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Autor Thema: Allgemeine Nachrichten  (Gelesen 2001655 mal)

Hank

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2320 am: 04.November 2012, 19:57:51 »

Freut mich zu hören, dann arbeite ich extra für dich eine besonders genaue Analyse aus ;) Aber erstmal höre ich mir an, was meine Matratze dazu sagt!

Mich persönlich würde das auch sehr stark interessieren.

Mich auch! Allerdings würde mir eine Kurzfassung von dir genügen, da selbst die sicher (gefühlt) mehrere Seiten lang sein würde..  ;)
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Konni

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2321 am: 06.November 2012, 13:28:37 »

Na das trifft sich ja im Prinzip ganz gut, da ich das ganze Thema in meinem Seminar heute als kleinen Exkurs ebenfalls bespreche. Was mir in den Jahren so aufgefallen ist, ist dass in Deutschland ein recht komisches Bild von amerikanischer Politik vorhanden ist. Ich bin ja nun auch erst seit ca. 7 Jahren hier, und vieles mag daran liegen, dass Bush jr. zu dieser Zeit Präsident war - zumindest erklärt dieser Umstand die Rollenverteilung, die in der deutschen Öffentlichkeit bezüglich der amerikanischen Politik herrscht. Diese Rollenverteilung drückt sich vor allem dadurch aus, dass die Demokraten die "Gutmenschen" sind und den Republikanern die Rolle der bösen, ungebildeten, kriegstreiberischen Rechten zugeschrieben wird. Dieses Bild zeichnet sich nicht nur durch Kneipengespräche ab, sondern auch die Berichterstattung der Medien ist voll davon. Und das ist, gelinde gesagt, großer Blödsinn. Vor allen Dingen ist es irgendwie merkwürdig, dass die amerikanische Linke mit Samthandschuhen in deutschen Medien angefasst und hochgelobt wird (sie spielen die Rolle der Vernunft), wohingegen die deutsche Linke ganz gerne unangespitzt in den Boden gerammt wird. Diese Doppelmoral habe ich bis heute nicht verstanden, aber egal.

Zurück zum verzerrten Rollenbild. Die Republikaner sind schlecht (Krieg, Turbo-Kapitalisten [als ob das in Deutschland ein Argument gegen CDU/FDP wäre], religiöse Fanatiker, gegen Homosexuelle, Konservative, Rassisten, dumm), im Prinzip verkörpern sie das Bild des ungebildeten Amerikaners, der nicht weiß, wo Europa liegt, aber genau weiß, wo seine Schrotflinte steht.
Die Demokraten sind die Guten (Gesundheitsreform, schwarzer Präsident, Kennedy, gegen Armut, gegen Krieg, Friedensnobelpreis, regulierend gegen ausufernden Kapitalismus), wie gesagt eine Stimmte der Vernunft, ein Hoffnungsschimmer für die aufgeklärter deutsche Gesellschaft. Dieses Rollenbild ist totaler Schwachsinn, das ist wenig überraschend. Mal ein kleiner Ausflug in die amerikanische Geschichte der Parteien.
Thomas Jefferson und Abraham Lincoln gelten als "Grüdungsväter" der Demokraten und Republikaner. Während über Thomas Jefferson bekannt ist, dass er sowas wie der erste große kapitalistische Präsident war, der in großem Umfang "Privatisierung" (Landkäufe) und freien Handel durchsetzte, der im Allgemeinen für Stärkung der Bürgerrechte war, aber kein Problem mit der Sklavenhaltung hatte, sich sogar selbst etliche Schwarze als Sklaven hielt und diese als "Nicht-Menschen" bezeichnete und in ihnen die Chance sah, die Erträge von Farmen zu erhöhen...
Lincoln hingegen steht natürlich exemplarisch für den Abolitionismus, also die Abschaffung der Sklaverei, der sogar für dieses tolle Ziel einen Krieg innerhalb der sogenannten Union anfängt, den amerikanischen Bürgerkrieg. Wenn ich nachher in meinem Seminar frage, wer jetzt der Gründungsvater welcher Partei war, dann wette ich darauf, dass 70-80% Lincoln den Demokraten zuordnen und hier im Forum wird das Bild ähnlich aussehen (kann ja jeder an sich selbst überprüfen). Stimmt aber nicht, Lincoln war (nachdem er Whig war) eingefleischter Republikaner, Jefferson, der Sklavenhalter, Demokrat.
Dann noch ein kleiner Exkurs im Exkurs: das Bild Lincolns, das ich schemenhaft oben beschrieben habe, ist das Bild, das in Deutschland über ihn existiert. Er hat den Bürgerkrieg gewonnen und die Sklaverei abgeschafft, das wissen viele Deutsche. Was sie nicht wissen ist, dass Lincoln keineswegs glühender Gegner der Sklaverei war, dass er den Krieg nicht angefangen hat, um die Sklaven zu befreien, sondern um die Union zu retten, die in vielen Fragen gespalten war. Die Abschaffung der Sklaverei war dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt, eine Art Ausgleich für die Unterstützung seiner Partei. Denn im Gegensatz zu Lincolns Haltung zur Sklaverei, wurden die Republikaner überhaupt erst gegründet, um diese Abzuschaffen. Jaja, die Republikanische Partei ist eine Partei, die gegründet wurde, um die Sklaverei abzuschaffen, wer hätte das gedacht ;)

Die endgültige Befreiung der Sklaven erfolgte im Übrigen in den USA erst im Jahre 1865, sehr viele Menschen verorten den Zeitpunkt deutlich früher, dass danach jahrelang die Schwarzen weiterhin unterdrückt und z.T. verfolgt wurden, lag unter anderem an den Demokraten, die im 19.Jhd den Ku Klux Klan unterstützten und von diesem unterstützt wurden. Es waren auch die Demokraten, oder besser gesagt es war Kennedy, der den Vietnam-Krieg anfing, mit Truman war es ein demokratischer Präsident, der die einzigen Atombomben abwerfen lief und kurze Zeit später den Korea-Krieg anfing. Truman war auch derjenige, der McCarthys Jagd auf Kommunisten unterstützte, woraufhin eine regelrechte Hexenjagd in der amerikanischen Gesellschaft einsetzte. Grundsätzlich wandte sich die demokratische Partei am Anfang der 1900er-Jahre zwar mehr dem Progressivismus zu und natürlich war Kennedy durchaus ein leuchtendes Beispiel für die Errichtung stärkerer Bürgerrechte, Kommunikation mit den Schwarzen, vor allem Martin Luther King, aber er war gewiss kein Heiliger. Auch während der 68er-Bewegung in den USA machte sich der demokratische Bürgermeister von Chicago, Dick Daley, einen Namen, als dieser eine Studentendemonstration beispiellos niederprügeln ließ, nicht nur von Polizisten, sondern auch von ultra-Konservativen, was zu tagelangen blutigen Straßenschlachten führte. Erst in den 80er-Jahren prägte sich das Bild von den Demokraten, wie wir es heute kennen.

Das Bild der Gemäßigten und der Maßvollen, aber das war vor allem eine Reaktion auf die extrem liberale Politik von Reagan, der den Spitzensteuersatz mal eben von 70% auf 33% absenkte, was unter anderem zu einer Öffnung der Arm-Reich-Schere führte, die bis heute unvermindert andauert und mehrere verheerende Kriege und CIA-Aktionen durchführen ließ, unter deren Folgen Mittel- und Südamerika bis heute leiden. Es war auch Reagan, der Republikaner, der bis heute das Bild seiner Partei als von Hitzköpfen und Cowboys dominiert festigte. Reagan hat die Militärausgaben massivst erhöht, was auf der einen Seite zu den immensen amerikanischen Schulden von heute führte, auf der anderen Seite aber auch letztendlich die Sowjetunion in die Knie zwang, die krampfhaft versuchte, diesen Ausgaben zu folgen. Es war Reagan, der die faschistische, rassistische Militärjunta in El Salvador unterstützte, die mit Hilfe der CIA 50.000 Menschen in 2 Jahren tötete (vor allem Kommunisten und Oppositionelle). Es war auch Reagan, der den Iran mit Waffengeschäften massiv aufrüstete und der den sogenannten, leider völlig unbekannten, Contra-Krieg führen ließ, bei dem amerikanische Soldaten als Guerilla-Kämpfer Nicaragua in Schutt und Asche legten (etwa 70% des Landes waren komplett zerstört), 80.000 Menschen, vor allem Zivilisten, töteten und das Land in bis heute andauernde blutige, bürgerkriegsähnliche Zustände verwickelte. Reagan versucht in Mittel- und Südamerika das angebliche Aufkeimen des Sozialismus zu unterdrücken, das überhaupt erst stattfinden konnte, weil die USA durch ekelhafte Handelspolitik diese Länder ausbluten ließ. Jedenfalls setzte er sowohl offen das Militär, als auch verdeckt CIA Operationen zu diesem Zweck ein, beide Maßnahmen hatten offen zum Ziel, terrorartige Zustände in diesen Ländern aufkeimen zu lassen. Noch heute leidet die ganze Region darunter und ich prophezeie einfach mal, dass in 10-20 Jahren hier ein Pool für Terroristen entstehen wird. Die Amerikaner sind in dieser Region extrem verhasst.

Jedenfalls waren es Reagans innenpolitische und wirtschaftliche Maßnahmen, die erst zu einer extremen Inflation und im Zuge der darauf folgenden Zinserhöhung zu einer Rezession führten, die auf einmal 12mio Amerikaner ohne Job dastehen ließ. Außerdem erhöhte er die Staatsschulden in seiner 8-jährigen Amtszeit um 180%, ein kaum zu glaubender Wert. All dies schuf Raum für die sogenannten New-Democrats. Also die Demokraten, wie wir sie heute wie gesagt kennen. Die sich gegen faschistoide Militäroperationen stellen, gegen massive Aufrüstung sind, innenpolitisch Gerechtigkeit versuchen herzustellen etc. Im Prinzip haben also die Parteien ihre Rollen getauscht über all die Jahre.

Exkurs Ende.

Was neben der Geschichte des amerikanischen 2-Parteiensystems wichtig zu verstehen ist für Deutsche, ist die Funktionsweise der Politik. In Deutschland ist mensch ja starke Parteipolitik gewöhnt. Das bedeutet, es gibt Parteiprogramme, die Parteimitglieder sind jeweils Vertreter dieses Programms, wobei der ein oder andere natürlich ein paar ganz eigene Vorstellungen und Züge mit hereinbringt, diese Einflüsse halten sich aber stets gering. Kurzum: Parteimitglieder einer Partei sind in Deutschland ideologisch verknüpft. Wenn Problem X auftritt (Krieg in Afghanistan), dann kann mensch aus der Parteizugehörigkeit von Person Y ableiten, wie diese darauf reagieren wird, wie sie sich positioniert. Wenn es mal "Abweichler" im Bundestag bei bestimmten Entscheidungen gibt, ist das schon etwas sehr Ungewöhnliches, das zeigt sich darin, dass diese Personen von ihrer Partei sofort öffentlich verflucht und von den Medien als Helden gefeiert werden. Das freie Mandat unterliegt in Deutschland oft dem Fraktionszwang.
Diese Kopplung des Parteibuchs mit den jeweiligen Meinungen ist in den USA nicht so stark ausgeprägt. Natürlich wird zwischen Republikanern und Demokraten durchaus unterschieden, aber die Gräben sind im Allgemeinen gar nicht so tief, wie mensch meinen möchte. Es ist durchaus üblich, dass republikanische Parteimitglieder im Kongress oder Senat Gesetzesinitiativen eines demokratischen Präsidenten unterstützten, wohingegen demokratische Abgeordnete durchaus mal dagegen sein können. Das passiert natürlich nicht bei medialen Großereignissen, wie der Gesundheitsreform oder dem Haushaltsbudget, obwohl es vor allem bei letztgenanntem immerhin 12 Republikaner gab, die für das Budget gestimmt haben und 3 Demokraten, die dagegen votierten.
Der Grund dafür ist einfach: Amerikanische Abgeordnete verstehen sich in den USA in erster Linie als Vertreter ihres Wahlkreises. Wenn der demokratische Präsident also Militärkürzungen per Gesetz beschließen will und diese Kürzung vorsieht, dass eine Air Force-Base mit 40.000 Mitarbeitern in Minnesota dicht gemacht wird, dann wird der demokratische Gouverneur von Minnesota dagegen auch öffentlich Sturm laufen und garantiert dagegen stimmen. Er wird ja nicht vom Präsidenten ernannt, sondern von den Menschen, die in seinem Wahlkreis leben. Und 40.000 Wählerstimmen, plus die Stimmen der Familien (160.000) plus die Stimmen der Militaristen plus die Stimmen der Contractors, also der Geschäftspartner der Air-Force-Base (Ingenieure, Zulieferer, Caterer, Sicherheitsfirmen, Stahlbetriebe und so ewig weiter und deren Familien) zu verlieren, schadet seiner nächsten Wiederwahl, um es mal gelinde auszudrücken. Wenn in Deutschland ein Abgeordneter der CDU im Wahlkreis Schwäbing-Hallbach vor die Entscheidung gestellt wird, ob er dem Vorschlag seines Kanzlers/Kanzlerin folgt und die Kaserne schließt, dann wird er mit Ja stimmen, denn zur Not kann er als treuer Parteisoldat immernoch über Liste in den Bundestag einziehen, wenn ihm sein Wahlkreis die Entscheidung übelnehmen sollte.

Diese Konstellation führt dazu, dass die ideologische Linie zwischen Parteibüchern nicht immer so strikt gezogen werden darf. Und in der Tat sind die ideologischen Gräben in den USA zwischen den Parteien gar nicht so tief, vor allem wenn es als Präsidentschaftskandidat darum geht, die Mitte zu erreichen. Und das führt dann jetzt zum Wahlkampf in den USA.
Über Romneys Partei ist ja viel geschrieben worden, Einflüsse der Tea-Party Bewegung, Einflüsse der Reagan-Ideologen, die auch Bush Sr und Bush Jr maßgeblich geleitet haben (Wolfowitz ist eine sehr unterschätzte Persönlichkeit in der Melange), Romney als Multimillionär usw. Diese Verortung der Partei ist nur teilweise richtig. Natürlich fühlen sich aufgrund der Parteiideologie vornehmlich Rechte, Konservative, Militaristen, Religiöse, Reiche und Kapitalisten von den Republikanern angezogen. Allerdings ist Romney weder ein Vertreter der Tea Party Bewegung (auch nicht deren Lieblingskandidat), noch ist Romney irgendein Fanatiker. Es ist ohnehin schwer zu sagen, wer oder was Romney überhaupt ist.

Kleines Beispiel: Als Gouverneur von Massachusetts galt Romney allgemein als gemäßigt. Er gehörte zu dem Flügel seiner Partei, die eine Gesundheitsreform unter der Regierung Bush auf die Beine bringen wollte, die der jetzigen von Obama sehr sehr ähnlich ist. Als Gouverneur war er noch für das Recht auf Abtreibung und für die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (aber gegen die Ehe von Homosexuellen). Romney war schon immer stark religiös und teilweise auch ein religiöser Spinner, aber galt eigentlich immer als gemäßigt.
Das änderte sich abrupt, als er den innerparteilichen Wahlkampf führte, um Präsidentschaftskandidat für die Republikaner zu werden. Dies tat er ja schon 2008 und da merkte er, dass er als Gemäßigter innerparteilich keinen Wahlkampf gewinnen kann, da die Republikaner wie oben beschrieben nicht gerade die Gemäßigten anziehen.
Also hat er sich in diesem Jahr auf den konservativen Flügel seiner Partei geschlagen. Stimmung gegen Russland gemacht (es als geopolitischer Feind Nr. 1 bezeichnet, um Stimmen bei den traditionellen Antikommunisten einzustreichen, die in ihrem Sessel sitzen und nicht davon loskommen, dass der böse Russe der ultimative Feind ist), das Recht auf Abtreibung verdammt, für die Senkung des Spitzensteuersatzes und für die massive Kürzung von Sozialleistungen votiert, gegen Occupy-Demonstranten gehetzt, geht auf Konfrontationskurs mit China, verurteilt Kritik an menschenrechtswidrigem Handeln in Israel als "hässliche Propaganda", bezeichnet die Palästinenser als die "Alleinschuldigen" an ihrer Situation im Nahen Osten, ist weiterhin für die Aufrechterhaltung des Guantanmo Bay detention camps und für die Wiederaufnahme von "enhance interrogation" methods gegen Terrorverdächtige...
Was sagt all das über Romney? Eigentlich nichts, die Gegensätze sind zu stark. 1994 im Wahlkampf für den Senat, ist er noch uneingeschränkt für Abtreibung, 2012 als Bewerber für das Präsidentschaftskandidatenamt ist er plötzlich dagegen. Eigentlich gibt es über Romney nur eins zu sagen: er ist ein Opportunist.
Er sucht sich gerade den Standpunkt heraus, der am besten auf die Situation passt. Dabei ist er alles andere als dumm. Er hat 2008 gelernt, dass der die Hardliner braucht, um seine eigene Partei von ihm zu überzeugen und ihn zum Kandidaten ernennt. Also hetzt er von republikanischen Moralvorstellungen aus dem 19. Jhd heraus gegen Homosexuelle, das Recht auf Abtreibung und imaginäre Sozialisten in Obamas Kreisen.
Er weiß aber auch ganz genau, dass er mit diesem Blödsinn keine Wahl zum Präsidenten gewinnen kann. Also inszeniert er sich beim TV-Duell vor allem wieder als Gemäßigter, argumentiert mit Leistungen und Standpunkten aus seiner Zeit als Gouverneur, greift Obama an, ohne großartig Stellung zu seinen eigenen radikalen Äußerungen vor ein paar Monaten zu beziehen.
Obama war dumm, er hat Romney massiv unterschätzt. Er hatte erwartet, auf den radikalen Republikaner-Cowboy Romney zu treffen, den er mit Leichtigkeit entwaffnen hätte können, wie er es mit allen Reagan-Bush-Ideologen bisher gemacht hat. Stattdessen stand ihm der Gouverneur aus Boston gegenüber, der mit seiner gemäßigten Art durchaus die Mitte anspricht. Dieses TV-Duell war in der Tat eine große Offenbarung. Sie war nicht nur eine Offenbarung des Opportunismus von Romney, sondern auch eine Offenbarung in Hinblick auf die Fassade des Barack Obama, an dem letztlich nicht besonders viel dran ist. Bei Romney habe ich das große Problem, dass ich überhaupt nicht wüsst, wofür der Mann eigentlich steht. Keine einzige verbindliche Aussage hat der Mann im Laufe des Wahlkampfes getroffen. Im Steuermodell war er erst für Ryans extreme Pläne der massiven Steuerkürzung, später dann für sein eigenes Modell, das überhaupt noch nicht fertig ist, da er immer sagt, dass er das, sobald er Präsident ist, erst mit dem Kongress aushandeln muss und daher keine verbindlichen Aussagen treffen könnte. Joa...das zeugt von echter Zukunftsvision.
Auch wie Romney sich im Falle eines Wahlsieges außenpolitisch verhalten wird, ist mir völlig schleierhaft. Pro-Israel, Contra Palästina, Syrien, Iran (in Verbindung mit dem Iran hat er einen Militärschlag nach den Wünschen Israels ins Spiel gebracht), Russland...mal kann er sich vorstellen, mehr Soldaten in den Irak zu schicken, am nächsten Tag redet er von vermehrtem Abzug. Romney legt sich nicht im geringsten fest. Obama mag vor 4 Jahren zu konkret in seinen Plänen gewesen sein, aber Romney ist wie eine Tüte Luft - irgendwas ist drin, aber mensch kann es nicht sehen. Ich würde das sehr gefährlich finden und ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum Obama bei den Duellen nicht mal versucht hat, Romney konkrete Aussagen zu entlocken und ihn daraufhin mit Äußerungen aus seiner Vergangenheit zu konfrontieren. Das hätte die Maske des Romney verschwinden lassen und den blanken Opportunismus gezeigt. Romney vertritt immer gerade das, was ihm weiterhilft. Das ist nicht nur pur egoistisch, ist es auch massiv gefährlich im Fall der USA, die ohnehin nicht unbedingt von wohlwollenden Freunden in der Welt umzingelt sind.
Allerdings appelliert Romney mit seinen "Inhalten" auch 3 stark ausgeprägte Säulen in der amerikanischen Gesellschaft: Familie, Stärke und America. Dabei spielt auch der Glauben immer eine wichtige Rolle, die USA sind im Prinzip ein Land, das z.T. von religiösen Fanatikern regiert wurde und regiert wird. Romney würde ich nicht per se als religiösen Fanatiker betiteln, aber Menschen, die mit ihren christlichen Glauben als Mittel zur Diskriminierung anderer einsetzen, sind mir nicht nur suspekt, ich hasse sie regelrecht. Romney argumentiert zum Glück nicht oft mit seinem Glauben, allerdings nutzt er ihn, um die 3 Säulen miteinander zu verbinden, bzw sich selbst als Verfechter dieser auszugeben:
Familie, indem er diese per Verfassungsänderung auf Mann und Frau-Ehen reduzieren möchte, außerdem sollen Abtreibungen nur im Falle von Vergewaltigung oder Inzest erlaubt werden, um "in Gottes Werk nicht hineinzupfuschen"
Stärke, indem er sich selbst als Führer einer geschlossenen republikanischen Bewegung inszeniert, die hauptsächlich aus weißen Evangeliken besteht. Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus, auch die Republikaner sind z.T. tief zerstritten, Romney kann das aber gut kaschieren und tritt generell nicht mit Menschen auf, die aus anderen Ethnien kommen.
America...natürlich ist Romney Patriot, will die Militärausgaben erhöhen, die Wirtschaft stärken, China und Russland sind die gefährlichen Feinde, vor denen Amerika beschützt werden muss usw
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Konni

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2322 am: 06.November 2012, 13:29:40 »

Aber zu Obama: ich habe schon vor 4 Jahren immer wieder zur größten Vorsicht aufgerufen und konnte den uneingeschränkten Jubel nicht verstehen. Ich war an der Siegessäule, als er dort seine Rede gehalten hat und es war mir schleierhaft, wieso ihm hier die Massen zujubeln, obwohl er doch gerade gesagt hat, dass er größeren Einsatz von den Verbündeten verlangen wird, wenn er im Amt ist. Das war so lächerlich, dass ich ohne Witz lachen musste. Ich stand dort inmitten von Menschen, die vorher im Smalltalk über Bush abgelästert haben (zu recht natürlich, Bush ist ein Verbrecher nur eine Stufe unter Stalin und Hitler), sich klar gegen Krieg positioniert haben, für den sofortigen Abzug aus Afghanistan waren und diese Menschen jubeln dann, wenn Obama dort genau das gleiche verlangt, wofür Bush noch kritisiert wurde, nämlich für den größeren Einsatz der Verbündeten, die den Amerikanern helfen sollten, das von ihnen blindlings verursachte Chaos wieder aufzuräumen. Ab diesem Moment war mir so richtig klar, hier wird dem Mann zugejubelt und nicht den Worten. Und das ist immer verräterisch, das sollte vor allem allen Deutschen mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sein. Obama hat unbestritten großes Charisma und er steht mit seiner Art durchaus für eine Art Neuanfang. Er ist nicht der verkrampfte Technokrat, nicht das anzugtragende Fähnchen im Wind. Er hat vor 4 Jahren seine Zukunftspläne sehr geschickt verkaufen können, dadurch, dass er sehr konkret geworden ist, hat das ihm und seinen Plänen eine sehr große Glaubwürdigkeit verliehen, aber es war absehbar, dass er nicht alles umsetzen wird können. Dass er so konkret geworden ist, mag ihn die Wahl 2008 gewinnen lassen, aber es war schon damals klar, dass er daran gemessen wird, was er umsetzen kann und es war absehbar, dass das nicht viel wird. Gute Pläne sind das eine, aber diese gegen finanzielle Interessen durchzusetzen von etablierten, gut vernetzten Industrienetzwerken, eine ganz andere.

Gemessen an seinen Vorstellungen, an seinen Versprechungen und seinen eigenen Maßstäben, ist Obama klar gescheitert. Das muss so klar gesagt werden und das ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Außenpolitisch war meiner Meinung nach sein größter Fehler die Annahme des Friedensnobelpreises, auch wenn heute niemand mehr darüber nachdenkt. Aber es war der Höhepunkt der Weltretterstimmung und es war eine Situation, in der er bereits Präsident war, also nicht mehr Wahlkampf betreiben musste, sondern realistisch hätte werden müssen. Er hätte diesen Preis ablehnen können und in einer Rede darauf hinweisen können, dass er noch nichts erreicht hat und man ihm diesen Preis gemessen an seinen Taten überreichen möge und nicht anhand seiner Versprechungen. Dies hätte für einen Augenblick alle Menschen, die ihn vorher bewundert haben, innehalten lassen können. Diese Menschen hätten sich dann Gedanken gemacht, ob die Erwartungen nicht zu hoch sind und hätten gleichzeitig Obama für seine Weitsicht und seine Demut bewundert. Es wäre nicht mehr als ein Zeichen gewesen, aber diese Zeichen hätte eine Aussagekraft gehabt, die ihm jetzt geholfen hätte, nämlich folgende: Messt ihn an seinen Taten und an dem, was realisierbar war und nicht an seinen Versprechungen. Das ist die einzig faire Behandlung, denn erstens kann ein Umsturz des Bush-Reagan-Systems auf eine moralische Wende nicht in 4 Jahren passieren.

Die unter den Bushs und Reagan etablierte Diskriminierung von Armen, Schwarzen, Moslems, anderen Ländern ("Achse des Bösen" kommt schon von Reagan) usw lässt sich nicht in 4 Jahren aufheben. Vor allem die Bekämpfung von Armut, die Obama als großes Ziel gesetzt hat, ist nach hinten losgegangen. Die Schere in den USA geht weiter auf, aber die Gesundheitsreform ist ein 1. Schritt, der natürlich eine Zeit braucht, bis er wirkt. Dadurch werden Arme nicht reicher, aber es geht ihnen besser. Diesem Schritt muss eine Bildungsreform folgen, die Chancengleichheit muss hergestellt werden. In den USA ist es sehr sehr entscheidend, in welcher Schicht ein Mensch geboren wird. Der amerikanische Traum ist die Illusion der Reichen, die heute noch aufrecht erhalten wird, um die Armen mit Hoffnung bei der Stange zu halten und sie vom rebellieren abzuhalten. Klar gibt es jährlich so 10 Basketballspieler, 30 Footballspieler und eine handvoll Baseballspieler, die aus armen Verhältnissen kommen und Millionenverträge kassieren...und natürlich gibt es auch jährlich ein paar hundert Beispiele von Menschen, die mit einer großartigen Idee, durch Zufall oder sonstige Umstände von armen Menschen zu Millionären werden. Aber was sind diese paar 100, diese vllt 1000 Beispiele heruntergerechnet auf die Bevölkerung von über 300mio Menschen? Das ist lächerlich.
Es geht nicht darum, alle Armen zu Reichen zu machen, indem mensch Reichen etwas wegnimmt, wie es die rechtsgerichtete Medien-Propaganda in den USA gerne erzählt. Es geht darum, Armen Menschen die Chance zu eröffnen, durch Bildung, durch harte Arbeit und durch Fleiß der Armut zu entfliehen. Das ist aber angesichts der Studiengebühren völlig illusionär. Klar gibt es auch Stipendien, sogar eine Menge. Aber die gibt es wieder nur für besonders herausragende Leistungen in Sport und Akademik. Was ist mit den Leuten, die keinen GPA von 4,0 haben? (4,0 ist der beste Schnitt in den USA, je weniger, desto schlechter). Kaum ein wohlhabendes weißes Mittelstandskind hat einen GPA von 4,0, warum wird das dann von den Kindern aus armen Verhältnissen für ein volles Stipendium erwartet? In den USA fallen viel zu viele Leute durch das Raster. Wenn ich mich zurückerinnere an meine Zeit in den USA, dann waren da einige in der Highschool nicht dumm, hatten einen GPA von 3,5, was immernoch sehr gut ist, hervorragende SAT-Werte (das sind die College-Einstufungstests), aber sie hätten nur mit einem vollen Stipendium aufs College gehen können, weil ihre Eltern jeweils 2-3 Jobs hatten und trotzdem bettelarm waren. Diese Leute arbeiten heute in Autowerkstätten, bei der Müllabfuhr oder sonst irgendwo, wohingegen die Wohlstandskinder mit einem GPA von 2,5 und sehr mittelmäßigen SAT-Scores einen Uni-Abschluss in der Tasche haben. Das ist natürlich nicht die generelle Regel, aber es ist einfach extrem unfair, so eine Entwicklung mit anzusehen. Die USA sind nicht das Land der Gleichberechtigung und der Chancengleichheit!

All diese Probleme wollte Obama angehen, in 4 Jahren ist das natürlich nicht zu schaffen. Trotzdem hätte er dies an irgendeinem Punkt kommunizieren müssen, wie gesagt, der Friedensnobelpreis wäre eigentlich genau der richtige Moment gewesen, um alle Leute mal wieder auf den Teppich zu holen. Obama hat diesen Punkt verpasst.
Trotzdem hat Obama generell sehr wenig geleistet. Die Gesundheitsreform ist eigentlich das einzige, was von seinen Versprechungen übrig geblieben ist. Es sind immernoch Soldaten im Irak und Afghanistan, in beiden Ländern ist die Lage misslich, um es mal vorsichtig auszudrücken. Stabil sieht anders aus. Israel ist von seiner völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik abgerückt, ein Friedensgipfel zwischen Palästinensern und Israelis unter der Führung von Obama brachte keine Ergebnisse und sowieso hält sich Obama beim Thema Israel fast komplett raus. Die Palästinenser fühlen sich verarscht, weil die von Obama versprochene 2-Staatenlösung kein Thema mehr ist und die Israelis fühlen sich verarscht, weil sie sich vom Iran bedroht und von Amerika im Stich gelassen fühlen.
Im Thema Klimaschutz hat sich Obama, trotz diverser Versprechungen, nicht gegen die Industrie durchsetzen können. Die USA bleiben eines der wenigen Länder ohne konkrete Klimaschutzziele, das Kyoto-Protokoll ist nicht verlängert oder ausgedehnt worden, die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 ist zu einer lächerlichen Farce geworden, Obama hat es hier völlig verpasst, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Rechnung wird weiterhin kommen, aber solange die Hurricanes kurz vor Wahlen aufs Land treffen, und mensch sich als Commander-in-Chief öffentlichkeitswirksam präsentieren, Babies hochhalten und alte Frauen in den Arm nehmen kann, ist das ja egal.
Innenpolitisch sind die USA weiterhin gespalten. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiterhin auf. Wie gesagt, diese Phänomene können nicht so schnell ausgemerzt werden, aber es ist nur ein ganz kleiner Schritt in die gegensätzliche Richtung gegangen worden, ein Schritt, den schon die Republikaner unter Bush ernsthaft bestreiten wollten.
Die amerikanische Autoindustrie hat Obama zumindest kurzfristig am Leben erhalten, General Motors hat er auf hohe Staatskosten "gerettet", ohne dabei in irgendeiner Form Einfluss auf Entscheidungen zu sichern. General Motors wirft weiterhin Leute raus, die ihn Wählerstimmen und Unterstützung kosten. Viel mehr als ein Prestigeobjekt ist General Motors ohnehin nicht, der Konzern liegt total am Boden. Aber gut, die Bankenkrise, die sich zu einer Finanzkrise ausgeweitet hat, kann mensch Obama nicht vorwerfen, das waren die Reagan-Jünger mit ihren reagonomics, die damit gehörig auf die Schnauze gefallen sind, ohne dass sie die Suppe auslöffeln müssten.

Dies sind Dinge, die Obama sich vorwerfen lassen muss. Er hat nicht alles selbst zu verantworten, ein großes Problem war unter anderem, dass die Republikaner 2010 bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus eine Mehrheit erringen konnten und seitdem eine Menge Gesetze blockieren können. Obama muss deshalb bei jedem Gesetz Zugeständnisse an republikanische Abgeordnete machen und hoffen (siehe Beschreibung des Abgeordnetenmandats oben im Unterschied zu Deutschland), dass er von seinen Demokraten unterstützt wird, damit diese keine Staatskrise auslösen, auch wenn die Gesetze ihnen manchmal nicht so recht passen.
Und die Republikaner blockieren natürlich auch genüsslich Obamas Vorhaben. Er hat einen erdrutschartigen Sieg bei den letzten Präsidentschaftswahlen errungen, das ist für die Republikaner natürlich gefährlich. Und nebenbei hat Obama durch seine wilden Versprechungen natürlich auch gerade die Tür geöffnet für radikalere Republikaner, wie die widerliche Tea-Party zum Beispiel. Ein Delimma, das hoffentlich auf die eine oder andere Art bei den Congresswahlen ausgeglichen wird.

Das führt jetzt alles zu der Frage, dir mir meine Eltern auch schon gestellt haben: wer soll gewählt werden. Den opportunistischen Romney, der ma Hü, mal Hott sagt oder den enttäuschenden Obama, der immer sagt, wo es langgeht, dem letztendlich aber doch die Kraft gefehlt hat, etwas zu bewegen und dabei seine eigenen Versprechungen z.T. verrät. In den USA wird nicht nach Wahlprogrammen gewählt, sonst hätte Romney schon längst keine Chance mehr. Wenn eine deutsche Partei so einen widersprüchlichen Murks wie Romney von sich gibt, wäre sie längst abgeschrieben...obwohl die FDP beim letzten Wahlkampf ja ganz ähnlich agiert hat, Steuersenkungen versprechen ohne Ende, gleichzeitig die Staatsverschuldung stoppen aber nicht sagen, wo das Geld plötzlich herkommen soll. Passt vielleicht nicht so gut das Beispiel. Jedenfalls geht es um Sympathie in den USA. Obama hatte hier eigentlich einen deutlichen Vorsprung. Seine Sympathie ist zwar gewaltig in den Keller gegangen, weil viele Menschen gemerkt haben, dass bei ihm viel Show ist, aber doch wenig Inhalt nachkommt, aber dem steifen radikalen Romney gegenüber war er weiterhin im Vorteil. Romney hat aber durchaus gezeigt, dass Leidenschaft in ihm steckt, wohingegen Obama beim "1. Duell" eine lässige Arroganz an den Tag gelegt hat, die auch seine Showmaskerade etwas zum Einfallen gebracht hat. Obama hat Sandy auf seiner Seite, da konnte er wieder zeigen, dass er Macher ist, während Romney natürlich nur Zuschauer war. Kurzum: die unentschlossenen Wähler, die weder mit den Demokraten, noch mit den Republikanern so richtig was anfangen können, wählen nach Sympathie. Obama liegt hier noch leicht vorne, würde ich behaupten.

Mir geht das auf den Keks. Es kann doch nicht sein, dass in so einem mächtigen Land nicht mit Inhalten für Politik geworben wird, sondern mit Fotos, auf denen der Kandidat ein Baby hochhält. Sowieso geht mir der ganze Wahlkampf auf den Keks. Romney gibt als Motto "Believe in America" aus. Das ist nicht nur langweilig, sondern ebenso nichtssagend. Obama hat sich für "Foward" entschieden. Zurecht, bisher ist er ja nicht vom Fleck gekommen. Letztendlich würde ich mich für Obama entscheiden, da seine leeren Versprechungen sich deutlich mehr mit meinen Wünschen decken, als Romneys Ankündigungen, die auf mich wie Drohungen wirken. Aber auch bei einem Sieg von Romney sehe ich nicht den Untergang des Abendlandes oder des Sozialstaates. Letztendlich könnte eine Wahl von Romney die Lage aber für die unteren Schichten so dramatisch weiterverschärfen (dramatisch ist sie jetzt schon), dass es das nächste Mal innenpolitisch nicht mehr um die Entscheidung Kürzung oder Erhöhung der Sozialleistungen geht, sondern sich Republikaner und Demokraten nur noch überbieten in zukunftsorientierten Konzepten. Vor allem die Bildung muss grundlegend reformiert werden.

Außenpolitisch gibt es keinen Zweifel, dass ich lieber Obama am Ruder hätte. Innenpolitisch ist Opportunismus bei weitem nicht so gefährlich, wie in der Außenpolitik, weil die Auswirkungen schwerer zu reparieren sind. Siehe Reagans Unterstützung der Taliban und des Irans und des Massenmordes in Zentral- und Südamerika. Das waren opportunistische Aktionen, die gerade in der Situation dem Ziel von Reagan geholfen haben mögen (Eindämmung des Kommunismus), aber langfristig erheblicheren Schaden angerichtet haben, als es die Kommunisten jemals hätten tun können. Romney traue ich mit seiner albernen Stärkerdemonstrationspolitik ähnliches zu, da ist mir Obama lieber, der zwar die alten Schäden nicht reparieren konnte, aber wenigstens nicht viele neue angerichtet hat.

Aber vermutlich würde ich nicht wählen gehen, wenn ich berechtigt wäre. Ich schwanke eher nur ganz geringfügig zwischen Obama und Nichtwählen, aber den Unterschied macht letztendlich ein Satz aus, der mir die übel aufgestoßen ist. Obama hat diesen Satz im "2. TV-Duell" gesagt, woraufhin ich verbittert den Stream pausiert habe und erstmal meinen Stift zerbrochen habe. Der Satz, mit dem er seine Regierungstätigkeit zusammengefasst hat, war "Osama bin Laden ist tot und General Motors lebt".
Erstens stellt sich da ein Friedensnobelpreisträger hin, der über sein "Gutmenschentum" und die Verurteilung von Folter im amerikanischen Internierungslagern überhaupt erst an die Macht gekommen ist und feiert sich für einen vermutlichen Auftragsmord und zweitens war die Form die Rettung (nicht die Rettung an sich) nicht weniger opportunistisch, als Romneys Gehabe. Aber in diesem Satz steckt soviel zum Selbstverständnis von Obama. Es ist eben wieder nur die Show, ein markiger Satz, kein Funke Selbstkritik und Öffnung einer Perspektive für einen besseren Weg, einfach nur ein Satz, der auch so von Bush hätte kommen können. Mission accomplished. Pfui.
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Emanuel

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2323 am: 06.November 2012, 13:54:17 »

Soviel hat Don-Muchacho in seinem ganzen Leben noch nicht gelesen...
Ich fang nun an und bedanke mich bereits im Vorraus!
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White

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2324 am: 06.November 2012, 14:17:48 »

Ui Konni, das wär schon fast ein Beitrag für das ein oder andere deutsche Magazin. Ich würde wirklich gerne auf mehr davon eingehen,
Dass Lincoln Republikaner und Jefferson Demokrat war wusste ich übrigens. Allerdings nciht durch Geschichtsunterricht in der Schule oder so, sondern hauptsächlich aus Computerspielen und dem dadurch geweckten Interesse am Unabhängigkeits- und später Bürgerkrieg in den USA.
Die Tatsache, dass Lincoln Republikaner war, wird übrigens auch in American Dad mal erwähnt.

Für mich ist das Bild der US-amerikanischen Parteien ohnehin etwas anders, als bei den meisten. Ich sehe das seit ich mich mit Politik beschäftige, bzw. beschäftigt habe - mittlerweile mache ich das nichtmehr, bzw. immer nur wenn Wahlen anstehen -eher so, dass es in den USA nicht eine rechte und eine linke Partei gibt sondern eine rechte und eine etwas weniger rechte.

Der von dir angesprochene Opportunismus Rom,neys ergibt sich vermutlich auch durch den so unheimnlich personenbezogenen Wahlklampf in den USA. Einerseits kann ich das auch nachvollziehen und verstehen, andererseits - nun, was soll man von einem Präsidenten halten, der ständig seine Meinung ändert, weil er nicht bei seinen Überzeugungen bleibt, sondern den größtmöglichen Gesamtschnitt der Allgemeinheit zufriedenstellen und auf seine Seite bringen will.

Für mich persönlich ist das Ergebnis nahezu egal. Was innenpolitisch in den USA passiert betrifft mich ohnehin nicht. Bei einer Wiederwahl Obamas wird sich außenpolitisch vermutlich wenig ändern. Die Vorschusslorbeeren von allen Seiten hätte er zurückgeben müssen. Einzig die Hoffnung bleibt, dass Obama seine Versprechungen aus der ersten Amtsperiode aggressiver angehen kann, da er nichtmehr um eine weitere Amtszeit kämpfen muss.
Im Falle eines Romney-Sieges wird sich die weltpolitische Lage vermutlich nicht so verändern, dass es mir persönlich gefallen würde, aber von etwaigen Unternehmen, bei denen die Wirtschaft der USA stark profitiert könnte die deutsche Wirtschaft genauso mitprofitieren und verdienen. Es muss also nicht alles, was dem "Gutmenschen" in einem misfällt schlecht für den "inneren Kapitalisten" sein. Geld regiert nunmal die Welt.
Was sein Wahlprogramm betrifft, muss ich aber auch noch sagen, dass er dort einige für die US-Bürger sicherlich tolel Punkte hat, aber nirgendwo auch nur annähernd erkennbar ist, wie die Versprechungen umgesetzt werden sollen.

Wenn ich wählen dürfte/könnte/müsste würde die Entscheidung vielleicht aus einer Laune heraus in dem Moment kommen, in dem ich mein Kreuzchen mache, obwohl ich nach den TV-Duellen Romney bevorzugt hätte. Aktuell würde wohl eher Obama meine Stimme bekommen, allerdings muss man dazu auch sagen, dass das auch irgendwie von meinem Dasein als deutscher Staatsbürger beeinflusst wird. Würde ich in den USA leben bzw. dort Staatsbürger sein, bin ich mir nahezu sicher, dass es Romney wäre. Obwohl ich denke, dass Obama eine Chance verdient hat, mehr richtig zu machen.
Ist echt nicht leicht.

Bald wissen wir wohl mehr.
 
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Picard2606

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2325 am: 06.November 2012, 14:55:51 »

Respekt, Konni, für diesen langen Exkurs.

Aber offen gesagt ist es doch wurschtegal, wer da jetzt gewählt wird. "Big Money" und die 0,1% machen das politische Programm. Kein Politiker im Westen (gilt für die EU genauso) wird eine echte Umverteilungspolitik vornehmen, ob er nun Romney oder Obama heisst.

Übrigens, Konni, es wird nicht gehen, ohne den Reichen "etwas wegzunehmen". Da sollte man schon ehrlich sein. Auch das durchlässigste Bildungssystem wird nichts bringen, wenn nicht zumindest für jeden ein Existenzminimum gesichert wird. Das "Etwas" der Reichen beinhaltet heute außerdem nicht mehr nur Geld, sondern auch Infrastruktur (Schulen, Straßen, Think-Thanks, Privatarmeen). Die einen kaufen sich zum Privatvergnügen eine individualisierte 747, die anderen wohnen im Schuhkarton. Das zu ändern, geht nicht ohne die Axt.

Zurück zum Thema: vor dem Hintergrund dieses Maximaleinflusses der "Super-Reichen" ist aber Obama sicherlich die bessere Wahl. Damit will ich nicht sagen, daß er nicht genauso gekauft und beeinflusst wurde wie jeder andere Politiker auch.

Zumindest aber hat er ein paar Dinge durchgezogen, die von deutschen Politikern niemals zu erwarten wären: Konjunkturprogramme zum Bekämpfen der Rezession (durchaus nicht ohne Erfolg, im Gegensatz zur EU gibt es in den USA zaghafte Erholungszeichen), mehr Sozialsystem statt weniger (Gesundheitsreform). Außerdem geht die US-Regierung relativ konsequent gegen die Finanzmafia vor - z.B. gegenüber der Schweiz oder diversen Großbanken - und investiert doch einiges in Bankenaufsicht, Steuerfahndung etc. Wieviele Banker wurden nochmal in Deutschland verurteilt? Eins? Zwei?
Außerdem habe ich keine Lust auf Romney als weitere Merkel-Klatschbase. Obama hat sie zumindest für den Austeritäts-Panzer, der gerade in ihrem Namen Europa überrollt, ein paar Mal (wenn auch zaghaft) kritisiert.

Beim Friedensnobelpreis bin 100% mit dir d´accord. Ablehnen wäre echte Größe gewesen. Statt dessen wurde es zum Aufbau des "Hero"-Images benutzt. Und seit dem frenetisch bejubelten Auftragsmord an OBL sowie dem Krieg in Lybien ist klar, das auch hier der Military-industrial-Complex die politische Marschrichtung vorgibt.

Von daher: eigentlich ist es wurscht, aber im Rahmen dieser Wurschtigkeit wäre ich doch für Obama.

Gibt es eigentlich noch Nader o.ä als 3. Kandidaten? Wer kandidiert eigentlich für die Grünen in den USA, die ja da noch echte Grüne sind? Als US-Bürger würde ich ja da mein Kreuzchen machen.





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Octavianus

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2326 am: 06.November 2012, 19:00:14 »

Aber vermutlich würde ich nicht wählen gehen, wenn ich berechtigt wäre. Ich schwanke eher nur ganz geringfügig zwischen Obama und Nichtwählen, aber den Unterschied macht letztendlich ein Satz aus, der mir die übel aufgestoßen ist. Obama hat diesen Satz im "2. TV-Duell" gesagt, woraufhin ich verbittert den Stream pausiert habe und erstmal meinen Stift zerbrochen habe. Der Satz, mit dem er seine Regierungstätigkeit zusammengefasst hat, war "Osama bin Laden ist tot und General Motors lebt".
Erstens stellt sich da ein Friedensnobelpreisträger hin, der über sein "Gutmenschentum" und die Verurteilung von Folter im amerikanischen Internierungslagern überhaupt erst an die Macht gekommen ist und feiert sich für einen vermutlichen Auftragsmord und zweitens war die Form die Rettung (nicht die Rettung an sich) nicht weniger opportunistisch, als Romneys Gehabe. Aber in diesem Satz steckt soviel zum Selbstverständnis von Obama. Es ist eben wieder nur die Show, ein markiger Satz, kein Funke Selbstkritik und Öffnung einer Perspektive für einen besseren Weg, einfach nur ein Satz, der auch so von Bush hätte kommen können. Mission accomplished. Pfui.
Ist es nicht genau das, was von Diskutanten in solch einer Runde erwartet wird? Wir haben hier in Deutschland diese Art der Debattierkultur nicht und ich bin nicht sicher, ob ich nun froh darüber sein soll oder nicht. Einfach einen coolen Spruch bringen. Glänzen, um nicht zu sagen: Weglächeln. Scheiß egal, was der Inhalt ist.

Um mehr geht es doch in den TV-Duellen gar nicht, oder?
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Salvador

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2327 am: 06.November 2012, 20:03:18 »

Konni: Ich bedanke mich auch für deinen hervorragenden Beitrag. Letztlich ändert dies aber meine Meinung nicht, dass ich Obama von den beiden immer noch für das kleinere Übel halte. Aber irgendwie hatte ich gehofft, dass ich mich in Romney etwas getäuscht habe - was nicht der Fall ist, denn sein Wahlkampf scheint ja tatsächlich irgendwo zwischen Inhaltsleere, falschen Versprechen und Patriotismus/Religion zu liegen.
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giZm0

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2328 am: 06.November 2012, 20:10:08 »

Danke Konni!

Kann man seine Stimme in den USA auch ungültig machen?
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wAvE

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2329 am: 06.November 2012, 21:06:32 »

Klasse Beitrag Konni. Sehr interessant. Ich wusste ne Menge davon nicht, also danke!

Das mit Lincoln und Jefferson wusste ich nicht, wäre auch voll in die Falle gegangen.


Habe heute auch irgendwo gelesen, dass dieses Jahr 4,5 Milliarden Euro in den Wahlkampf geflossen sind, 4,5 MILLIARDEN. Das ist doch wahnsinnig, gibt es da kein Gesetzt das sowas deckelt? Woher kommt dieses ganze Geld? Wohin geht das?
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smedhult

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2330 am: 06.November 2012, 21:23:02 »

Konni, ich verbeuge mich. Super Analyse, und viele wahre Worte. Ich habe aber auch nichts Anderes von dir erwartet.

Vielen Dank!
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2331 am: 06.November 2012, 21:32:26 »

Sehr, sehr guter Beitrag. Du hast mir jetzt einiges klarer bzw. ins richtige Licht gerückt.
Ich bin gespannt, wer gewinnt. Jedoch ist mir trotz Sympatievorteilen für Obama bewusst, dass sich mit beiden nicht viel ändert, denn mit einem radikalem Kurs wird keiner Erfolg haben. Also wird sich das Maß durchsetzen.
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Romario

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2332 am: 06.November 2012, 22:42:29 »

Habe heute auch irgendwo gelesen, dass dieses Jahr 4,5 Milliarden Euro in den Wahlkampf geflossen sind, 4,5 MILLIARDEN. Das ist doch wahnsinnig, gibt es da kein Gesetzt das sowas deckelt? Woher kommt dieses ganze Geld? Wohin geht das?

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2333 am: 06.November 2012, 22:45:23 »

schaut heute jemand die wahl live an?
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Cubano

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2334 am: 06.November 2012, 22:55:47 »

schaut heute jemand die wahl live an?

An meiner Uni ist Wahlparty mit vorheriger Podiumsdiskussion zur Wahl und Einschätzungen der verschiedenen Professoren und Gäste.
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2335 am: 06.November 2012, 22:57:41 »

Hoffentlich ist an deiner Uni auch eine Gegenveranstaltung, wo einfach nur gesoffen wird :D
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2336 am: 06.November 2012, 23:04:48 »

Hoffentlich ist an deiner Uni auch eine Gegenveranstaltung, wo einfach nur gesoffen wird :D

Das erledige ich zuhause ;) War heute schon den ganzen Tag an der Uni, von daher werde ich mir die Wahl wohl zuhause anschauen, wenn ich wach bleibe.
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2337 am: 06.November 2012, 23:05:42 »

Solche Veranstaltungen lasse ich auch immer links liegen.
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2338 am: 06.November 2012, 23:10:55 »

Solche Veranstaltungen lasse ich auch immer links liegen.

Da ich Politikwissenschaft studiere, habe ich nach 5 Semestern eh schon eine ungefähre Vorstellung, was die Profs so sagen werden. Außerdem hab ich langsam ne eigene Meinung  ;D

@Konni: Deinen Essay-Beitrag werde ich mir morgen auch durchlesen, ich mag deine Art zu schreiben.

EDIT: Irgendwie finde ich es nicht gut, dass man Opdenhövel bei der ARD jetzt auch noch die US-Wahl moderieren lässt.
« Letzte Änderung: 06.November 2012, 23:19:58 von Cubano »
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j conway

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #2339 am: 06.November 2012, 23:24:55 »

Ist es nicht genau das, was von Diskutanten in solch einer Runde erwartet wird? Wir haben hier in Deutschland diese Art der Debattierkultur nicht und ich bin nicht sicher, ob ich nun froh darüber sein soll oder nicht. Einfach einen coolen Spruch bringen. Glänzen, um nicht zu sagen: Weglächeln. Scheiß egal, was der Inhalt ist.

Um mehr geht es doch in den TV-Duellen gar nicht, oder?

Obwohl die ersten TV-Duelle hier in Deutschland (Schröder-Merkel?), auch mit Interesse verfolgt wurden.
Aber was solche "Rede-Duelle" angeht, bin ich ganz bei dir. Mehr Schein, als Sein. Aber ist es nicht das, was die breite Masse sehen/erleben will? Die Kritik gegen einen Kontrahenten, ist das einfachste Mittel, die Massen zu beeindrucken. Ich hatte mir leider das erste Duell Obama-Romney nicht angesehen. Desegen kann ich die wohl "schlechte Leistung" Obamas nicht bewerten. In den beiden nachfolgenden Duellen, hat mich Obama keineswegs beeindruckt. Er ist gerade in direkten Konversationen, oft ausgewichen und hat den direkten Blickkontakt gescheut. Inhaltlich fande ich beide wenig überzeugend. Obama hat sich zu sehr, von dem wirtschaftsbezogenen Aussagen "einlullen" lassen und hat dabei vergessen, Romney auch mal festzunageln.
Romney stellt für mich, das typische "Marionettenbild" dar. Da muss man nicht lange überlegen, wer denn der eigentliche "Präsident" wäre. Über die "Außenpolitikdebatte", verliere ich lieber kein Wort über Romneys "Leistung".
Das "Wir/Ich habe/n Bin Laden getötet" - Gerede Obamas, ist zwar moralisch durchaus verwerflich, sind aber genau solche Aussagen, um im gegnerischen Lager "zu wildern". Mit dem Hintergrundgedanken, dass diesem Mann der Friedensnobelpreis überreicht wurde, hinterlässt dies sicherlich einen faden Beigeschmack.
Allerdings bin ich geteilter Meinung, ob Obama evtl. den Friedensnobelpreis hätte ablehnen sollen. Ich weiß nicht, wie dieses Thema in der amerikanischen Gesellschaft - wo der Ruhm, keinen geringen Stellenplatz hat - aufgenommen wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige mit einer Ablehnung nicht einverstanden gewesen wären. "Der amerikanische Präsident bekommt den Friedensnobelpreis und lehnt ihn ab". Wäre ein gefundenes Fressen für alle Obama-Gegner.

Alles in allem, hoffe und denke ich, dass Obama auch für die nächsten vier Jahre Präsident bleibt. Er hat vor vier Jahren, sicherlich von seinem "Hoffnugsträger"-Image gezehrt; und seinem Wahlkampf demenstprechend aufgestellt. Nun liegt es an ihm, seine hohen Erwartungen zu erfüllen.
« Letzte Änderung: 06.November 2012, 23:28:10 von j conway »
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