Mein Großonkel war im KZ, eine Oma auf der Flucht (vor Russen und Deutschen) und keiner wäre auf die Idee gekommen, deswegen nicht mehr Goethe lesen zu wollen, weil die Geschichte nur aus der Nazizeit besteht und alles Andere, was nach "Deutsch" riechen könnte, damit beschäftigungsunwürdig sei. Stolz war dann der westliche Teil der Verwandtschaft in der Retrospektive, dass man nach dem Krieg aus der Not eine Tugend gemacht, mit Fleiß den Laden wieder aufgebaut hat. Braucht man aber nicht betrachten, ist nicht beredenswert. Wir konzentrieren uns voll und ganz auf zwölf Jahre dunkelste Epoche und vergessen den Rest komplett. Super konstruktiver Ansatz. Gut, ich kann ein Kind auch mit Stockschlägen erziehen, anstatt ab und zu dieses zu loben. Kann man machen, muss man aber nicht. /polemik ende
Wenn man meint, die deutsche Geschichte beginnt erst 1871, dann muss man konsequent sein: Die Französische beginnt mit der französischen Revolution, die italienische 1860+x, die Türkische 1919, die Österreichische 1918, die Belgische 1830+x, die Chinesische 1946 etc...wenn man das so macht, dann - ja - beginnt die Geschichte 1871. Bleiben immernoch gut 150 Jahre vs. 12 Jahre finsteres Mordor. Ist die Mordorzeit wichtig? Jop. Ist der Rest damit komplett egal? ...ich bin der Meinung "nein" und sehe diesen Aspekt als Denkanstoss, wie man das sinnvoll austariert, ohne das "Opferkult" mit hirnlosem "Heldengedenken" ausgetauscht wird.
Btw...wer hat den das Zitat überhaupt im Kontext gelesen?
"Aber wir wollen weder in der Welt noch in Europa aufgehen. Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre. Und nur wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten.
Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die 12 Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte. Und die großen Gestalten der Vergangenheit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bismarck sind der Maßstab, an dem wir unser Handeln ausrichten müssen. Gerade weil wir die Verantwortung für die 12 Jahre übernommen haben, haben wir jedes Recht den Stauferkaiser Friedrich II., der in Palermo ruht, zu bewundern. Der Bamberger Reiter gehört zu uns wie die Stifterfiguren des Naumburger Doms.
Liebe Freunde, denken wir immer daran, dass ein deutscher Jude, Ernst Kantorowicz, den Ruhm des Stauferkaisers beschrieben hat. Nein, der Islam gehört nicht zu uns. Unsere Vorfahren haben ihn 1683 vor Wien besiegt. Aber das deutsche Judentum von Ballin und Bleichröder über Rathenau und Kantorowicz war Teil einer deutschen Heldengeschichte, die Hitler vernichten wollte.
Liebe Freunde, uns muss man nicht vom Unwert des Nationalsozialismus überzeugen. Wir haben diesen Unwert im Blut. Aber, liebe Freunde, wer eine Rot-Kreuz-Flagge aus den letzten Tages des Kampfes um Berlin entsorgt, hat keine Achtung vor soldatischen Traditionen, die es jenseits der Verbrechen auch in der Wehrmacht gab."