früher viel mehr Europa mit zentralen Regulierungsmechanismen gebraucht.
Es ist totaler Unsinn, dass nur den Banken(Finanzwirtschaft) in die Schuhe zu schieben. Bis weit über 100% ihres BIP's verschuldet haben sich einige Staaten von ganz alleine. War ja auch total easy. Sie konnten jahrelang Kredite quasi zum Nulltarif aufnehmen. Das hätten sie niemals gekonnt mit ihren eigenen Währungen. Aus gutem Grund.
Was heisst denn über Spekulation in die Krise getrieben? Ein Land was mit 120% seines BIP's verschuldet ist, würde ich auch kein Geld geben und wenn, dann eben nur zu sehr hohen Zinsen (Risikoprämie)
Ich weiss, daß es gegen daß die deutsche "Schulden sind böse"-Gebetsmühe verstößt, aber das ein Staat Kredite aufnimmt, ist nichts per se anormales. Anormal wird es dann, wenn er sich über die Maße verschulden muss, um ein Bankensystem zu retten, daß sich gnadenlos verzockt hat. Wir erleben hier keine Schuldenkrise, sondern die Nachwehen der Finanzkrise von 2008. Davor waren viele Staaten - auch Griechenland oder die USA - dabei, ihre Schuldenstände zu reduzieren. Ich denke mal, daß die OECD-Zahlen durchaus seriös und von eventuellen Fälschungen oder Beschönigungen bereinigt sind.
Anormal ist es zudem, wenn auf Staatspleiten gewettet werden kann, und zwar es nicht aufgrunde von realwirtschaftlichen Vorgängen, sondern wegen des finanzmarkttypischen Herdentriebes. Natürlich kommen dann im Verlauf die "seriösen" Ratingagenturen ins Spiel, die die Anleihen abwerten und dadurch natürlich den Zockern einen Steilpass spielen. Hier liegt eines der Hautprobleme, und es wäre unglaublich lachhaft, zu meinen, Deutschland könne dies nicht passieren, weil wir ja ach so fleissig sind (dabei ist die Wahrheit doch die: die Deutschen sind mittlerweile durch das Propagandabombardement von sogenannten "Ökonomen" dermaßen gehirngewascht, daß sie Rentenprivatisierungen, Lohnstagnation und 3-Klassen-Medizin als "alternativlos" akzeptieren, während der Grieche wenigstens noch auf die Straße geht...). Es reicht, daß einer, der ausreichend Macht und Einfluss hat, mit Sepkulationen gegen deutsche Anleihen Rendite erhofft und ein ausreichend Wind erzeugt, dann kannst du von ausgehen, daß die restliche Herde folgt - et voilà. Provozierend könnte man sagen: warte mal ab, was passiert, wenn es hier mal Rot-Rot gibt. Dann kannst du die Tage zählen, bis wir hier wieder "auf Linie" spekuliert werden.
Natürlich machen aber unsere Staaten nicht alles richtig. Sicherlich ist es viel zu einfach, Steuern zu hinterziehen oder sich semilegal an der Steuer vorbeizumogeln. Natürlich haben die südlichen Staaten ein Korruptionsproblem, daß aber nicht größer ist als unseres (bei uns heisst heisst die Korruption Lobbyismus und Parteispende). Das Hauptproblem, daß alle Staaten haben, liegt aber nicht, wie im Falle Griechenland gerne behauptet wird, in den Ausgaben, sondern in den mangelnden Einnahmen.Und hier kommen wiederum die Finanzmärkte und "Wirtschaftsexperten" ins Spiel, die seit Jahren die Lüge verbreiten, daß Steuersenkungen die Wirtschaft "in Schwung" bringen.
Aber ging es in dieser sogenannten Krise in irgendeiner Form darum? Hat irgendeine Ratingagentur deswegen abgewertet? Nö. Stattdessen: Privatisierungen, Sozialabbau, weniger Regulierung. Man soll also den gleichen Mist wieder machen, der einen in die Situation gebracht hat.
Du tust ja gerade so, als wenn das nicht mehr möglich wäre, wenn die Südstaaten keinen Euro mehr haben. Musst halt wieder Geld tauschen und deinen Ausweis zeigen....na und? Ich kann damit leben. Einen klinisch toten Staat jahrelang mit Hunderten von Milliarden Steuergeldern vollzupumpen und damit noch nichtmal irgendetwas zu ändern.
Dir ist schon klar, daß wenn die "Südstaaten" die Grenzen zuknallen und aus dem Euro aussteigen, das gesamte deutsche Luftschloss aus Export in sich zusammendonnert und uns dann hier die Rezession (die wir faktisch ehr schobn haben) um die Ohren fliegt?? Wir hängen im Moment von ab, daß manche Staaten über ihre Verhältnisse leben. Wenn diese die Türen zuknallen, rutschen wir mit in den Sumpf. Ich frage mich immer, ob überhaupt noch jemand in solch gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen denkt, oder ob wir noch in allen Ewigkeiten das Märchen vom faulen Griechen und vom fleissigen deutschen Arbeiterbienchen kultivieren wollen.
Zudem finde ich die europäische Idee sinnvoll und es wäre ein gnadenloses Versagen, wenn wir uns die Idee eines geeinten Kontinentes durch die "Märkte" und die Dummheit unserer aktuellen politischen Riege ruinieren lassen.