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Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
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DragonFox:

--- Zitat von: OppaChonk am Gestern um 18:27:42 ---Wo "versickern" dann die restlichen 500-600k, die unter "Politische Führung" fallen?

--- Ende Zitat ---

Was für eine spannende Frage, wenn man bewerten will, ob eine Zahl der totale Wahnsinn ist. Destatis gibt sehr viele Stellentypen an, die unter Politische Führung und Zentrale Verwaltung fallen.

Eine Idee, wo die zum Beispiel arbeiten: Wenn du heiratest und auf das Standesamt gehst, um die Formalitäten zu klären, wirst du dazu nicht vom ehrenamtlichen Bürgermeister betreut, obwohl sein Büro vielleicht direkt nebenan wäre. Ein Bürgermeister steht einer Verwaltung vor oder hat mit einer übergeordneten Verwaltung zu tun. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind dort die Ausnahme.


--- Zitat von: TNDO am Gestern um 18:00:17 ---@ DragonFox : Wer zur politische Führung genau gehört ist schwer rauszufinden.
Laut dem was ich bisher rausgefunden habe gehören dort politische Amtsträger, sowie Parlamentarische Staatssektretäre und Staatsassistenten dazu. Auch die Spitzenbeamten gehören dazu (Abteilungsleiter Ministerien, Leiter von Bundesbehörden etc.). Gleiches gilt für die Länder. Bei den Kommunen gehören zu der Gruppen Bürgermeister, Landräte, Beigeordnete und Dezernenten. Finde ich schon krass wie viele "Häuptlinge" wir uns da leisten und deren "Gehilfen".
Die Bundespolizei gehört wenn ich das richtig verstanden habe zum Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Also wir haben mehr "Führungskräfte" bei den Beamten (607000) als Polizisten (355800). Das macht es noch krasse.

--- Ende Zitat ---

Du hast eine vage Vermutung wo die Leute arbeiten und eine zweite unzusammenhängende Zahl, die die ursprüngliche Zahl für dich nicht nur als totalen Wahnsinn, sondern als noch krasser erscheinen lässt. Wenn ich es richtig verstehe, basiert deine Kritik auf einem Gefühl. Danke für die Antwort.
Das Bild mit den Häuptlingen und Gehilfen ist so nicht korrekt. Eine Person auf dem Standesamt ist weder Häuptling noch Gehilfe. Sie liefert eine eigenständige Verwaltungsleistung.
TNDO:
@ DragonFox : Wenn du mehr weißt darüber, dann bitte klär mich auf. Ich bin sehr interessiert daran, was sich hinter dieser Zahl verbirgt und vor allem wer.
DragonFox:

--- Zitat von: TNDO am Gestern um 22:39:19 ---@ DragonFox : Wenn du mehr weißt darüber, dann bitte klär mich auf. Ich bin sehr interessiert daran, was sich hinter dieser Zahl verbirgt und vor allem wer.

--- Ende Zitat ---

Ich finde es frustrierend, dass du hier einfach eine Zahl raushaust und sie bewertest und dann sollen andere Leute recherchieren. Die Kritik in diese Richtung prallt ab und du wiederholst erstmal die gleiche Handlung mit irgendwelchen kruden Vergleichen. Hier galt für eine gute Diskussion eigentlich mal, dass man selbst die Bringschuld für die Fakten hinter seinen Argumenten hat. Falls man eine Zahl und eine Bewertung der Zahl ohne Begründung überhaupt Argument nennen will.


https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentlicher-Dienst/Tabellen/beschaeftigte-aufgaben.html
Hier siehst du, dass der große Teil der Beschäftigten in den unteren Bereichen der Verwaltung arbeitet. 607k teilen sich in 45,5k im Bund, 166,7k im Land und 394,8k im kommunalen Bereich auf. Bei 394,8k im kommunalen Bereich zeigt sich auch, wie weit daneben man liegt bei der Einordnung 60% der knapp 11k Bürgermeister zu recht ins Ehrenamt zu schieben. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Dagegen ~600k Beschäftigte irgendwo "versickern" zu lassen klingt leicht nach Verschwörungstheorie. Seis drum...

https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_18042024_IIA3H11032110002003.htm
Hier hast du den aktuellen Funktionenplan des Bundes. Da bekommt man eine Idee, was alles unter '01 Politische Führung und zentrale Verwaltung' fällt (die Funktionen 011 bis 019).

Da sieht man sogar, dass ich mich geirrt habe. Das Standesamt wird sehr häufig zu Öffentlicher Sicherheit und Ordnung zugeordnet.

Aber mal ein paar Beispiele in einer nicht vollständigen Liste:

Gemeinde: Stadtrat, Geschäftsstelle, Bürgermeisterbüro, Bezirksvertretungen in Grossstädten, Rechnungsprüfungsamt, kommunale Beauftragte, Wahlamt, Hauptamt, Personalamt, Vergabestelle, Disziplinarstelle, Liegenschafts- und Gebäudemanagement, Fortbildung/Ausbildung, Pressestelle, Bürgerkommunikation, Statistikstelle, Hochbauverwaltung, IT/Rechenzentrum.
Kreis: Kreistag, Landrat, Rechnungsprüfungsamt, Landratsamt (zentrale Verwaltung), Kreisamt, plus alle obigen generellen Funktionen.
Land: Landtag, Landesregierung, Ministerien, Senatsverwaltungen, Landesvertretungen in Berlin und Brüssel, KMK- und GWK-Sekretariate, Landesverwaltungsämter, plus alle obigen generellen Funktionen.
Bund: Bundesnachrichtendienst, Sachverständigenräte, Bundesnetzargentur usw

Die Ebenen nach unten wird alles multiplikativ größer, weil dort mehr Menschen beschäftigt sind. Je mehr Menschen beschäftigt sind, desto größer ist der generelle Verwaltungsoverhead. Das ist ein Skalierungsphänomen, dass man auch aus Unternehmen kennt. Da sind auch alle Nebenfunktionen dabei. Reinigungskräfte, Hausmeister, Haustechniker und so weiter. All diese Funktionen, die in den Gebäuden der oben genannten Stellen tätig sind, fallen unter diese Aufzählung, sofern keine Sonderregelung stattfindet oder extern beauftragt wurde.


Ich weiß jetzt eine ganze Menge über die Beschäftigten in der Politischen Führung und zentralen Verwaltung. Aber selbst jetzt kann ich deine Ausgangsfrage nicht beantworten. Ich kann weder abschätzen, ob wir diese ganzen Gremien brauchen, noch ob da irgendwas in einer nennenswerten Größenordnung zu viel ist. Ich bin mir sicher, man könnte tausend Stellen streichen, ohne allzu viel Schaden anzurichten und damit Geld zu sparen. Ich bin mir aber auch sicher, dass man irgendwo anders tausend Stellen aufbauen könnte, weil irgendwelche Prozesse nicht laufen, Büros unterbesetzt sind, die Digitalisierung zu langsam ist oder sonst irgendwas. Das gleiche könnte ich aber auch über ein Unternehmen wie Siemens sagen, das auch mehrere hunderttausend Beschäftigte hat und von dem ich ebenso wenig weiß, was die alle machen. In einem so großen Apparat punktuell Inneffizienzen zu vermuten ist wahrscheinlich nie falsch.
Aber ich habe überhaupt keinen Anhaltspunkt, wie viele Beschäftigte in der Politischen Führung und zentralen Verwaltung für ein Industrieland mit 83,5 Millionen Menschen angemessen ist. Es fehlt mir ein Vergleich mit anderen Ländern, eine empirische Untersuchung über Auslastung oder Effizienz der Beschäftigten oder sonst irgendwas in diese Richtung.

Es gibt zig Gruppen, die das für zu viel halten – FDP, Steuerzahlerbund, IW Köln, AfD. Es gibt ebenso zig, die es für ausreichend oder zu wenig halten – dbb, SPD, Grüne, Linke, OECD, kommunale Spitzenverbände. Keine Seite hat den empirischen Beleg. Die pauschale Frage "zu viel oder zu wenig" ist eine politische Position, kein Befund. Faktisch beantwortbar sind allerdings Nebenfragen: wo Personal wächst, warum, wo Doppelstrukturen sind, wo Engpässe. Dort liegen die spannenden Antworten, durch die man Ressourcen sparen oder Probleme lösen kann. Das sind zum Beispiel Positionen von Bertelsman oder dem Bundesrechnungshof: "Die Frage ist nicht zu viel oder zu wenig, sondern an welcher Stelle und mit welcher Effizienz." Die Hauptfrage in deiner Form ist für mich methodisch unentscheidbar. Sie taugt zu nicht mehr, als über ein Sprechpult oder die Tastatur in die Welt gehauen zu werden, um einen grundlegenden Standpunkt zu markieren.


TNDO:
Erstmal danke für die Links und die Aufklärung. Mag für dich frustrierend sein, aber ich habe es nicht geschafft diesen Funktionenplan zu finden. Das nennt man Brett vorm Kopf.

Und meine Aussage, dass der Staat zuviel aufbaut, während die Wirtschaft abbaut, das habe ich ja auch mit Fakten belegt. Die Wertung, dass 11% der absolute Wahnsinn ist ergibt sich ja aus der Tatsache, dass es so schwer ist rauszufinden, was diese machen. Da bin ich generell erstmal misstrauisch. Wenn ich sehe, da arbeiten 20% im Sektor Allgemeinbildende und berufliche Schulen, dann weiß ich ziemlich genau, wer sich dahinter verbirgt, was die machen. Gibt sicher auch dort "Einsparpotential", aber grundsätzlich sehe ich das als notwendig an. Mit dem Funktionenplan als neue Grundlage kann man sicher auch darüber diskutieren, ob man ohne Wehrpflicht 015 noch braucht. Ich werde mich aber (wohl nicht mehr heute) sobald ich Zeit habe ein wenig mehr damit auseinandersetzen um Zahlen dazu rauszufinden und dann abschließend das für mich zu bewerten.

Zu dem Thema ob das jetzt zuviele sind. Wirkt auf mich auf jeden Fall so. Das hat auch wenig mit politischer Position zu tun. Ich mein der dbb ist der deutsche Beamtenbund. Dass der das nicht für zu viel hält, das dürfte niemand verwundern und ist menschlich. Die Teilung die du ansprichst sind aber eher Gegensätze zwischen viel Staat (Grüne, spD, Linke, etc.) und wenig Staat (fdP, Steuerzahlerbund, IW Köln). Siemens ist tatsächlich ein schlechter Vergleich, da dies ein Unternehmen ist und ich es nicht über Steuern und Sozialabgaben mitfinanziere. Im Zweifelsfall sollte es da der Markt regeln (wenn der Staat nicht mit Subventionen einspringt). Ich gebe dir aber recht, dass auch in den Unternehmen sehr viel unnötige Verwaltung ist, das kennt auch jeder aus seinem Arbeitsleben, dass dort Leute sind, die einfach nur "beschäftigt" werden. Aus dem Englischen kommt ja das Wort Bullshit Jobs dafür.


Zum Thema afD. Vielleicht mag die afD das jetzt noch so sehen, aber als Partei an der Macht kann ich mir schon vorstellen, dass sich das ganz schnell ändern könnte, wenn die eigene Wählerschaft und Parteigänger dann in entsprechende Staatspositionen einsickern.
Hier mal ein Link zum einem Sternartikel aus 2005 :  https://www.stern.de/politik/geschichte/die-gruenen-der-aufstieg-der--anti-parteien-partei--3545376.html
Heute sind die Grünen die stärkste Partei was den Stimmenanteil bei Beamten angeht. Interessant auch die Parallelen, wenn damals Egon Bahr sie als "Gefahr für die Demokratie" gebrandmarkt hatte.
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