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Wild! Unbarmherzig! Stark! - Entfessle den Tiger in dir! (FM 2012)

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Mike:
Vorgeschichte
22. Juni 1986 - Irgendwo in Österreich

Eine verqualmte Wohn-Ess-Stube. Am Tisch sitzt mein Großvater. Vor sich hatte er einen Aschenbecher mit einer glühenden Zigarette stehen. Eine noch nicht angezündete Zigarette hatte er sich hinter das Ohr gesteckt. Eine dritte Kippe hing ihm aus dem Mundwinkel. Davor ein großer Fernseher. Ich auf der Ersatz- äh Eckbank. Es läuft gerade ORF 1. Immer wieder forderte er mich auf endlich still zu sein. Beim gucken von Fußball sollte man sich am besten nach seiner Anweisung richten. Wenn Blicke töten könnten, hätte ich dieses Spiel nicht überlebt, denn sein Grundsatz beim Fußballschauen im TV war: „Schweigt, damit ich nichts verpasse!“. Aber welcher 6-jährige Knabe kann dauerhaft schweigen? Ich konnte es jedenfalls nicht. „Opa, Opa!“ rief ich aufgeregt. „Der hat das Tor mit der Hand erzielt! Darf er das?“ Seine Antwort: „Sei leise!“ und „Nein, darf er nicht!“. Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum jubelte denn dann dieses blaue Männchen so ausgelassen? Ich nervte meinen Großvater mit weiteren Fragen, warum denn der Blaue ein Tor mit der Hand erzielen dürfe, wenn dies anderen nicht gestattet sei. Am Ende half England das Tor von Lineker nicht mehr und Argentinien gewann 2:1 durch ein Tor mit der „Hand Gottes“ und eines durch Maradona.

Silberhochzeit meiner Großeltern (29.7.1975)
25. Juni 1988 - Irgendwo (ein anderes irgendwo als 1986) in Österreich

Zwei Jahre waren seit dem Tor durch die „Hand Gottes“ vergangen. Bewusst verfolgte ich Fußballspiele noch nicht. Doch heute durfte ich mir ein Spiel ganz alleine ansehen. Meine Eltern und meine Geschwister waren weggefahren. Das war mir ganz recht so, denn irgendwie hatte ich das Verhalten meines Großvaters übernommen. Während einer Fußballübertragung sollte am besten nicht geredet werden und daher war es mir ganz recht, dass ich das Finale Niederlande gegen die UDSSR alleine sehen konnte. So lag ich am Boden vor dem Fernseher im Wohnzimmer und genoss dieses Finale. An das Spiel selbst kann ich mich nicht mehr so erinnern, aber insgesamt haben mir Koeman, Rijkaard, Gullit, van Basten und wie sie sonst noch alle im Kader der Niederlande hießen mit ihrem Spiel sehr gefallen. In meinen Augen war daher der Erfolg der Niederlande absolut verdient.

8. Juni bis 8. Juli 1990 - Kinderzimmer irgendwo in Österreich

Die WM in Italien ist die erste Fußballgroßveranstaltung, die ich bewusst mitverfolgt habe. Bereits im Vorfeld habe ich sämtliche Artikel der „Kronen Zeitung“ fein säuberlich in den mitgelieferten Ordner eingeheftet. Und auch die Panini Pickerl habe ich fleißig gesammelt. Voll ist dieses Album dennoch nicht geworden. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Von meiner Stiefgroßmutter haben meine Brüder und ich einen kleinen, weißen Schwarz-Weiß-Fernseher (ich glaube einen solchen konnte man beim Camping benützen) bekommen. Während der WM lief dieser dann heiß, wenngleich nicht immer alles vom Spiel erkannt wurde. Da ich mir aufgrund der teilweisen späten Anpfiffzeiten (nach 20 Uhr) nicht alle Spiele ansehen durfte, wurden viele der Spiele heimlich verfolgt und bei jedem noch so kleinen Geräusch wurde schnell der Fernseher ausgeschaltet und ausgesteckt (sonst wäre er weg gewesen). Bei den ersten Partien Österreichs war dies kein Problem, da am nächsten Tag keine Schule war. Beim Sieg Österreichs gegen die USA wurde aufs heftigste gejubelt, aber leider nur ganz leise, da ich mir das Spiel eigentlich nicht ansehen durfte. Geholfen hat dieser nicht, da Österreich die Koffer packen musste. Rückwirkend bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob ich das gesamte Spiel gesehen habe oder ich nicht schon vorher eingeschlafen bin.

Am besten in Erinnerung geblieben ist mir Kamerun mit Roger Miller. Seine Spielweise in Italien ist einfach unvergesslich. Mittlerweile drückte ich England die Daumen, aber auch die konnten den Pott nicht holen.

10. Juni bis 26. Juni 1992 - Dasselbe Kinderzimmer irgendwo in Österreich

Seit den Spielen der WM 1990 habe ich jedes (bis auf die Zeit beim Bundesheer, wo ich nicht schauen konnte) Spiel der österreichischen Nationalmannschaft im TV verfolgt. Darunter auch die Schlappe gegen Färöer (Griechenland ist nun deren aktueller Lieblingsgegner :)) nach der Hickersberger seinen Platz auf dem Trainerstuhl räumen musste und Österreich sich nicht für die EM qualifizieren konnte. Dazwischen habe ich natürlich daran gedacht selbst Fußball bei einem Verein zu spielen, aber das ist sich aus irgendwelchen Gründen nicht ausgegangen. Die EM 1992 habe ich wie die WM 1990 vor dem kleinen, weißen Schwarz-Weiß-Fernseher mitverfolgt. Unglaublich wie ich damals mit den Dänen mitgefiebert habe, obwohl sie „meine“ Engländer aus dem Bewerb gekegelt haben. Das dänische Dynamit zündete erst so wirklich nach der Vorrunde und niemand hat ihnen etwas entgegensetzen können.

Octavianus:
Wow, eine Story vom geschätzten Mike. Das ist schon lange her und ich freue mich auf deine Geschicke!

Mike:
@Octavianus: Ja ist sicher mittlerweile fünf Jahre her als ich meine letzte Story so mir nichts dir nichts aufgegeben habe, da ich dafür aus privaten Projekt keine Zeit hatte. Dieses Projekt ist aber nun abgeschlossen und ich habe nun definitiv wieder mehr Zeit. Zudem verbinde ich das Spielen des FM immer mit dem Schreiben einer Story, so dass es nun einfach an der Zeit war wieder zu starten. Dies hatte ich schon länger geplant, aber mit der Umsetzung starte ich erst jetzt. Ich hoffe, dass ich die Erwartungen der "älteren" Leser erfüllen kann.

@All: Diese Story basiert zumindest anfangs teilweise auf meiner letzten Story, so dass vielleicht dem einen oder andern dieser Anfang etwas bekannt vorkommen könnte.

Seit der EM 1992

War man erst einmal der Faszination Fußball erlegen, dann gab es kein Halt mehr. Jedes Großereignis wurde verfolgt. Wenn es möglich war wurde bzw. wird jedes Spiel (mittlerweile konnte ich mehrheitlich die Spiele in Farbe mitverfolgen) gesehen. Auf nationaler Ebene gelang es österreichischen Vereinen selten über die Grenzen hinweg Aufmerksamkeit zu erregen. International von Bedeutung waren der Einzug ins Finale des Cups der Cupsieger durch Rapid rund um Trifon Iwanow sowie der UEFA-Cup Finaleinzug der Salzburger. Deren Pech gegen Inter ist unvergessen. Salzburg und Rapid sind zwar nicht meine Vereine, aber mitgezittert habe ich trotzdem. Über meinen Herzensverein* möchte ich nicht so viel schreiben. Nur so viel sei gesagt, dass er Mitte der 1960er Jahr zum einzigen Mal österreichischer Meister wurde.

Auf der professionellen Ebene habe ich mich abgesehen von der Trainerausbildung wenig mit Fußball beschäftigt. Das Erlangen der UEFA Pro-Lizenz ist ein hartes Stück Arbeit gewesen. Da ich mich vorab nur im Nachwuchsbereich verdingt habe, wurde ich immer wieder für diese Lizenz abgelehnt. Mit Hartnäckigkeit und Ausdauer gelang es mir einen begehrten Platz neben den Ex-Profis zu ergattern, die es mich spüren ließen, dass ich mit Fußball außer „gucken“ nichts zu tun hatte. Trotz aller Ressentiments bekam ich mein Diplom und wollte mich fortan in der großen Fußballwelt beweisen.

Unter dem Motto „Auf mich hat die Welt gewartet!“ ging ich an die ersten Bewerbungen in Österreich. Die Antwort der Welt hat nicht lange auf sich warten lassen und lautete: „Sie hat nicht auf dich gewartet!“. Kein Danke für die Bewerbung. Kein vielleicht kommen wir in der Zukunft auf sie zu. Kein ach was weiß ich, was ich mir neben der Akzeptanz erwartet hatte. Nach und nach erhielten meine ehemaligen Kameraden während der Schulung zur UFEA Pro-Lizenz ihre Anstellungen in Österreich. Niemand, aber auch wirklich niemand wollte mich verpflichteten. Dabei ging ich bereits von der irrigen Annahme in den obersten Ligen trainieren zu wollen ab. Vereine in Regionalligen, Landesligen oder Bezirksligen wollten mich ebenso nicht verpflichten, wie jene Profivereine, die mich bereits bei der Bewerbung ausgelacht hatten.

Die zahlreichen Absagen ließ ich mir sehr zu Herzen gehen. Ich zog mich in mein kleines melancholisches Ich zurück und blies Trübsal. Weiter wurde naturgemäß Fußball im TV konsumiert und da ich nun das nötige Fachwissen hatte auch analysiert. So fand ich schnell heraus warum Karel Brückner nach der Heimeuropameisterschaft 2008 mit Österreich scheitern musste, oder warum Özcan nach dem Aufstieg mit Hoffenheim leider doch nicht in der Bundesliga landete. Die sportliche Krise beim HSV war ebenfalls so schnell erklärt wie der Absturz meines Herzensvereins in die sportliche Belanglosigkeit oder warum der FC Liverpool einfach keine Titel holte. Und nein, es liegt nicht daran, dass ich dort nicht als Trainer arbeite und die Spieler zu sportlichen Höchstleistungen motivieren hätte können.


* Nach der aktuell hier behandelten Saison kam es zu einem Zwangsabstieg in die drittklassige Regionalliga, der erst im FM 2013 Berücksichtigung fand.

doc_moustache:
Ich bin mit Interesse dabei. Hört sich so an, als würde da jemand "von unten" die Alpenrepublik aufrollen.

Mike:
@doc_moustache: Danke schön. "Von unten" aufrollen stimmt, aber nicht in der Alpenrepublik.

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