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Autor Thema: [FM 20 bis 24] Lavayeuxs Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers  (Gelesen 49743 mal)

Noergelgnom

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #280 am: 19.September 2023, 18:28:31 »

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IFK Eskilstuna




Gimme, gimme, gimme...



Spätherbst 2035, Eskilstuna, Schweden


Eskilstuna.
Eskils Tuna.
Das Tuna des Eskil.
Wenn man sich den Namen meines neuen Arbeitsortes mal mit Bedacht über die Zunge rollen läßt, kommt man eigentlich fast schon zwangsläufig darauf, was er bedeutet, selbst wenn Schwedisch, Letzeburgisch und Deutsch nun wirklich nicht die gleiche Sprache sind.

Ich brauche allerdings dennoch die freundliche Hilfe eines Objektes und eines Menschen, um den Zusammenhang zu erkennen.
Das Objekt ist eine Plakette AN einer städtischen Kirche, der Mensch der Priester IN dieser Kirche.
Beide weisen den interessierten Touristen in unterschiedlichen Detailgraden darauf hin, dass der Heilige Eskil, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in diese Region entsandt, um den Heiden die Segnungen der Heiligen Mutter Kirche näherzubringen, hier in Tuna seinen Bistumssitz errichtete und dass er ganz in der Nähe - genauer gesagt etwa eine Tagesreise östlich, in Strängnäs - von entschieden heidnischen Einwohnern gesteinigt wurde, als er ihnen erklären wollte, dass heidnische Kulthandlungen ein gotteslästerliches Frevlertum, ja geradezu Teufelszeug, seien.
Ungeschickterweise unterbrach Eskil eine ebensolche Kulthandlung, um diese Botschaft zu Gehör zu bringen, was sein steinernes Grab eventuell ein wenig besser erklärt.

Wie lange die Ortschaft Tuna schon vor Eskils schicksalhaftem Entschluß, sich gerade hier niederzulassen, bestanden hatte, vermag dabei niemand mehr genau zu sagen.
Sicher scheint nur, dass die gesamte Region bereits in der Jungsteinzeit zumindest lose und temporär besiedelt war.
Und dass ihre Bedeutung nach Eskils religiös motiviertem Ableben stark anwuchs.

Ich unterbreche den Priester, als er sich nach einer halben Stunde anschickt, mir nach der äußerst plastischen (und eine Winzigkeit zu begeisterten) Schilderung der Märtyrer- und Heiligwerdung des Angelsachsen Eskil nun auch noch die restliche Jahrhunderte der Stadtgeschichte nahezubringen.

Mit bedauern den Worten schütze ich dringende Termine vor, schwinge mich rasch wieder auf mein Rad und presche davon.
Dass ich während der Fahrt ausgerechnet zwei entschieden unchristliche Songs im Kopf habe - nämlich Bathorys "One rode to Asa bay" im Wechsel mit "enter the eternal fire" - erscheint mir irgendwie logisch nach all dem frühchristlichen Input...

Das heutige Eskilstuna ist glücklicherweise deutlich säkularer.
Beiderseits eines malerischen Flusses gelegen, versprüht die Stadt sogar ein wenig Venedig-Flair (sofern man Venedig nur als Idee im Kopf hat und noch nie dort war).
Die Einwohnerzahl von knapp 60.000 Einwohner macht den Ort zur siebzehntgrößten Stadt Schwedens - und es ist nur logisch, dass sich im Laufe der Zeit auch der eine oder andere (Halb-)Prominente hier herumtrieb.

Daniel und Kristoffer Gildenlöw zum Beispiel, die die Rockinteressierten natürlich sofort mit Pain of Salvation in Verbindung bringen werden, sind hier geboren, ebenso wie ein gewisser Gas Lipstick von einer vor einigen Jahrzehnten mäßig gehypten Band namens (angeblich) "His Infernal Majesty", kurz HIM.
Eine dem breiteren Publikum wahrscheinlich deutlich bekanntere Sängerin namens Anni-Frid Lyngstad wurde zwar nicht hier geboren, verbrachte aber ab ihrem vierten Lebensjahr einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend hier, bevor sie zusammen mit drei anderen Virtuosen die Welt im Sturm eroberte und sich zu den Spitzen des Pop-Olymp aufschwang.

Es gibt sogar einige bekannte Fussballer, die aus Eskilstuna stammen - am bekanntesten sind dabei wohl der 83-fache schwedische Nationalspieler Kennet Andersson, den manch einer vielleicht noch aus seiner Zeit bei Lazio oder Bologna kennt ... und natürlich Sebastian Larsson, der mit 16 vom IFK Eskilstuna zu Arsenal wechselte, nahezu seine gesamte Profikarriere in der Premier League verbrachte und dort 403 Partien spielte, bevor er im Alter von 33 zum ersten Mal in seiner Heimat Schweden als Profi auflief (für AIK).

Womit sich - während ich dem Verwaltungsgebäude des IFK Eskilstuna entgegenradele - meine Gedanken meinem neuen Arbeitgeber nähern.
Der Verein wird übernächstes Jahr (also 2037) unglaubliche 140 Jahre alt werden.
Eskilstuna gehörte salopp gesagt zur zweiten Welle der "IFK"-Gründungen und existiert nunmehr unununterbrochen seit 1897, ist damit älter als so manches "Club of Pioneers"-Mitglied (insbesondere natürlich älter als FOLA Esch).

Als 1910 die erste Svenska Serien (der Vorläufer der heutigen Allsvenskan) gespielt wurde, war der IFK Eskilstuna zusammen mit Schwergewichten wie IFK Göteborg, IFK Norrköping, Örgryte IS oder AIK Stockholm (heute: AIK Solna) Gründungsmitglied und gehörte in dieser grauen Fussballvorzeit quasi zum schwedischen "Establishment".
1921 gelang durch einen 2:1-Finalsieg gegen IK Sleipner (einen weiteren tief gefallenen Frühzeitgiganten des schwedischen Fussballs) sogar der Gewinn der schwedischen Meisterschaft und damit der größte Erfolg der langen Vereinsgeschichte.
Zwei Jahre später erreichte der Club noch ein weiteres Mal das Meisterschaftsfinale, wurde dort jedoch von AIK Stockholm (die genau in jenem Jahr nach Solna umzogen) vernichtend geschlagen: 1:5 hieß es am Ende.

Insgesamt verbrachte der Verein aber lediglich 14 Spielzeiten in der ersten schwedischen Liga, viel häufiger war der Club in der zweiten Liga zu finden - zumindest bis 1992.
In jenem Jahr erfolgte ein schicksalhafter Abstieg, von dem sich der Verein nie wieder wirklich erholt hat. Seit 1993 hat Eskilstuna nie wieder höherklassig als dritte Liga gespielt, mit dem unrühmlichen Tiefpunkt zweier Spielzeiten in der sechsten Liga (2015 und 2016).

Als ich das erfuhr, wollte ich von Präsident Sandberg (der mir diesen Vereinsgeschichte-Crashkurs mit wahlweise leuchtenden und waidwunden Bambi-Augen vortrug) natürlich sofort wissen, wie sich der Verein dann eigentlich dieses vergleichsweise riesige und teure Stadion leisten kann.
Die Lösung ist ebenso simpel wie naheliegend:
Erstligist Eskilstuna City FK, Zweitligist AFC Eskilstuna und die Erstligadamen von Eskilstuna United DFF spielen ebenfalls im "Tunavallen", so dass die Kosten durch vier geteilt werden können.

Das "Tunavallen" hat nebenbei bemerkt bei der Weltmeisterschaft 1958 sogar als Vorrundenspielstätte gedient, genauer gesagt für das Vorrundenspiel Paraguay gegen Jugoslawien, das vor 13.100 Zuschauern 3:3 endete - auch das eine Information meines neuen Chefs Ludvig Sandberg.
Sandberg ist genauso wie ich neu in einer Vereinsfunktion, aber dank jahrzehntelangen Fandaseins deutlich besser über den Club informiert. Der Neu-Präsident wurde nach dem Abstieg ins Amt gewählt, weil er - so steckt es mir Physiotherapeut Martin - als einziger Kandidat "nicht diplomatisch rumschwafelte, sondern Tacheles redete und auch keine Versprechen macht, die er nicht halten kann. Sie werden bestimmt gut mit ihm auskommen. Wir sind alle froh, dass er es geworden ist."

Martin - der nebenbei bemerkt der Riese ist, den ich am Trainingsgelände traf und der mich überhaupt erst auf die Idee brachte, mich zu bewerben - ist tatsächlich genau die Sorte grundoptimistisches und generalfreundliches Riesenbaby, als das ich ihn eingeschätzt hatte.
(Nur deutlich kompetenter in seinem Job, als ich es für möglich gehalten hätte.)
Aktuell hat er vergleichsweise wenig zu tun, denn mit dem Abstieg hat auch nahezu der gesamte Kader der Senioren das Weite gesucht.
"Semi-Professionell" bedeutet hier in Eskilstuna nämlich, dass grundsätzlich entweder reine Prämien- oder aber Einjahresverträge abgeschlossen werden, Jugend ausgenommen. Und damit konnten nach dem Vorjahresdesaster nahezu alle Spieler problemlos das Weite suchen.

Im Jugendkader haben wir dagegen gezwungenermaßen tabula rasa gemacht, denn dort tummelten sich mehr als ein Dutzend Spieler, die zwar gerne das Taschengeld nahmen, das Eskilstuna ihnen zahlt, aber offensichtlich nicht gewillt waren, im Gegenzug hart an sich zu arbeiten, um sich zu verbessern und vielleicht irgendwann mal eine Alternative für die Erste Mannschaft zu werden. Jetzt sind noch fünf Spieler im Team, die dafür aber auch allesamt ihr bestes geben, jeden Tag, in jeder Trainingseinheit.

Disziplin ist nämlich auch hier wieder das oberste Gebot, soweit ich da Mitspracherecht habe. Wer nicht mitzieht, darf gehen, Punkt.

Der bisherige Herrenkader war - so berichtet es mir zumindest Srdan Vujovic, mein neuer Co-Trainer - mit "unausgewogen, zu teuer und unverschämt unprofessionell noch diplomatisch beschrieben", ab sofort weht hier ein anderer Wind, da sind wir uns alle einig.
Wer "wir" ist?
Nun, zunächst der gerade erwähnte Co-Trainer.
Vujovic ist ungeachtet seines Namens waschechter Schwede, sein Großvater war allerdings serbischer Abstammung.
Zusammen mit Sportdirektor Giorgios Tsakiris (einem weiteren Schweden) und Jugendkoordinator Christian Grindheim (der überraschenderweise ebenfalls aus Schweden stammt) bilden wir den "Mob der Neuen", wie Präsident Sandberg es schmunzelnd (und sich mitmeinend) auf den Punkt bringt.
Wir sind allesamt relativ jung für die jeweilige Position, unbelastet (da wir allesamt erst nach dem feststehenden Abstieg in den Verein gekommen sind) und gleichzeitig enthusiastisch genug, in der gegenwärtigen Vereinssituation vorrangig die Möglichkeiten statt der Gefahren zu sehen.
Obwohl, das vermittelt wahrscheinlich ein falsches Bild.
Selbstverständlich ist uns allen bewußt, wie gefährlich dieser Abstieg für den IFK Eskilstuna sein kann.
Aber wir sehen eben zuallererst die Möglichkeiten, die dieser erzwungene, komplette Neuanfang bietet.

Und genau mit diesem Gedanken im Kopf werfen wir uns in die Arbeit.
Da in den ersten Wochen nicht einmal ein Chefscout zur Verfügung steht, verlassen wir uns für die Spielersuche zunächst auf eine Kombination aus persönlichen Kontakten (die insbesondere Tsakiris reichlich vorzuweisen hat) und - in guter "Idrottsföreningen Kamraterna"-Tradition - Zeitungsanzeigen.

Und damit sind wir erstaunlich erfolgreich.
Die Saison ist ja im September zuende gegangen und bis zum April ist reichlich Zeit für Probetrainings - was wir wirklich weidlich ausnutzen. Es sind selten weniger als zehn Spieler zur Probe im Traning. Und oft genug stellt sich heraus, dass dieser oder jener Spieler genau das mitbringt, was wir für unseren taktischen Ansatz brauchen.
Leider können wir wie angedeutet ganz entgegen meiner Vorlieben keine Jugendjuwele aus der U19 hochziehen, ich bin da von FOLA natürlich auch verwöhnt, möchte aber eigentlich so schnell wie möglich bessere Trainingsbedingungen für die Jungspunde.
Das muss allerdings warten, bis wir - hoffentlich! - bald wieder wenigstens in der dritten Liga spielen.

Auch wenn die Finanzen des Clubs erstaunlich gut aussehen:
Fast 800.000 Euro liegen auf dem vereinseigenen Festgeldkonto! Eine grobe Gegenrechnung von erwarteten Ausgaben und Einnahmen bringt Tsakiris zu der beruhigenden Erkenntnis, dass wir, maßvolle Spielergehälter vorausgesetzt, keine Pleite zu befürchten haben, auch in der vierten Liga nicht. Allerdings sollten wir uns nicht allzulange in dieser Liga aufhalten, denn irgendwann werden die Sponsoren wegbrechen (die zur Zeit noch über 200.000€ pro Jahr zahlen!) und dann würde es doch wieder eng werden.

Nach dieser Saison werden die Karten aber sowieso neu gemischt. Die Spieler, die wir verpflichten, kommen wie bisher nur für ein Jahr, selbst mein eigenener Vertrag ist nicht übers Saisonende hinaus gültig. Darüber hatte ich mich im Voraus mit Sandberg verständigt. Wir sind uns da auch vollständig einig - wenn wir nicht aufsteigen, muss alles hinterfragt werden, jede Position, jede Ausgabe.
Und mit meinen 10.000€ (plus freie Untermiete in Sandbergs Zweifamilienhaus) gehöre ich zu den Topverdienern des Vereins.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

In den folgenden Wintermonaten und bis in den Frühling hinein testen wir ungezählte Spieler auf ihre Eignung für ein 442 Lavayeux'scher Prägung und als das erste Ligaspiel näherrückt, haben wir einen Kader zusammengestellt, der laut Journalistenmeinung einer der stärksten in der ganzen Liga ist und um den uns bis auf den Mitfavoriten Skiljebo SK wohl jeder Verein beneidet:.
Ziel ist ganz klar, die Meisterschaft muss her!
Denn nur der Meister steigt automatisch auf, das Vabanquespiel "Relegation", in das der Zweitplatzierte geschickt wird, möchten wir uns gern ersparen.







Projekt Wiederaufstieg kann also beginnen!

Sieht übrigens auch Svea so, die zur allgemeinen Freude ein paar mal beim Training vorbeischaut (und den meisten Jungs durch ihre pure Anwesenheit ordentlich den Kopf verdreht).
"Es scheint, als ob Du Dich hier erstaunlich schnell eingelebt hättest, freut mich! Und wenn ich mir die Spieler so anschaue, dann solltet ihr im Aufstiegsrennen eine gute Rolle spielen können."
Ich würde ihr das Kompliment gern zurückgeben, nur steckt sie mit Frem gerade auf Platz drei fest und der erhoffte Aufstieg wird wohl auch in dieser Saison (die sich in Dänemark ja schon in der Rückrunde befindet) ein Wunschtraum bleiben...
« Letzte Änderung: 20.September 2023, 10:14:36 von Achtelprofi »
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

Elemotion

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #281 am: 20.September 2023, 09:43:33 »

ich habe mir deine Story in den Letzen Monaten von Anfang an durchgelesen und freue mich immer wenn ein neuer Teil kommt. Diese Story ist mit der Kennedy Story meine Absolute Lieblings Story in diesem Forum.

Viel Erfolg bei deiner neuen Aufgabe in Schweden. Eine spannende Liga mit den selben Tücken was den Spielplan angeht wie bei mir auf den Färöern. Ich nehme mal an in der 4 und 3 Liga wirst du zwischen einzelnen Spielen auch ewig Pause haben?
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Karagounis

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #282 am: 20.September 2023, 14:20:17 »

Die Favoritenrolle ist klar, wie man an den Quoten erkennen kann. Da muss der Wiederaufstieg her!

Noergelgnom

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #283 am: 20.September 2023, 21:54:51 »

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IFK Eskilstuna




Reine Ansichtssache



Sommer 2036, Eskilstuna, Schweden


Je näher der Ligaauftakt rückt, desto nervöser werde ich.
Kenne ich so überhaupt nicht mehr von mir.
Nach inzwischen fast 300 Pflichtspielen an der Seitenlinie hätte ich mich selbst als ruhigen, gelassenen Übungsleiter charakterisiert, den so schnell nichts (mehr) aus der Ruhe bringt.
Nunja, da hab ich mich wohl ein wenig getäuscht.

Und wenn man so nervös ist, dann nimmt man dankbar jede Ablenkung an, die das Leben so bietet ... beispielsweise eine Interviewanfrage eines lokalen Internetfanzines namens "Metalbladet Eskilstuna".
Die Jungs und Mädels dieser kleinen Webseite haben irgendwie Wind davon bekommen, dass ich neben meiner Fussballleidenschaft auch "richtige Musik" höre, wie sie in der Anfrage-E-Mail schreiben.
Sie schicken gleich einen kleinen Fragebogen mit und bitten mich, den in einer ruhigen Minute doch mal auszufüllen.
Warum nicht?
Ich öffne also den Anhang und gebe zu den Fragen meinen Senf.
Beim Ausfüllen fällt mir nach und nach auf, dass dieser "Interviewfragebogen" bestenfalls Schülerzeitungsniveau hat, aber jetzt hab ich einmal angefangen, also quäle ich mich auch durch. Soo lang ist er ja nun auch wieder nicht.

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Eine Viertelstunde später bin ich fertig und schicke die E-Mail mit dem ausgefüllten Fragebogen zurück.
Am nächsten Tag kommt eine kurze Dankeschön-Mail reingeflattert, kurz darauf steht der ausgefüllte Fragebogen auf der Webseite.
Mehr passiert nicht, nach drei Tagen hab ich die kurze Episode auch schon wieder vergessen.

Und dann haben wir endlich April und obwohl die Mannschaft noch nicht vollständig runderneuert ist (zum Beispiel fehlt immer noch eine qualitätiv gleichwertige Zweitbesetzung auf beiden Flügeln und für beide Sturmpositionen) gehen wir voller Optimismus in unser erstes Saisonspiel.

Wir haben in den vergangenen Monaten drei auf denersten Blick sehr ähnliche Taktiken einstudiert, die sich allerdings in wichtigen Nuancen unterscheiden.




Erstens - unsere Standard-Langholz-Taktik.
Unser Kader weist zwar einige durchaus brauchbare Kombinationsspieler und sogar den einen oder anderen Dribbler auf, ich möchte die Mannschaft mit einer auf technischen Fähigkeiten basierenden Taktik nicht überfordern.
Mit langen Pässen und dem Fokus auf Devin Sunesson, unseren zentralen Ballverteiler in der Offensive, fühlen wir uns alle (mich ausdrücklich eingeschlossen) deutlich wohler.
Die Taktik wird diejenige sein, mit der wir im Allgemeinen in die Spiele starten. Je nach Spielverlauf sind allerdings selbstverständlich Anpassungen unumgänglich.




Zweitens - unsere Flügelzangen-Flanken-Taktik.
Auch hier ist wieder unser Stürmer Sunesson (sowie sein Vertreter Hansson) mit seiner Kopfballstärke extrem wichtig.
Während die Standardtaktik jedoch eher auf lange Pässe und Kopfballablagen setzt und auch vergleichsweise horizontal kompakt daherkommt, ist unsere Flügeltaktik naturgemäß breiter angelegt.
Voraussichtlich werden wir sie lediglich in Ausnahmefällen wirklich auspacken (zum Beispiel gegen Mannschaften, die mit Dreierkette agieren).




Zu guter Letzt: eine Kontertaktik. Ohne Konter geh ich in keine Saison, da halte ich es ganz mit dem früheren Weltklassetrainer Jose Mourinho ("If you don't play counter it's because you're stupid.").
Voraussichtlich kommt diese Taktik höchstens im Pokal oder vielleicht noch im Auswärtsspiel bei Skiljebo zum Einsatz, aber bei diesen Gelegenheiten werden wir wahrscheinlich froh sein, dass wir sie haben.


Vorgeplänkel Ende - Ligastart!

1. Spieltag - FC Stockholm (A)

Unsere Saison beginnt mit einem Auswärtsspiel beim FC Stockholm.
Die Hauptstädter werden bei manchen Experten als Geheimfavorit um den Relegationsplatz gehandelt.
Davon sieht man beim Auftakt allerdings nicht viel.
Unser Sturmduo Sunesson/Norin harmoniert perfekt und sammelt sieben (!) Scorer, Stockholm geht zwar nach einer halben Stunde vorsichtigen Abtastens in Führung, aber das stachelt meine Jungs nur an. Innerhalb von nur fünf Minuten ziehen sie den Gastgebern komplett den Zahn. Am Ende fahren wir mit einem beeindruckend überlegen herausgespielten 4:1 nach Hause und setzen uns sofort an die Tabellenspitze.


2. Spieltag - FC Järfälla (A)

Die Gastgeber im zweiten Saisonspiel wollen, so ihr Trainer vor der Partie, "mutig nach vorn spielen und nicht in Ehrfurcht erstarren".
Kann man machen - dann sollte man allerdings einen Plan haben, wie man unseren langen Pässen und dem schnellen Norin begegnen will.
Järfälla hat keinen Plan.
Und daher dauert es nur eine reichliche Viertelstunde, bis wir durch 3 Tore in 4 Minuten mit 3:0 in Front liegen und  den Rest des Spiels im Verwaltungsmodus bestreiten können.


3. Spieltag - Säffle FK (H)

Drittes Spiel in acht Tagen, erstes Heimspiel, Säffle ist mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet, wir mit zwei Siegen.
Die Vorzeichen scheinen klar - das Spiel selbst ist dann aber eine durchaus ausgeglichene Angelegenheit.
Norins Tor kurz vor der Pause (ein schöner Heber über den herausstürzenden Gästekeeper hinweg) entscheidet eine Partie, die ansonsten sehr arm an echten Höhepunkten ist, weil beide Teams defensiv sehr sicher stehen.


4. Spieltag - Österäker United (A)

Monatsabschluß, drittes Auswärtsspiel - aber endlich mal eine ganze Woche zum Durchschnaufen zwischen den Spielen.
Österäker wird eher im Tabellenmittelfeld erwartet - wenn sie das erreichen wolle, sollten sie aber dringend etwas an ihrer Defensive tun.
Unsere Stürmer setzen sich gegenseitig ein ums andere Mal in Szene und wenn sie ein bißchen mehr Zielwasser getrunden hätten, wäre das hier vielleicht sogar zweistellig geworden.
Überzeugender, nie in Gefahr gewesener Auswärtserfolg, der einen perfekten Ligastart abrundet.
Erstaunlich: Norin hat bisher in jedem einzelnen Ligaspiel getroffen. Eine Topverpflichtung, die Tsakiris da aus dem Hut gezaubert hat! (Aber beileibe nicht die einzige!)




5. Spieltag - Örebro Syrianska IF (H)

Und es geht ohne große Verschnaufpause weiter - zweites Heimspiel!
Vor knapp 230 Zuschauern (die sich im vergleichsweise riesigen "Tunavallen" verlieren) brauchen wir fast eine Stunde, um das Abwehrbollwerk der Gäste aus Örebro durch Norin endlich zu knacken, kassieren aber nahezu postwendend den Ausgleich. Es folgt eine sehr zähe Viertelstunde, bevor Sunesson zu Beginn der Schlußphase zum Matchwinner wird.
Skiljebo - bisher mit uns zusammen im Gleichschritt verlustpunktfrei durch die Liga gepflügt - kommt gegen Brynäs nicht über ein 2:2 hinaus, womit wir endlich alleiniger Tabellenführer sind, mit 2 Punkten Vorsprung auf die Mitfavoriten und bereits 5 Punkte vor Hudiksvalls FF und Sandvikens.


6. Spieltag - Sandvikens AIK (A)

Spitzenspiel! Vierter gegen Erster. Eigentlich freut man sich beim Begriff "Spitzenspiel" ja auf gute Unterhaltung und hochklassigen Fussball - nur leider sind beide Mannschaften heute zu allem möglichen in der Lage, aber nicht zum gepflegten Passpiel.
Eine Fehlpassorgie sondergleichen nervt die Zuschauer und beide Trainer gleichermaßen.
Chancen sind Mangelware - und die paar, die es gibt, sind Zufallsprodukte.
Vor Sandvikens Führung (kurz nach der Pause) verschätzt sich unser Innenverteidiger Knutsson böse und springt unter dem Ball hindurch, wodurch der hinter ihm lauernde Stürmer freie Bahn hat und unserem Keeper Nyren (der ansonsten bisher eine absolute Sahnesaison spielt) keine Chance läßt.
Und vor dem Ausgleich (durch ebenjenen Knutsson, der seinen Fauxpas damit ausbügeln kann) behindern sich zwei gegnerische Verteidiger gegenseitig und versperren bei ihrem unfreiwilligen Gerangel auch gleich noch ihrem Torwart sowohl den Weg zum als auch die Sicht auf den Ball, so dass Knutsson in aller Seelenruhe den Ausgleich köpfen kann.
Drecksspiel, echt jetzt - aber immerhin nicht verloren.

Und Skiljebo spielt genauso wie Hudiksvalls FF ebenfalls Unentschieden, wordurch die Spitze unverändert bleibt.


7. Spieltag - Brynäs IF (H)

Das folgende Heimspiel gegen Abstiegskandidat Brynäs ist dann glücklicherweise wieder deutlich besser, auch weil Norin nach der ungewohnten Flaute in Sandvikens seinen Torriecher wiedergefunden hat und einen Doppelpack beisteuert.
Brynäs kommt erst in der 91. Minute zur ersten klaren Torchance (und nutzt sie gemeinerweise auch).
Klarer, deutlicher, verdienter Sieg.


8. Spieltag - Hudiksvalls FF (A)

Wieder auswärts.
Und wieder: Spitzenspiel!
Im Gegensatz zum Spiel in Sandvikens hält diese Partie aber, was sich die Zuschauer davon versprechen.
Die Gastgeber gehen früh durch einen Konter in Führung, Sunesson verwertet noch vor der Pause zwei schöne Halbfeldflanken unseres koreanischstämmigen Linksverteidigers Hyeon und dreht damit das Spiel.
In der zweiten Hälfte häufen sich die Chancen, beide Teams treffen je zwei mal die Latte und erzielen je ein Abseitstor, die Keeper vereiteln reihenweise beste Chancen.
Und dann bekommen die Gastgeber in der 88. Minute nochmal einen Eckball, führen den blitzschnell aus, überrumpeln unsere Abwehr damit komplett und gleichen aus.
2:2!
Zu allem Überfluß ist Sunesson bei einem kurz zuvor geführten Kopfballduell auch noch unglücklich aufgekommen und muß durch Hansson ersetzt werden.

Das wiederum stellt sich allerdings bereits zwei Minuten später als Glücksfall heraus, denn auch Eskilstuna bekommt noch einen Eckball. Hyeon bringt die Ecke hoch herein, Hansson steht am langen Pfosten goldrichtig, der Keeper macht sich vergeblich lang - Siegtreffer in der 91. Minute!
Und Skiljebo hat wieder nur unentschieden gespielt, Sandvikens hat sogar verloren.
Mit anderen Worten: wir schaffen uns an der Tabellenspitzen mit diesem Last-Minute-Sieg gegen einen unserer schärfsten Aufstiegskonkurrenten ein kleines Sicherheitspolster.
Feine Sache, das.




Und damit sind wir bereits im Juni und beim

9. Spieltag - Rengsjö SK (H)

Die Gäste stehen aktuell auf Platz 9 der Tabelle, brauchen eigentlich jeden Punkt, um nicht endgültig im Abstiegssumpf zu versinken.
Interessiert uns aber nicht die Bohne, ist ja nicht unser Problem, sondern ihres.
Wir wollen aufsteigen, deswegen müssen wir sie schlagen - und das tun wir auch. Und zwar sehr souverän. Die Gäste kommen nicht ein einziges Mal gefährlich vors Tor, wir hingegen erzielen zu Beginn und Ende der zweiten Halbzeit ein Tor.
9. Spiel, 8. Sieg. Sehr schön!


10. Spieltag - IK Franke (A)

Und auch das folgende Auswärtsspiel ist eine einseitige, klare Angelegenheit. Zweimal Norin Halbzeit eins, der eingewechselte Hansson macht kurz vor Schluß den Deckel drauf, Nyren in unserem Tor ist erneut nahezu beschäftigungslos.
Mehr gibts hier wirklich nicht zu berichten.


11. Spieltag - Söderhamns FF (H)

Drittes Zu-Null-Spiel nacheinander, inzwischen glänzen wir in der Defensive genauso wie im Angriff. Letzterer tut sich heute schwerer als zuletzt, aber ein langer Ball auf Sunesson kommt dennoch an. Der großgewachsene Stürmer legt per Kopfball in den Lauf von Norin ab, der sagt danke - Und das wars dann auch schon wieder.
Die restliche halbe Stunde neutralisieren beide Abwehrreihen wider die jeweiligen Angreifer und so bleibt es beim knappen 1:0.


12. Spieltag - Forsbacka IK (H)

Erster gegen Vorletzter. Bester Sturm gegen zweitschlechteste Abwehr. Klare Sache also?
Klare Sache, ja. Nach einer halben Stunde steht es bereits 3:0, nach sechzig Minuten 5:0. Dass die Gäste gegen Ende noch zwei Nachläasigkeiten bestrafen, ist ärgerlich (insbesondere für den bis dahin wieder einmal arbeitslosen Keeper Nyren), aber es ändert nichts daran, dass das eine sehr gelungene Generalprobe für den Juni- und gleichzeitig Hinrundenabschluss war.


13. Spieltag - Skiljebo SK (A)

Und hier kommt es passenderweise erneut zu einem Spitzenspiel - diesmal heißt es "Zweiter gegen Erster".
Wir haben sechs Punkte Vorsprung vor den heutigen Gastgebern, diese wiederum liegen vier Zähler vor dem Dritten Hudiksvalls.
Die Prognosen der Experten scheinen sich bisher zu bewahrheiten - Skiljebo und wir kämpfen um die ersten beiden Plätze, der Rest der Liga hat eher Statistenrollen.
Das SPiel ist umkämpft und hochklassig, auch wenn nur zwei Tore fallen.
Unsere Führung nach einer knappen halben Stunde hat nur fünf Minuten Bestand, danach können die Gastgeber ausgleichen.
Und danach passiert in der Nachmittagshitze nichts Erwähnenswertes mehr.
Hudiksvalls gewinnt seine Partie und rückt auf 2 Punkte an Skiljebo heran, wir haben unsererseits weiterhin 6 Punkte Polster.
Diese Hinrunde kann man mit Fug und Recht unter dem Etikett "komplett im Soll" zusammenfassen.






War sonst noch was?
Oh ja, einiges.

Zunächst mal verkaufen wir unser Heimrecht für die zweite Pokalrunde gegen GAIS Göteborg für 20.000€ an die bisherigen Gäste.
Grund: wir versprechen uns Mehreinnahmen von etwa 40.000€, wenn wir in Göteborg spielen und die Hälfte der dortigen Einnahmen erhalten.




Außerdem hat sich unser dänischer Außenverteidiger Sebastian Rygaard offenbar in Svea verknallt.
Entweder das, oder er ist mit seiner Reservistenrolle nicht zufrieden und möchte mehr spielen.
Wie dem auch sei - er bittet jedenfalls um Freigabe für einen Wechsel zu Frem Kopenhagen.
Da er nur die Nummer fünf der Rangfolge ist, gewähren wir ihm diesen Wunsch.






Und zu guter Letzt kommt mein wunderbarer Sportdirektor Giorgios Tsakiris Anfang Juni mit einem Spielervorschlag um die Ecke, der mir kurz die Gesichtszüge entgleisen läßt:




Mario Pinto gehörte in Esch während meiner Trainerzeit dort zu den aufstrebenden Talenten.
Inzwischen hat er den Vertrag mangels Perspektive jedoch aufgelöst und könnte daher ablösefrei verpflichtet werden.
Wir könnten einen defensiv veranlagten Mittelfeldspieler seiner Güteklasse sehr gut gebrauchen - nur leider können wir ihn nicht bezahlen, wie sich herausstellt.
Besser gesagt: KÖNNEN vielleicht, aber WOLLEN keinesfalls.
Die 12.000€, die er verlangt, sind weit oberhalb der 7.000€, die wir für Neuverpflichtungen als Maximum festgelegt haben, um die Kaderkosten zu senken.

Wir haben auch ohne sein Gehalt bereits zehn Spieler im Kader, die zwar teilweise Gehälter jenseits der 10.000€ bekommen, sportlich aber keine Rolle spielen.
Allesamt "Altlasten" von Tsakiris' Vorgänger, die wir spätestens zum Ende der Saison aus dem Team zu entfernen gedenken.
Es tut mir wirklich leid, zumal, Pinto auch charakterlich top ist, aber die Verpflichtung können und wollen wir nicht tätigen.

Im Endeffekt unterschreibt der Defensivmann dann bei Düdelingen.


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« Letzte Änderung: 20.September 2023, 22:00:44 von Achtelprofi »
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

FlutLicht1900

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #284 am: 21.September 2023, 07:21:46 »

Na läuft doch. Ja im FM23 kommt man schwer mit nur einer Taktik durch, was ja auch mal ein positiver Fakt ist. 
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Muffi

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #285 am: 21.September 2023, 10:37:35 »

Das sieht doch nach einem echt ausgewogenen Kader aus, vielleicht abgesehen von den von dir angesprochenen Lücken.
Und sportlich läuft es ja mehr als rund, Platz 1 und 2 in der Liga nach 13 Spieltagen noch unbesiegt, das ist ebenfalls top! Ich gebe hier mal den Tipp ab, dass du in dieser Saison in der Liga ohne Niederlage bleibst.  :)
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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #286 am: 21.September 2023, 19:22:56 »

6 bzw. 8 Punkte Vorsprung, nichts anderes habe ich erwartet! Schade, hat es mit dem Toptransfer nicht geklappt, aber auch so solltest du die Liga dominieren.

Noergelgnom

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #287 am: 24.September 2023, 18:05:06 »

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IFK Eskilstuna




Die Kutten von Eskilstuna



Spätherbst 2036, Eskilstuna, Schweden


Wenn immer nur um die 200 Fans zu den Heimspielen ins Tunavallen pilgern, dauert es nicht lange, bis man die meisten wiedererkennt, zumindest auf einer "ach, die/den hab ich doch schon mal gesehen!"-Basis.
Und wenn einige von diesen 200 ab dem ersten Heimspiel lautstark auf sich aufmerksam machen und stets und ständig hinter der Trainerbank herumlungern ...

... dann sorgt das dafür, dass ich DIESE drei Gestalten (alle drei blonde langhaarige Bilderbuchwikinger, wie es sie hier im Dutzend billiger gibt)schon ab dem zweiten Heimspiel wiedererkenne.
Nach dem dritten kenne ich auch ihre Namen.
Franz, Mert und Philip sind (das erfahre ich einige Wochen später, als sie mich nach dem 1:0 gegen Söderhamns am Stadioausgang "abfangen", an einen der Bierstände bugsieren und mir eine Stunde eines überraschend angenehmen Gesprächs ans Knie nageln) ehemalige Studenten aus Stockholm und beinharte IFK-Eskilstuna-Fans.

Das kommt für mich ein bißchen überraschend, schließlich hat Stockholm ja nun wirklich genug eigene gute Teams.
Wie also kommt es, dass sie Woche für Woche entweder im Tunavallen oder im Gästeblock irgendeines anderen schwedischen Stadions stehen, um einen Viertligisten anzufeuern, der seine besten Tage lange, lange hinter sich hat?
"Das kommt über meinen Vater Holm", grinst Franz, "der war vor Jahren hier Scout und hat mir die Sympathien für Eskilstuna quasi vererbt."
Dann wird er ernst.
"Ich hab lauten hören, dass es in Eskilstuna mit dem Scouting aktuell eher mau aussieht, weil Sie zur Zeit das Souting teilweise auch noch mit übernehmen müssen - hauptsächlich aus finanziellen Gründen, aber auch aus Gründen fehlender Reputation. Und Sie sind - mit Verlaub - auch noch ein Neuling und ein komplett unbeschriebenes Blatt hier in Schweden, das macht es ja auch nicht leichter.
Die Gerüchte besagen, dass zur Zeit nichtmal ein Chefscout im Verein existiert und dass Ihre diesbezügliche Anzeige, die wir drei natürlich ebenfalls gelesen haben, auf keinerlei Resonanz gestoßen ist.
Soweit korrekt?"
Überrumpelt von dieser plötzlichen Wendung des Gespräches, nicke ich einfach.

"In Ordnung, dann habe ich hier ein Angebot für Sie:
Wir drei reisen nun schon seit fast 20 Jahren zu jedem Auswärtsspiel und stehen bei jedem Heimspiel im Fanblock. Wir kennen dermaßen viele Leute im schwedischen Fussball persönlich, dass es Stunden dauern würde, die aufzuzählen.
Und wir kennen auch viele Spieler allein schon dadurch, dass wir sie zigmal haben spielen sehen."

Es ist ziemlich klar, worauf das hinausläuft, ich nicke und verkneife mir das Grinsen, das in mein Gesicht hüpfen will.

"Long story short: gibt es ein Budget für das Scoutingteam und würde dieses Budget zum einen 'n neuen Laptop sowie ausreichend Datenvolumen und zum anderen drei Dauer-Heim- und Auswärtstickets sowie sechstausend im Jahr für jeden von uns hergeben?"

Jetzt grinse ich doch. "Das ist ja ein sehr großzügiges Angebot. Wie kommt der Verein denn zu dieser Ehre? Und ich möchte jetzt nicht hören, dass ihr einfach total hammerharte Fans seid, die dem Club auf die Beine helfen wollen. Das ist nämlich bestimmt richtig - aber das ist nicht der Grund für dieses Angebot, hab ich recht?"

Die drei schauen sich ein bißchen überrascht an, dann nicken sie unisono.
Mert ist es schließlich, der die Schultern zuckt und meint:
"Wir sind seit letzter Woche an der Uni freigestellt, weil wir ... äh ... möglicherweise ... öhm ... die Uniserver genutzt haben, um mit einem *hust hust* selbstgebastelten Scoutingprogramm nach geeigneten Spielern für Eskilstuna zu suchen.
Eigentlich wollten wir Ihnen in ein paar Wochen die fertige Auswertungsdatei zuschicken und uns damit als Scouts bewerben, aber nun stehen wir ein bißchen unter Zeitdruck."

Die Erklärung ist dermaßen schräg, dass ich sie glaubwürdig finde. Sowas denkt sich doch keiner aus, damit kann man ja keinen Eindruck schinden.

"Hm, danke für die Offenheit. Wie kommt ihr überhaupt dazu, ein Scoutingprogramm zu schreiben? Das ist ja nun nicht gerade ein Kinderspiel, oder?"

"Naja, eigentlich schon", schaltet sich jetzt Fredrik wieder ein. "Es reicht ja erstmal, wenn man ein paar grundlegende Daten quervergleicht. Wir hatten und haben ja nicht vor, den großen Scoutingdatenbanken Konkurrenz zu machen. - NOCH nicht."
Wieder dieses Grinsen.

"Aha", schmunzle ich, "das heißt also, ihr habt an der Uni in eurer Freizeit an einem Programm gearbeitet, mit dem ihr irgendwann mal reich werden wollt?"
"Naja, Freizeit .... nicht direkt...", drucksen sie jetzt alle drei.

Nun muß ich doch lachen. "Und ihr wundert euch, dass die Uni euch freistellt? A propos: was waren denn eure Tätigkeiten an der Hochschule?"

"Wir sind wissenschaftliche Hilfskräfte im Fachbereich "Informations- und Kommunikationstechnologie", wirft Philip ein, der schweigsamste der drei.
"Wir beschäftigen uns seit der Studienzeit mit dem Sammeln, Kategorisieren und Vergleichen von Daten und wollten einfach unseren Beruf und unsere Leidenschaft kombinieren. Wir konnten ja nicht ahnen, dass die Uni so engstirnig sein und dieses Forschungsprojekt dermaßen sabotieren würde."

Ich nicke, allerdings mit einem sarkastisch zuckenden Mundwinkel.

"Na gut, ich bespreche das mal mit den Vereinsverantwortlichen." Mit einer, wie ich hoffe, lässigen Geste schiebe ich eine Visitenkarte zu den dreien rüber. "Schickt mir doch bitte bis morgen abend mal drei Vorschläge für einen Stürmer und drei für einen zentralen Mittelfeldspieler an die angegebene E-Mail-Adresse. Grundlage ist bitte unsere aktuelle Heimtaktik. - Ich brauch ja irgendwas, um die Clubchefs davon zu überzeugen, dass sich die Investition in euch lohnt..."

Falls ich gehofft hatte, dem Ex-Studententrio damit irgendwie die Schweißperlen der Überraschung auf die Stirn zu zaubern, sehe ich mich getäuscht. Fredrik nickt nur, während er die Karte einsteckt.

"Klar, das haben wir nicht anders erwartet. Ehrlich gesagt wären wir enttäuscht gewesen, wenn Sie uns ungeprüft empfohlen hätten. - Wir schicken Ihnen die Mail zu, keine Sorge."

Da das Gespräch dem Ende zustrebt, setze ich bereits zur Verabschiedung an, als Fredrik plötzlich erneut zu grinsen beginnt.

"Ach übrigens - wehe, Sie haben keinen Erfolg hier beim IFK. Wir haben so lange gewartet, bis endlich mal wieder ein Gleichgesinnter auf dem Trainerstuhl sitzt, einer, dem man auch abseits von fussballerischen Gründen Erfolg wünscht."

Ich schaue wahrscheinlich reichlich dämlich aus der Wäsche und verstehe nichtmal Bahnhof.
Aber das ändert sich binnen eines Sekundenbruchteils, als die drei in einer fast perfekt choreographierten Bewegung ihre Jacken aufknöpfen und ihre zweite große Leidenschaft präsentieren.


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Fredriks Grinsen wächst noch ein bißchen in die Breite.
"Zeigen Sie der Welt, dass wir nicht der tumbe, nur ans Saufen und Grölen denkende Haufen sind, als der wir allzuoft dargestellt werden."

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Die Vorschläge der Scout-Azubis kommen tatsächlich sogar noch am gleichen Abend per Mail reingeflattert. Zusammen mit meinen Trainerkollegen besprechen wir die genannten Spieler am nächsten Tag und sind uns rasch einig, dass diese Vorschläge Hand und Fuss haben.

Sandberg zu überzeugen ist danach deutlich leichter als gedacht, denn auch ihm ist nicht entgangen, dass wir keine Scoutingabteilung haben und dass Sportdirektor Tsakiris das nicht allein und nebenbei stemmen kann.
(Was Wunder!)

Eine Woche später haben wir also endlich drei Scouts - hochmotivierte und kreative Köpfe noch dazu.
Soweit ich den Anstellungsvertrag verstanden habe, ist es ihnen erlaubt, an ihrem Programm weiterzuarbeiten - der IFK Eskilstuna wird jedoch grundsätzlich kostenfreien Zugang zu den Erkenntnissen bekommen, die durch dieses Tool gewonnen werden, auch dann, wenn es irgendwann einmal kostenpflichtig vertrieben werden sollte.

Wenige Wochen später überzeugen sie schließlich einen weiteren Freund davon, sich dem Projekt anzuschließen.
Der nunmehr Vierte im Bunde heißt ebenfalls Filip, ist im Gegensatz zu den anderen Dreien aber eher weniger Programmierer, sondern hauptsächlich ein talentierter Datenauswerter.
Nominell wird er im Verein als Chefscout angestellt (weil das Budget nur noch einen solchen Posten im Rekrutierungsteam hergibt), aber in der Praxis entscheiden die vier alles gemeinsam.

Tsakiris, der - zumindest auf dem Papier - der Vorgesetzte der neuen Viererbande ist, klopft mir schon in der Folgewoche auf die Schulter und beglückwünscht mich zu meinem "phänomenalen Fang".

Seinen Worten zufolge kommt er nicht nur fachlich, sondern aus menschlich wunderbar mit den Neuen zurecht.




~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Unter diesen guten Vorzeichen (vor allem im Hinblick auf die zuküntige Kaderentwicklung) gehen wir in die Rück- oder besser gesagt Herbstrunde.

Die Ausgangsposition ist wie erwähnt sehr gut, aber noch ist absolut nichts gewonnen.


14. Spieltag - FC Stockholm (H)

Die Rückrunde beginnt für uns mit einem Heimspiel gegen den in der Tabelle inzwischen deutlich abgerutschten FC Stockholm.
Und weil wir vorne drin mit Sunesson und Norin einen kongenialen Doppelsturm haben, ist das eine jederzeit klare und eindeutige Angelegenheit.
Mit dem 0:4 sind die Gäste noch gut bedient, da beide Stürmer mehrfach ihren Hattrick verpassen.


15. Spieltag - FC Järfälla (H)

Leider können wir den Schwung des Auftaktes nicht mit ins nächste Heimspiel nehmen - oder besser gesagt: er kommt uns schnell abhanden, weil die Gäste dieser Partie eine ungeheuer disziplinierte Abwehr aufs Feld schicken und unserer Offensive nahezu komplett den Zahn ziehen.
Eine knappe Stunde lang müssen wir sogar befürchten, hier die erste Saisonniederlage einzustecken, denn nach der Gästeführung in der 21. Minute finden wir bis weit in die zweite Halbzeit hinein keinen Weg durch die vielbeinige Gästeabwehr.
Zum Glück kann Norin seinem Bewacher in 71. Minute dann aber doch mal entwischen und behält allein vor dem Keeper die Nerven.
Das 1:1 tut tabellarisch überhaupt nicht weh - aber das wars auch schon an guten Nachrichten, im Großen und Ganzen.
Viele solcher Spiele dürfen wir uns nicht mehr leisten, denn die Verfolger sind nun nur noch 4 bzw 6 Punkte weg.


16. Spieltag - Säffle SK (A)

Das heißt im Klartext, dass ein Auswärtsspiel wie bei Säffle SK in die Kategorie "Pflichtsieg" gehört.
Und auch wenn das Ergebnis von 2:1 knapp klingt ... 3 Punkte sind 3 Punkte. Zumal Säffle den Anschluß nach zwei frühen Toren unserer beiden Maschinen im Sturm erst in der Schlußphase erzielt und wir sie danach nicht erneut in Schußposition kommen lassen.


17. Spieltag - Österäker United (H)

Als Monatsabschluß kommen uns die Kellerkinder von Österäker United besuchen. Drittes Heimspiel im Juli - und die Chance auf die Punkte 8-10 in diesem Monat.
Die Gäste spielen gefühlt im 9-0-1, das einzige Rezept scheint das Verrammeln des eigenen Strafraums sowie der gelegentliche 50-Meter-Passversuch auf ihren einzigen Offensivspieler zu sein.
Diese Art von Spiel liegt meiner Mannschaft so gar nicht, ein ums andere mal prallen wir regelrecht von diesem Abwehrbollwerk ab.
Wir erspielen uns zwar eine Myriade von Einwürfen, Eckbällen und Freistößen, allein ein Tor will uns nicht gelingen.
In der 66. Minute hat Norin dann die Faxen dicke und versucht per Kopf-durch-die-Wand-Solo mit Ball am Fuss alleine in den Strafraum durchzubrechen ... was er auch schafft. Allerdings wird sein Vorstoß am Elfmeterpunkt jäh gestoppt, als ihn die beiden Innenverteidiger in einem verzweifelten Versuch, den Torabschluß doch noch zu verhindern, von beiden Seiten gleichzeitig weggrätschen. Da mindestens einer von beiden dabei aber nicht den Ball, sondern nur den Spieler trifft, ertönt folgerichtig ein Pfiff und Ottoson kann den fälligen Elfmeter zur überfälligen 1:0-Führung in die Maschen setzen.
Da Österäker von seiner Marschroute auch danach nicht abweicht und wir entspannt dem Schlußpfiff entgegenspielen können, ist dieses 1:0 auch der Endstand.

Guter Monat!




18. Spieltag - Örebro Syrianska IF (A)

Wenn wir auf einen Gegner treffen, der den Fehler macht, mitzuspielen, kann das schon mal im Desaster enden.
Allerdings im Allgemeinen nicht für uns, sondern für den Gegner.
Diese Lektion lernen Anfang August die Spieler des Syrianska IF aus Örebro auf die ziemlich harte Tour.
Das 0:5, mit dem sie am Ende in die Kabine schleichen, ist um kein einziges Tor zu hoch ausgefallen - jeder zweite ihrer Angriffe endet damit, dass einer unserer Stürmer frei vor ihrem Torwart auftaucht.
Und wenn jeder dieser Konter mit einem Tor abgeschlossen worden wäre, hätten wir hier ein zweistelliges Ergebnis gesehen.
5:0 reicht aber auch, finde ich.


19. Spieltag - Sandvikens AIK (H)

Spitzenspiel im Tunavallen!
Erster gegen Vierter - und wenn Sandvikens noch ein Wörtchen im Kampf um den zweiten Platz mitreden möchte, brauchen sie ganz dringend 3 Punkte (auch wenn die Chancen auf den Relegationsplatz ehrlicherweise nur noch sehr theoretisch sind).
Das bedeutet dummerweise (für sie), dass sie nicht komplett defensiv spielen können.
Und das wiederum heißt - wir können kontern!
Nach 14 Minuten haben wir das bereits zweimal mustergültig getan und die Partie ist damit quasi entschieden.
Norins zweiter Treffer Mitte der zweiten Halbzeit ist dann nur noch das i-Tüpfelchen.


20. Spieltag - Hudiksvalls FF (H)

Hudiksvalls FF hat nach starkem Saisonbeginn inzwischen deutlich zuviele Federn gelassen, um noch ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können, andererseits ist nach unten hundertprozentig keine Gefahr mehr zu erkennen.
Wir dagegen haben weiterhin Skiljebo im (erweiterten) Nacken, Ausrutscher verboten.
Soll heißen - befreit aufspielen kann hier nur einer: nämlich die Gäste.
Eine Augangslage, die unseren Jungs natürlich einen gewissen Druck auferlegt - einen Druck, mit dem sie heute ganz und gar nicht zurecht kommen.
Die Angriffsbemühungen sind schlampig ausgespielt, in der Defensive spielen der Fahrige Flattermann und Bruder Leichtsinn - und so steht am Ende tatsächlich die erste Saisonniederlage zu buche, da wir zwei Gegentoren nur ein einziges eigenes entgegenzusetzen haben.

Skiljebo ist auf 3 Punkte ran. Mist.


21. Spieltag - Brynäs IF (A)

Zu allem Überfluß geht auch noch Sunesson angeschlagen aus der Partie, so dass wir im nun folgenden Auswärtsspiel auf seinen Ersatzmann Hansson zurückgreifen müssen.
Der entpuppt sich allerdings als Mister Zuverlässig und legt erst zwei Tore für Hyeon und Norin auf und trifft zum Abschluss dann selbst.
Gute Reaktion auf den Dämpfer gegen Hudiksvalls!


22. Spieltag - Rengsjö SK (A)

Beim nächsten Abstiegskandidaten Rengsjö SK ist Sunesson wieder einsatzfähig, trifft auch - aber Hansson bekommt als Belohnung für den vorherigen Sahneauftritt dennoch wieder eine halbe Stunde Spielzeit, die er erneut zu einem Tor nutzt.
Da auch noch Norin trifft, fahren wir somit einen nie gefährdeten 3:1-Auswärtssieg ein.
Skiljebö erreicht bei Brynäs nur ein 2:2-Unentschieden und wir sind damit pünktlich zum Monatsende wieder 5 Punkte vorn!




Die letzten 4 Spiele - und wir haben den Relegationsplatz zwar bereits sicher, aber mehr eben auch nicht.


23. Spieltag - IK Franke (H)

Mit einem Heimspieg gegen IK Franke aus dem Niemandsland der Tabelle könnten wir einen riesigen Schritt in Richtung Meisterschaft und Direktaufstieg machen.
Aber das ist leider wieder mal zuviel Druck für meine Jungs.
Nach vorn geht nahezu nichts und hinten leistet sich Knutsson einen einzigen Stellungsfehler.
Zweite Saisonniederlage.
Und Skiljebo?
Puh, Glück gehabt, die verlieren auch.
Weiterhin 5 Punkte Vorsprung.


24. Spieltag - Söderhamns FF (A)

Wenn unsere heutigen Gastgeber ihre restlichen drei Partien gewinnen und Skiljebo alle drei Spiele verliert, KÖNNTE das noch für Platz 2 reichen.
Und Söderhamns beginnt wie die Feuerwehr, uns vergeht in den ersten Minuten Hören und Sehen - und nach nichtmal 2 Minuten liegen wir auch schon hinten, weil wir mit dem Ratz-Fatz-Ein-Kontakt-Passpiel zunächst wirklich Probleme haben.
Insbesondere die Pässe in dem Raum zwischen unseren beiden Viererketten machen uns echt zu schaffen.
Ich beordere Johannsson ein Stück nach hinten und beauftrage ihn damit, jegliche Offensivbemühungen sein zu lassen und nur noch genau diese Pässe zu verhindern.
Das reicht, um uns defensiv deutlich stabiler stehen zu lassen.
Vorn brauchen wir allerdings bis in die zweite Halbzeit, bis wir uns - nachdem die Konzentration der Gastgeber sukzessive nachläßt - endlich auch selbst Chancen erspielen.
Zwei davon verwertet Sunesson, so dass am Ende ein schwer erarbeiteter 2:1-Auswärtserfolg steht.
Skiljebo?

Hat verloren.
Wir sind damit 8 Punkte vorn!
Bei zwei noch ausstehenden Spielen braucht man kein Mathegenie zu sein, um uns zum Aufstieg zu gratulieren.


25. Spieltag - Skiljebo SK (H)

Das heißt natürlich auch, dass wir das unter anderen Umständen potentiell entscheidende Aufstiegsduell gegen Skiljebo als völlig entspannten Heim-Saisonabschluß angehen können.
Passend dazu sehen wir eine Rekordkulisse von 284 Zuschauern.
Und leider eine ZU entspannte Vorstellung meiner Elf, die am Ende verdient mit 0:1 verliert.
Ist aber wie gesagt egal, wir feiern am Ende dennoch mit den Fans.


26. Spieltag - Forsbacka IK (A)

Und am letzten Spieltag reißen wir uns dann nochmal zusammen.
Forsbacka kämpft noch um den Klassenerhalt - und zwar in einer extrem engen Konstellation am Tabellenende.
Von Rang 9 bis Rang 14 sind noch ALLE Mannschaften vom direkten Abstieg bedroht.
Wir wollen uns keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen, legen eine konzentrierte Vorstellung hin, Norin schnürt nochmal einen Hattrick und wir gewinnen klar und deutlich mit 4:1.
Rengsjö und Österäker können diese Vorlage nicht nutzen, verlieren ebenfalls und steigen ab.
Forsbäcka geht als in die Relegation.

Und ich darf mir stolz auf die Fahnen schreiben, den nächsten Aufstieg in meiner Karriere eingetütet zu haben.





Im Pokal ist übrigens bereits vor der Gruppenphase Schluß für uns - GAIS Göteborg war wie erwartet eine deutlich zu hohe Hürde.
Dennoch ist die Cupsaison erfolgreich, denn in der ersten Runde haben wir den höherklassigen Lokalrivalen AFC Eskilstuna ausgeschaltet.
Ätsch!




Der Vorstand belohnt die erfolgreiche Saison damit, dass er mir eine Vertragsverlängerung bis Ende 2037 anbietet, was ich selbstverständlich ohne großes Überlegen annehme.




Glückwünsche von Personen außerhalbs Schwedens gibt es übrigens erwartungsgemäß kaum. Ich bin hier wirklich im Niemandsland gelandet, was internationale Aufmerksamkeit angeht.
Mein Schwager ruft natürlich an (meine Entlassung in Esch war ein schwerer Schlag für ihn, aber seit ich "rehabilitiert" bin, ist unser Verhältnis wieder etwas besser).
Hannes schreibt immerhin eine E-Mail, aus deren Signatur hervorgeht, dass er es tatsächlich geschafft hat, die Karriereleiter hochzufallen. Er arbeitet jetzt als Co-Trainer bei RB Salzburg. (Würde mir im Traum nicht einfallen, dort zu arbeiten, aber er will ja unbedingt Karriere machen. Und dafür ist Co-Trainer in Salzburg wahrscheinlich ein ziemlich gutes Sprungbrett.)
Und selbstverständlich melden sich auch Per Ole und Svea - genaugenommen verbringe ich nach Saisonende sogar wieder meinen Urlaub bei ihnen.
Svea platzt vor Stolz, hat sie Frem doch trotz des mißratenen Saisonstarts auf den letzten Drücker wieder in die 3. Division (also die vierte Liga) geführt und hält sich dort aktuell im Mittelfeld.


Als ich nach einer Woche nach Eskilstuna zurückkehre, erwarten mich dutzende E-Mails mit Spielervorschlägen - offenbar ist unsere Rekrutierungsabteilung bereits seit dem Tag nach der Aufstiegsfeier auf Hochtouren damit beschäftigt, Ersatz für die vielen, vielen Spieler zu finden, die (hauptsächlich aus finanziellen Gründen) in der nächsten Saison nicht weiter im Kader stehen werden.




Bei Elm, Engly und Hansson laufen noch Verhandlungen, alle anderen aufgeführten Spieler werden den Verein am Saisonende (das mehr oder minder mit dem Jahresende zusammenfällt) verlassen.

Bei der verbleibenden Rumpftruppe sind Vorhersagen darüber, wie wir uns eine Liga höher schlagen werden, naturgemäß schwierig.
Was unser Präsidium nicht davon abhält, in der Aufstiegssaison einen Mittelfeldplatz fordern.
Na danke auch!




« Letzte Änderung: 25.September 2023, 15:01:09 von Achtelprofi »
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

knufschu

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #288 am: 24.September 2023, 20:16:33 »

Gratulation zum sportlichen und personellen Erfolg! Ist Sveas Team nun auch in der simulierten Liga? Du wirst ihr zwar sportlich vermutlich weiter enteilen, aber ein Duell wäre ja irgendwie witzig.

Edit: Achnee, ist ja Dänemark :-)
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Sonzee87

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #289 am: 24.September 2023, 22:11:54 »

Gratuliere. Super Saison mit einem tollen Ergebnis am Ende und jetzt schon ein größenwahnsinniges (?) Präsidium? Mittelfeldplatz als Aufsteiger mit halben Team? Das klingt schon insgeheim so als ob man unseren Gerard zum Scheitern vorverurteilen möchte. Ich hoffe natürlich ich irre mich und du schaffst es eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen die in der Liga auch mithalten kann.
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FlutLicht1900

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #290 am: 25.September 2023, 06:56:22 »

Super Saison "Glückwunsch" 🥂 Das sieht mir aber für die Zukunft sehr nach Dominanz aus. Was fällt mir zu Dominanz ein? Stern des Ostens ... 😉😂😜
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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #291 am: 25.September 2023, 14:11:56 »

Herzliche Gratulation zum Aufstieg! Jetzt wird es wirklich herausfordernd!

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #292 am: 25.September 2023, 14:37:51 »

Glückwunsch zum Aufstieg, das war eine starke Leistung! Neben den sportlichen Glanzmomenten hat mir diesmal besonders die Episode mit der neuen Scoutingabteilung gefallen, das war schon echt lustig.  :D
Dann mal viel Erfolg ein Regal weiter oben, ich bin absolut zuversichtlich, dass Gerard und sein neues Scoutingteam eine resiliente, eingeschworene Truppe zusammenstellen werden. Und dann wird gekämpft!  O0
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shortknife

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #293 am: 25.September 2023, 20:01:52 »

So…jetzt hatte ich auch mal wieder Zeit deine Story weiterzulesen, war da einige Seiten im Rückstand. Respekt, musste beim lesen immer wieder schmunzeln, das ich fast vergessen hätte aus den Zug zu steigen…..himmelherrgott… Glückwunsch zum Aufstieg, aber seien wir doch ehrlich, habe von Lava eigentlich nichts anderes erwartet und der geforderte Mittelfeldplatz für die nächste Saison, ist doch nur ein Detail am Rande, oder?
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Schweizer, Trainer einer Juniorenmannschaft, ehemaliger U-16 Nationalspieler der Schweiz.

Noergelgnom

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #294 am: 25.September 2023, 20:16:28 »

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IFK Eskilstuna




Kaderstimmung?



Sommer 2037, Eskilstuna, Schweden


Zwischen dem Saisonende und dem Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit liegen in Schweden grob gerechnet sechs Monate. Und dennoch geraten wir zwischenzeitlich ordentlich ins Schwitzen und fragen uns nicht nur einmal, ob die Zeit reichen wird, einen wettbewerbsfähigen Kader auf die Beine zu stellen.

Ganze zehn Spieler verlassen den Verein mit Ablauf ihres Vertrages, darunter Leitfiguren wie Prengaj oder Lambulic.
Und als ob das Ersetzen nahezu einer ganzen Elf nicht schwierig genug wäre, teilt uns Präsident Sandberg zu Beginn der trainingsfreien Zeit auch noch mit, dass zukünftig bitte maximal drei Spieler im Kader der Ersten stehen, die nicht aus Skandinavien stammen. Das habe die Mitgliederversammlung so entschieden, das werde also ab sofort bitte so umgesetzt.

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Finnland rechnet er offensichtlich mit dazu, aber dennoch - das macht unsere Aufgabe nicht eben leichter.
Spieler aus der eigenen Jugend fallen übrigens auch unter diese Regel, sofern sie in die Erste aufrücken sollen.
Na gut, dieses Problem stellt sich auf mittlere Sicht sowieso eher nicht, denn bis auf Vainio (der zudem auch Schwede ist) gibt es absolut niemanden in der U19, der in der Herrenmannschaft in irgendeiner Form etwas zu suchen hätte.
Für die Zukunft wäre es eventuell eine Idee, eine Reservemannschaft aufzubauen, in der "überzählige" Jugendspieler spielen können, die es aufgrund dieser Beschänkung (noch) nicht in die Erste schaffen.
Aber das ist uns als frischgebackenem Drittligisten auch schlicht zu teuer, das muss warten.

Wir suchen also mit Fokus auf "Schweden (und bei Gelegenheit angrenzende Länder)" - und freuen uns, dass das Niveau unseres verbliebenen Restkaders nicht allzuhoch ist und wir deswegen viele derer, die in den nächsten Wochen zum Probetraining eingeladen werden, als Verstärkung ansehen können.

Die Herkunft allein macht natürlich noch keinen guten Fussballer - deswegen legen wir intern eine "Checkliste" fest. Wir arbeiten mittelfristig darauf hin, nur noch Spieler verpflichten, die folgende Bedingungen erfüllen:

1. Charakterstärke
Wer beim IFK Eskilstuna spielen will, muß positiv und professionell an Spiel und Training. Nachlässigkeiten wie Unpünktlichkeit, laxe Trainingseinstellung oder gar unsportliches Verhalten werden nicht geduldet (was sich nebenbei bemerkt auch in Strafenkatalog niederschlägt).

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2. Mut, Einsatzfreude, Teamfähigkeit und Zielstrebigkeit
Der IFK Eskilstuna ist ein kleiner Verein und wird in der Ettan Norra in vielen Spielen der Underdog sein.
Wir müssen sicherstellen, dass sich jeder auf dem Platz zu 100% auf seinen Nebenmann verlassen kann, dass jeder ans Maximum seiner Leistungsfähigkeit geht, um den Erfolg zu sichern und dass jeder täglich alles dafür gibt, sich zu verbessern.

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Das sind für viele der Spieler, die wir zur Probe auf dem Trainingsplatz sehen, sehr hohe Hürden, weswegen wir erst kurz vor Beginn der Pflichtspiele einen Kader beisammen haben, der zumindest zum Großteil aus Spielern besteht, die diese Bedingungen erfüllen.




Die Experten sehen uns mit diesem Kader tatsächlich auf einem gesicherten Mittelfeldplatz!
Das unterschreib ich ohne zu zögern - wäre eine klasse Saison, wenn wir als Aufsteiger wirklich auf dem 9. Platz landen sollten.




Und dann ist es plötzlich April und die Saison beginnt.


In unserer Stammelf hat sich einiges getan - so ist zum Beispiel das Sturmduou der letzten Saison, Norin/Sunesson, in den Vorbereitungsspielen eindeutig von Neuzugang Daniel Paksi und Kaderspieler Hansson überholt worden.
Überhaupt, die Vorbereitung.
Wir spielen gegen etliche unterklassige Mannschaften, um die Taktiken mit dem runderneuerten Kader einzuüben.
Vier Wochen vor Saisonstart haben wir allerdings einen echten Härtetest angesetzt - auswärts bei Djurgardens IF.
Wir verlieren zwar vor fast 8000 Zuschauern mit 0:1, aber neben der schönen Geldspritze von fast 30.000€ nehmen wir vor allem die Erkenntnis mit, dass wir gegen den Erstligisten in dessen eigenem Stadion nicht nur mithalten konnten, sondern sogar mehrere gute Chancen auf die Führung bzw den Ausgleich erspielten.
Macht Mut, dieses Ergebnis.


1. Spieltag - IFK Haninge (A)

Die Saison beginnt mit einer absoluten Achterbahnfahrt, die so keiner von uns gebraucht hätte.
Ein IFK-Duell.
Wir liegen schon nach 10 Minuten hinten - und zwar nur mit 0:1. Das hätte auch leicht 0:2 oder gar 0:3 sein können.
Erst nach einer halben Stunde kommen wir besser in die Partie und unser neuverpflichteter Knipser Paksi kann erst nach einem langen Ball der neuen Mittelfeldzentrale Uddfalk Lund ausgleichen und keine drei Minuten später nach einem Blitzkonter gar das Spiel drehen.
Als wiederum Paksi elf Minuten vor dem Schlußpfiff gar sein drittes Tor erzielt (diesmal nach Ecke), scheint die Partie schon gelaufen - aber die Hausherren kommen mit Macht zurück und gleichen durch zwei Freistöße innerhalb von nur 2 Minuten aus!

Und als alle schon mit einem 3:3-Endergebnis rechnen, flitzt der neue linke Flügelspieler David Rahm nochmal seine Seite runter, flankt an den Elfmeterpunkt und ... genau: Daniel Paksi donnert den Ball zum 4:3 unter die Latte!

Vier Tore in einem Spiel sind neuer Rekord für die Ettan Norra, für Paksi sowieso - und er hat sich mit diesen vier Toren natürlich auch direkt in die Herzen der Anhänger geballert.


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2. Spieltag - Täby FK (H)

Die Gäste sind der Favorit auf den Aufstieg - und so läuft das Spiel leider auch.
Unsere Offensive ist komplett unsichtbar, wir bleiben deutlich unter 0,5 xG in dieser Partie.
Und im Gegenzug schaffen wir es nicht, den Gästesturm komplett abzumelden, weswegen Colonna kurz vor der Halbzeit für die Führung (und gleichzeitig den Endstand) sorgen kann.


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3. Spieltag - Hammarby TFF (A)

Auch Hammarby wird deutlich stärker eingeschätzt als unsere Mannschaft, die Niederlage haben wir aber dennoch ganz alleine zu verantworten.
Denn wir wehren uns nach Leibeskräften und schaffen es sogar, kurz vor Schluß per Ecke die Gastgeberführung zu egalisieren.
Nur passen wir vor lauter Jubelei in den Sekunden nach dem Anstoß nicht gut genug auf und fangen uns folgerichtig sofort wieder das Gegentor ein. Und bei diesem bitteren 1:2 bleibt es dann auch.


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4. Spieltag - Lunds BK (A)

Lunds BK wird eher in den Niederungen der Tabelle erwartet, ist auch nicht allzugut gut gestartet - und sie kämpfen entsprechend.
Das Spiel ist ein offener Schlagabtausch mit zwei gut aufgelegten Torhütern - und dem besseren Ende für uns, da Paksi zwar nur eine seiner drei hundertprozentigen Chancen nutzen kann, wir im Gegenzug allerdings die Null haltenn.
Wichtiger Auswärtserfolg!


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5. Spieltag - AFC Eskilstuna (H)


Derbytime im Tunavallen!
Ein extrem intensiv geführtes Spiel, der AFC hat nach der letztjährigen Pokalniederlage noch eine Rechnung mit uns offen und berennt unser Tor von Minute eins an nahezu pausenlos - wir jedoch machen die Tore.
Innenverteidiger Adzovic (nach Ecke), Paksi (nach 4-Kontakt-Konter übers ganze Spielfeld) sowie der andere Innenverteidiger Lindahl (wiederum nach Ecke).
3:0 zur Pause, was soll da schiefgehen?
Antwort: alles.
Das Endergebnis lautet 3:4, der Knockout erfolgt in der letzten Minute der Verlängerung.
Die Köpfe der Spieler hängen danach bis zur Grasnarbe runter, hoffentlich kriegen wir diesen Tiefschlag schnell aus diesen Köpfen raus!


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6. Spieltag - Västeras SK (H)

Gleich das nächste Heimspiel hinterher - und Västeras steht nicht nur fast genausogut in der Tabelle da wie Tabellenführer Täby... sie sind uns auch genauso überlegen.
Wir finden offensiv wie auch gegen Täby eigentlich nicht statt - und defensiv haben wir ein ums andere Mal brenzlige Situationen zu überstehen.
Dass es am Ende nur 0:1 heißt, ist ausschließlich unserem Keeper Olofsson zu verdanken.


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Ein Fünftel der Saison ist gespielt - Zeit für eine erste Standortbestimmung.




Wir sind tabellarisch gesehen absolut im Soll - aber es fühlt sich ehrlich gesagt nicht so an.
Gerade die letzten beiden Spieltage waren niederschmetternd und haben uns sehr deutlich gezeigt, wo es noch hakt und dass wir noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns haben, bevor wir von etwas anderem träumen können als einem möglichst früh gesicherten Klassenerhalt.
Aber glücklicherweise habe wir ja sofort die Möglichkeiten, es besser zu machen, denn die nächsten Spiele folgen ja Schlag auf Schlag.


7. Spieltag - Sollentuna FK (A)

Nachbarschaftsduell - Zehnter gegen Neunter.
Den Gastgebern gehört die erste halbe Stunde, in der sie auch in Führung gehen.
Danach spielt zunehmend nur noch der IFK Eskilstuna.
Und glücklicherweise lassen wir uns die Führung, für die Paksi mit einem Doppelpack kurz vor und kurz nach der Pause sorgt, auch in der hektischen Schlussphase nicht mehr nehmen.
Ganz, ganz wichtiger Erfolg, denn in der Tabelle ist das alles weiterhin recht eng und wir wollen auf jeden Fall vermeiden, zu weit da unten reinzurutschen!


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8. Spieltag - Dalkurd FF (A)

Dalkurd ist aktuell Siebter, hat aber vor der Saison den Relegationsplatz als Ziel ausgegeben, die müssen also langsam punkten, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen.
Und demzufolge wird unser Auswärtsspiel auch zu einer echt haarigen Angelegenheit.
Wir schaffen es zwar, kurz nach der Pause eine Ecke zur Führung durch Adzovic zu nutzen, kassieren aber sehr schnell den Ausgleich und zittern uns danach dem Schlußpfiff entgegen.
Keeper Olofsson wird Spieler des Spiels, mehr muß ich wohl nicht sagen.


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9. Spieltag - Vasalunds IF

Die heutigen Gäste gehören zu den stärksten Team im diesjährigen Wettbewerb und manch einer hat sie sogar noch weiter oben erwartet als auf dem dritten Platz, den sie aktuell einnehmen.
Gegen die ähnlich starken Teams aus Täby und Västeras sahen wir ja nicht gerade gut aus, daher lautet die Maßgabe heute "Defensive!".
Und das setzt die Mannschaft einfach dermaßen bravourös um, dass ich danach nicht anders kann, als offen Beifall zu klatschen.
Nicht nur, dass sie die Null halten - nein, Innenverteidiger Adzovic, der nach 17 Minuten bereits zum vierten Male nach einer Ecke einnickt, wird damit gar zum Matchwinner!
Big Points gegen ein Spitzenteam.
Das sollte doch jetzt nochmal einen Schub geben!


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10. Spieltag - Bodens BK

Zumal jetzt mit Bodens BK der bisher sieglose Tabellenletzte zu Gast ist.
Aber das sorgt offenbar dafür, dass die Mannschaft einen Selbstläufer erwartet - und prompt verliert!
Damit ist die super Ausgangsposition vom Spiel gegen Vasalunds sofort wieder dahin und wir müssen wieder mit bangem Blick nach unten schauen.
Ärgerlich, weil unnötig!


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11. Spieltag - BK Forward

Und mit diesen eher negativen Gedanken reisen wir gleich zum nächsten Abstiegskandidaten.
BK Forward wurde sehr sehr häufig genannt ,als die Trainer der Liga vor der Saison nach ihren Tips für die Absteiger gefragt wurden - in der Realität stehen sie zwar überraschend über dem Strich, aber das nur über dem zweiten.
Relegationsplatz also.
Wenn wir hier gewinnen, haben wir einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt distanziert und können ein bißchen durchatmen.

Aber meine Jungs wollen offenbar unter Strom stehen und die ganze Zeit im Stress sein - anders kann ich mir diese pomadige Vorstellung samt zweier Einladungen zu einem Gegentor nicht erklären.
Völlig verdiente Niederlage!


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12. Spieltag - Karlslunds IF

Durch unsere Niederlage bei Bodens BK ist Karlslunds der neue (und sieglose) Tabellenletzte. Alarmstufe ROT!
Das gesamte Trainerteam versucht also die komplette Woche hindurch, den Spielern begreiflich zu machen, dass sie die Gastgeber bloß nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich wenn nötig ins Spiel hineinkämpfen sollen.
"Keinen Ball verloren geben!", schärfe ich den Spielern ein.
Und könnte mich kurz nach Spielbeginn für diese Worte ohrfeigen, denn unser Neuzugang  Danielsson-Söderberg hat sie sich offenbar viel zu sehr zu Herzen genommen.
Der rechte Flügelspieler versucht seinen Gegner erst durch Trikotzupfen am Durchlaufen zu halten, als das nicht erfolgreich ist, springt er ihm von hinten mit gestrecktem Bein in den Unterschenkel.
Nach 9 Minuten sind wir also in Unterzahl.
Und obwohl die restlichen zehn Spieler wirklich alles geben, reicht es letztlich nur zu einem 1:2, womit wir auch das dritte Spiel in Folge verloren haben.
Allesamt gegen Mannschaften, gegen die wir uns wenigstens ein Unentschieden erhofft hatten.


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Das bedeutet natürlich auch, dass unser Blick auf die Tabelle nach dem zweiten Saisonfünftel deutlich sorgenvoller ist, als es hätte sein müssen.
Sicher, rein tabellarisch betrachtet sind wir immer noch halbwegs auf Kurs:




Aber wenn wir weiter so fahrlässig spielen, sind sechs Punkte Vorsprung ganz sicher nicht genug, um auch am Ende der Saison über dem Relegationsstrich zu stehen - vom Vorstandsziel "Mittelfeldplatz" ganz zu schweigen.


Im Kader gärt es auch ein wenig, leider.
Dermaßen viele Neue auf einen Schlag zu integrieren, ist sowieso schon nicht einfach - aber wenn Dein Sportdirektor dann auch noch missverständliche VErsprechungen bezüglich Spielzeit macht und Du plötzlich drei Stürmer und vier Flügelspieler mit Stammplatzanspruch im Kader hast, ist Unzufriedenheit vorprogrammiert.

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Die restliche Saison verspricht jedenfalls spannend zu werden - und wir Trainer müssen schnellstmöglich den Schlendrian aus der Mannschaft treiben, sonst wird das schnell sehr ungemütlich hier.
« Letzte Änderung: 25.September 2023, 20:46:14 von Achtelprofi »
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

Muffi

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #295 am: 26.September 2023, 12:40:09 »

Erst einmal noch die besten Glückwünsche zum Aufstieg! Das es dann nicht ganz ohne Niederlage klappte, ist zu verschmerzen, am Ende war es dann ja doch sehr souverän.

Ich kann mir vorstellen, dass deine Truppe in der Rückrunde stabiler auftritt, es braucht seine Zeit, bis die Abläufe sitzen, usw.
Und ja, das Problem mit dem hohen Spielerstatus um den Spieler überhaupt zu bekommen, kenne ich aus meiner Anfangszeit in Viljandi.

Ich drücke die Daumen, dass dein Kahn bald in ruhige Gewässer kommt.  :)


PS: Was den Musikgeschmack angeht, liegen Gerard und ich durchaus auf einer ähnlichen Wellenlänge - passt!
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Karagounis

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #296 am: 26.September 2023, 17:25:17 »

Ich finde den Start gelungen, paar wichtige Punkte gesammelt, kleiner Vorsprung und das nach all den Wechseln. Ich denke bzw. hoffe, dass es jetzt nur noch besser wird.

Noergelgnom

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #297 am: 26.September 2023, 20:24:49 »

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IFK Eskilstuna




Muskeln, Muskeln ... überall MUSKELN!



Sommer 2037, Eskilstuna, Schweden


13. Spieltag - Huddinge IF


Wir haben uns fest vorgenommen, im nächsten Spiel nicht wieder mit Bruder Schlendrian als 12. Mann auf dem Rasen zu spielen.
Und die Jungs halten sich an die Vereinbarung.
Paksi schnappt sich vom Anpfiff weg die Kugel, dribbelt sich durch die noch gar nicht richtig anwesenden Gästespeiler und dringt in den Strafraum ein - wo er nur mit unfairen Mitteln gestoppt werden kann.
Klare Sache - Elfmeter.
Nach fünfzehn Sekunden!
Bis zur Ausführung vergeht natürlich noch ein bißchen Zeit, aber schlußendlich führen wir nach 2 Minuten bereits mit 1:0.
Super Start in den 13. Spieltag, allerdings läßt der nächste Rückschlag nicht lange auf sich warten.

Als Daniel Paksi nach einer reichlichen Viertelstunde einen Haken ansetzt, plötzlich abbricht und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den inneren linken Oberschenkel faßt, ist für mich die Sache klar: Leistenzerrung!
"Ab in die medizinische Abteilung, aber sofort!"
Paksi humpelt von dannen und wir müssen die Partie ohne unseren bisher besten Torschützen zuende spielen.
Glücklicherweise habe ich mit Norin eine wirklich gute Alternative auf der Bank.
Und dass der mit dem heute in der Startformation stehenden Hansson klasse harmoniert, wissen wir ja.

Die beiden spielen Huddinges Defensive im Verlaufe der verbleibenden 70 Minuten ein ums andere Mal schwindlig, treiben mich zwischenzeitlich mit ihrem Chancenwucher zur Verweiflung, sorgen aber im Endeffekt für einen nie gefährdeten 4:0-Heimsieg.
Eine phänomenale Vorstellung!
Dass wir mit diesem xG-Wert nur 4 Tore erzielen, ist das einzige Manko, aber das ist diesmal wirklich Meckern auf hohem Niveau.





Eine halbe Stunde nach dem Auslaufen wird mir bewußt, dass Paksi erstens noch nicht wieder aufgetaucht ist und dass ich zweitens seit einigen Minuten an- und abschwellende Geräusche aus Richtung Physiobaracke höre - es klingt fast wie Jammern.
Zunächst grinse ich in mich hinein (ich wußte gar nicht, dass Daniel so einen Hang zum Dramatisieren hat) ... aber als sich unter die konstante Jammerei dann der eine oder andere Schmerzensschrei mischt, sehe ich mich genötigt, meiner Neugier doch  nachzugeben und mal nachzuschauen, was da eigentlich los ist.

Die Tür ist nur angelehnt und so kann ich durch den Spalt sowohl alles sehen als auch alles hören, was da bei den Physios vor sich geht ....

... Zwei unserer Physiotherapeuten stehen an der Liege, auf der sich unser Stürmer mit aschfahlem Gesicht und Schweiß auf der Stirn vom Schreien erholt.
Der ältere der beiden ist unser Chefmasseur Henrik - den jüngeren (sehr viel jüngeren!) kenne ich dagegen gar nicht.
Könnte sein, dass das der neue Physiotherapeut namens Martin ist, den Giorgios vor zwei Tagen eingestellt hat und den er mit den Worten "unerfahren, aber ehr motiviert und eifrig" beschrieben hat.
Wir sind nicht auf finanziellen Rosen gebettet und außerdem ist es gar nicht so leicht, gutes Personal in die schwedische Einöde zu locken, daher müssen wir mitunter solche Kompromisse eingehen.




Die beiden begutachten Paksis Oberschenkel mit mehr (Henrik) bzw weniger (Martin) fachmännischem Blick.

"So, Martin, jetzt zeig mal, was hast Du gemacht - und warum hat Daniel so geschrien?"
"Ich hab eigentlich ... äh ... also ..."
"Ja?"
"Äh ... es ist doch eine Leistenzerrung, richtig?"
"Richtig, sehr gut erkannt, Martin."
"Nun ... öhm ... und bei Leistenzerrung muss man doch die ... ähm ... PECH-Regel einhalten, hab ich in der Schule gelernt."
"Auch richtig."
Und deswegen hab ich Herrn Paksis Bein hochgelagert und nach einer kurzen Pause mit Eiswürfeln und Druck, englisch also compression, behandelt. H wie hochlagern, P wie Pause, E wie Eis und C wie compression."
"Hm, das klingt eigentlich alles gar nicht so verkehrt. Zeig mir doch bitte mal, was genau Du getan hast."

An dieser Stelle schüttelt Paksi mit panikggeweiteten Augen den Kopf, aber es ist schon zu spät.
Martin greift voller Eifer in den Eimer mit den Eiswürfeln, nimmt einen besonders großen, unregelmäßig geformten Klumpen in die Hand ...
... und rammt ihn dem sich spontan verkrampfenden Opf Spieler mit Enthusiasmus und Schmackes in die rechte Leiste.
"AAAAAAAAAAAAAAAAAAAARGHHHH!", jault dieser auf, bevor er  - der gnädigen Ohnmacht nahe - wieder auf die Liege zurücksinkt.

Henrik schüttelt den Kopf und spricht in mild tadelndem Tonfall auf den Neuen ein.
"Nein, nein, nein, Martin, das ist zuviel Schwung. Du mußt das sanfter machen. - Schau, ich zeigs Dir."
Er nimmt dem Physio-Azubi den Eisklumpen aus der Hand und presst ihn - mit deutlich weniger Schwung, aber dafür längerfristig Druck ausübend - auf die betroffene Leiste.
Paksi kann nur noch wimmern...

...
Unter den fachkundigen Händen unserer Physiotherapeuten wird Paksi seine Zerrung wohl schon in ein bis zwei Monaten auskuriert haben.
Bis dahin müssen Sunesson, Hansson, Norin und Wrobel für ihn in die Bresche springen.

(Und Giorgios Tsakiris bekommt die top-secret-Anweisung, nach erfahreneren Physiotherapeuten zu suchen.
Vielleicht zukünftig auch mal außerhalb von Metzgereien und Pathologien.)
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

Muffi

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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #298 am: 27.September 2023, 07:23:27 »

Ja, das Problem hatte ich bis zur Professionalisierung auch, man hat eigentlich nur Zeit die Grundlagen zu trainieren. Und ja, ich kann in Viljandi deutlich den Unterschied sehen, natürlich geht auch die Spielerentwicklung wesentlich schneller.  :)

Kaum gesprochen, schon haut deine Truppe ein 4:0 raus, weiter so!

Und geniale Episode mit dem Physio. Ich versuche ja nach Möglichkeit weibliche Physios zu verpflichten.  :D ;)
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Re: [FM 20/23 Journey] Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers
« Antwort #299 am: 27.September 2023, 19:52:59 »

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IFK Eskilstuna




Es werde Geld!



Immer noch Sommer 2037, Eskilstuna, Schweden



14. Spieltag - Pitea IF (A)

Die Gastgeber stecken knietief im Abstiegsschlamassel und brauchen dringend Punkte.
Und wer käme da gelegener als ein notorisch auswärtsschwacher Aufsteiger, der in den letzten Wochen vor allem durch eines aufgefallen ist: Inkonstanz?
Die Lokalpresse erwartet, dass Eskilstuna nach dem überzeugenden Heimsieg wieder einmal - wie so oft - eine schwache Leistung abliefern und in diesem wichtigen Auswärtsspiel verlieren wird.
Wichtig ist dieses Spiel ja nicht zuletzt dadurch, dass wir jeden Punkt benötigen, um einen gewissen Abstand zu den unteren Plätzen zu wahren.
Denn was mit dieser Mannschaft los ist, sobald sie echten Druck verspürt, haben wir nun auch schon ein paar mal erleben dürfen (müssen).

Srdan und ich schwören die Startelf - inklusive Paski-Vertreter Norin - also darauf ein, sich um Himmels willen nicht "die Butter vom Knäckebrot nehmen zu lassen" (eine angepaßte Metapher, die eher nicht so gut ankommt, wie ich feststelle) und von Beginn an auf Sieg zu spielen.

Wie sich herausstellt, haben die Gastgeber ein ähnliches Ziel (Überraschung!) und es entwickelt sich ein offenes Duell mit guten Chancen auf beiden Seiten.
Nach einer kurzen Abtastphase kann sich zunächst unser Keeper Olofsson bei einem Schuß aus der zweiten Reihe auszeichnen, ehe wir in der Mitte der ersten Halbzeit durch einen sauber gespielten Konter über vier Stationen in Führung gehen.
Torschütze: Oscar Norin.
Danach verflacht die Partie zunehmend. Wir wollen nicht (also ICH will schon, aber die Spieler nehmen sich eine längere Auszeit), Pitea kann nicht.
Nach der Pause tut sich zunächst weiterhin nichts weltbewegendes - bis zu 64. Minute:
Freistoß für die Hausherren aus dem linken Halbfeld.
Unsere Mauer ist unsauber postiert, der Ball kommt daher ungehindert zum Elfmeterpunkt, wo Lindahl das Kopfballduell gegen den Pitea-Stürmer Widlund verliert, Olafsson kommt nicht mehr ran - Ausgleich.
Unsere Mannschaft wacht jetzt tatsächlich doch mal wieder auf, toll!
Nur drei Minuten später:
Ecke Eskilstuna, Mannerstal bringt die Kugel hoch an den langen Pfosten, wo Adzovic zum wiederholten Male in dieser Saison alle überspringt und die erneute Führung köpft.
"Weiter, weiter, nicht nachlassen!", fordern wir vom Spielfeldrand aus - aber unsere Elf fährt sofort wieder auf Standby runter. Unglaublich!
Es kommt, wie es kommen muß: wenige Minuten vor dem Spielende zeigen die Gastgeber, dass sie Ecken ebenfalls können und gleichen mit einer Kopie des Adzovic-Tores aus.

Während wir anstoßen, mache ich meinem Ärger Luft und pfeffere meine Wasserflasche Richtung 400-m-Tartan-Bahn.
Plötzlich jubeln die paar mitgereisten Fans in der Kurve und unsere Ersatzbank springt ebenfalls geschlossen auf.
Was is nu los?
Ich dreh mich um und sehe Norin mit hochgerissenen Armen abdrehen, der Pitea-Keeper holt mit versteinerter Miene gerade den Ball aus dem Netz. Später erfahre ich, dass Norin vom Anstoß weg in den gegnerischen Sechzehner gesprintet ist und dort einen 40-Meter-Paß von Mannerstal mit einer einzigen fließenden bewegung angenommen und verwertet hat.
Und ich habs nicht gesehen, Mist!
Etwas verschämt trabe ich los, um meine Wasserflasche zu holen - die ist nämlich peinlicherweise ein Geburtstagsgeschenk von Svea gewesen, mit meinem Konterfei drauf und allen Titeln, die ich in Luxemburg gewonnen habe.
Daran hatte ich in meinem Ärger vorhin gar nicht gedacht.
Nach einigen bangen Sekunden finde ich sie und balle die Faust vor Freude.
"Yessss!", rufe ich aus und recke die geballte Linke in Siegerpose hoch, froh darüber, Svea nicht erklären zu müssen, dass ich ihr Geschenk mit voller Absicht auf einem Sportplatz im schwedischen Niemandsland weggeworfen habe.

Plötzlich wird es laut und die Eskilstuna-Fans in der Fankurve ballen ebenfalls die Fäuste und jubeln.
Zuerst denke ich natürlich, dass die sich mit mir freuen - bis mir aufgeht, dass sie dafür ja von dem Geschenk wissen müßten.
Verwirrt drehe ich mich zum Spielfeld um und sehe Oscar Norin gerade noch in einer Traube jubelnder Eskilstuna-Spieler verschwinden.
Der hat schon wieder heimlich ein Tor geschossen, kaum, dass ich ihm mal den Rücken zudrehe!
Ich verzeihe ihm diese Frechheit aber rasch - immerhin haben wir es hauptsächlich seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor zu verdanken, dass wir heute mit drei statt null Punkten nach Hause fahren.

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15. Spieltag - Umea FC (H)

Beschwingt von diesem Erfolg des Willens lassen wir im folgenden Heimspiel defensiv kaum etwas anbrennen und bedanken uns offensiv mal wieder bei Enes Adzovic, dessen Kopfballtor nach Ecke Mannerstal uns die nächsten drei Punkte beschert.
Haben wir etwa endlich den Bock umgestoßen und unsere Konstanz gefunden?

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16. Spieltag - Haninge IFK (H)

Scheint fast so - denn wir gewinnen sogar das dritte Spiel in Serie. Haninge ist zwar kein echter Gradmesser, da klarer Abstiegskandidat, aber da wir in dieser Partie gleich drei Stürmer (nämlich Paksi sowie Norin und Sunesson) sowie Linksverteidiger Aloumanis und Innenverteidiger Lindahl ersetzen müssen, finden wir das alles andere als selbstverständlich.
Der Stürmer Nummer 5, Robert Wrobel, startet den Torreigen, ein Kopfball nach Ecke von Adzovic sowie ein weiteres Kopfballtor nach Ecke, diesmal von Stürmer Hansson, vervollständigen unseren klaren 3:0-Erfolg.
Wir sind endgültig im gesicherten Mittelfeld angekommen.
Und gerade rechtzeitig, denn die nächste Auswärtspartie könnte schwerer nicht sein....

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17. Spieltag - Täby FK (A)

Gastspiel beim Tabellenführer!
Schwieriger gehts in dieser Liga kaum, den Täby ist nach einhelliger Expertenmeinung die beste Mannschaft der Liga und liegt nicht zufällig oder überraschend, sondern absolut folgerichtig auf Platz 1.
Von einem Auswärtssieg zu träumen, wäre also bestenfalls ungeheuer optimistisch.
Wir setzen uns lieber das Ziel, die Null zu halten, ziehen dazu einen der beiden Mittelfeldspieler ins defensive Mittelfeld zurück und lassen die Jungs sehr vorsichtig und risikoarm zu Werke gehen.
Und das klappt besser als erwartet. Der Ligakrösus findet offensiv keine Mittel, wir allerdings auch nicht.
Am Ende trennen wir uns nach einem äußerst ereignisarmen Spiel mit 0:0 - ein Ergebnis, das uns deutlich besser schmeckt als Täby.

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18. Spieltag - Hammarby TFF (H)

Unser nächster Gegner ist Tabellennachbar, denn Hammarby und Eskilstuna sind punktgleich. Der Sieger dieses Spieles kann zumindest klammheimlich noch nach oben schielen, für den Verlierer wird es nach dann knapp zwei Dritteln der Saison nur noch darum gehen, den Mittelfeldplatz zu halten.
Beide Teams neutralisieren sich das gesamte Spiel über - und am Ende verlieren wir dennoch.
Und warum?
Weil ich mit dem einen Punkt nicht zufrieden bin, mehr will und in den letzten zehn Minuten ein bißchen offensiver und risikoreicher spielen lassen - was dazu führt, dass wir Sekunden vor dem Spielende in einen Konter laufen (den ersten, den wir in dieser Partie nicht unterbinden können) und tatsächlich noch das 0:1 schlucken müssen.
So.
Ein.
Verdammter.
MIST!

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Ich kann der Mannschaft nicht böse sein, denn nicht sie haben das Spiel verloren, sondern ich mit meiner Taktikumstellung.

Diese erste Niederlage nach zuvor fünf ungeschlagenen Partien ist natürlich ein Rückschlag, aber beim Blick auf die Tabelle absolut kein Beinbruch.
Wir haben uns im Mittelfeld stabilisiert und schon sechs Punkte Vorsprung auf den Zehnten.

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Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass der Architekt dieses sportlichen Aufschwungs in Eskilstuna - Präsident Ludvig Sandberg nämlich - nach den Wahlen, die genau an diesem Wochenende stattfinden, seinen Vereinsposten los ist!






Ein unglaublicher Vorgang, der nicht nur mich, sondern alle im Verein sprachlos zurückläßt.
Sein Kontrahent - und Wahlgewinner - Daniel Hjelte, ist ein bisher unbeschriebenes Blatt im Club. Seine einzigen Leistungen bisher:
er führt mit einigem Erfolg einen Malerbetrieb in Eskilstuna.
Aber auch mit all seiner Farbe kann er die skandalösen Umstände seiner Wahl nicht übertünchen, denn es werden sehr schnell Gerüchte über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung laut.
Nur: beweisen kann man ihm leider nichts. Und so muß Sandberg sein Büro räumen und wir werden ab sofort von einem Kleinunternehmer regiert.
Jippieh!

Immerhin scheint er aber zumindest clever zu sein - er weiß, mit wem er sich gut stellen sollte und was seine vordringlichste Aufgabe ist.
Binnen 24 Stunden nach der Wahl kommt er auf Tsakiris, Vujovic und mich zu und bietet uns dreien neue Verträge an, um "die bisher geleistete, großartige Arbeit zu honorieren".






Das Angebot nehme ich natürlich gern an - und noch während ich unterschreibe, ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass Hjelte eigentlich gar nicht so übel ist.

In einer Woche ist Derbytime, dann müssen wir im Tunavallen auswärts antreten, gegen Aufstiegsanwärter AFC Eskilstuna.
Vorher erfahren wir noch, dass wir von der U17 auch in diesem Jahr keine Wunderdinge erwarten sollten:




Und wir werden reich.
Also bald.
Denn nachdem wir das Erstrundenpokalspiel bei Vasalunds mit mehr Glück als Verstand im Elfmeterschießen gewonnen haben, hat uns die Losfee in der zweiten Runde Heimrecht gegen Hammarby FF beschert.
Und deren Sportdirektor hat nahezu sofort eine sechsstellige Summe geboten, damit wir nicht in Eskilstuna, sondern in Hammarby spielen.
Da wir sowieso höchstwahrscheinlich ausscheiden, haben wir zugestimmt.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge, die Tsakiris angestellt hat, könnten uns durch die Tauschgebühr und die Hälfte der Zuschauereinnahmen insgesamt vielleicht mehr als 300.000€ ins Haus flattern.
Das wäre eine echte Hausnummer!


« Letzte Änderung: 27.September 2023, 20:22:04 von Achtelprofi »
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