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Autor Thema: [FM 20 bis 24] Lavayeuxs Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers  (Gelesen 335812 mal)

knufschu

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Jetzt noch in der Rückrunde Kopenhagen schlagen und denen den Titel madig machen, so dass diese herrliche Formulierung "Keinerkannsicherinnernwielangedasherist" bald schon vergessen ist.

Es klingt ja schon stark nach Abschied, bin etwas gespannt, was Lava machen könnte.
« Letzte Änderung: 20.Juli 2026, 20:04:15 von knufschu »
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Irgendwo in den Katakomben eines Fussballstadions, an einem Mittwoch, kurz vor der gleichnamigen Pause....


Das Pressezentrum des Clubs ist proppevoll - ich bin sehr froh, dass wir uns nicht durch die Massen drängeln müssen, sondern von der anderen Seite, also hinter dem Podium, in den Raum kommen.
"Wir", das sind Tony Borges, der Präsident, dessen Verein ich vor dem Abstieg retten soll, Dan Stoican, mein im doppelten Wortsinne neuer Sportdirektor und ... nunja, ich: Gerard Lavayeux, neuerdings als wankelmütiger Mensch bekannter Fussballwandervogel.

Tony ist ein wohlgenährter, meist gutmütiger End-Fünfziger, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstanden habe - und damit meine ich wirklich und buchstäblich "ab dem Moment, in dem er mich das erste mal anrief und nachfragte, ob ich mir vorstellen könne, "ein Traineramt mit Haken, Ecken, Kanten, Ösen und Restriktionen zu übernehmen"?
Das klang zwar ganz gut (weil es irgendwie lasziv (oder war es suggestiv?) "Lavayeux-Material!" füsterte), dennoch war ich nicht so recht überzeugt, dass ich - nur 1 Woche nach meinem Rücktritt in Dänemark - schon wieder ins Rampenlicht zurückkehren sollte.
Aber "leider" hatte Borges noch ein Ass im Ärmel - und zwar ein mächtig gewaltiges, wie ein Mitglied einer früheren dänischen Gangsterklamauk-Komikertruppe gesagt hätte.
"Hören Sie, Gerard - ich darf doch 'Gerard' sagen, ja? - ich möchte den Verein nach meiner Wahl zum Präsidenten einfach auf allen Ebenen endlich mit der Kompetenz und Professionalität aufstellen, die hier schon so lange fehlt. Und ich mir absolut sicher, dass Dan Stoican und Sie ein perfektes Tandem für die sportlichen Belange darstellen würden."
"... Moment mal, stop. Haben Sie gerade 'Dan Stoican' gesagt? DER Dan Stoican von Dinamo Bukarest??"
In Borges' Stimme war nun ein deutlich selbstzufriedener Unterton zu hören.
"Und Servette Genf und Sparta Rotterdam, ja. Er ist ab dem 1. Januar unser neuer Sportdirektor. Ich wußte doch, dass Sie das interessant finden würden..."
Mir blieb kurz die Spucke weg.
"Wie sind Sie denn an den rangekommen?!"
"Mit der gleichen Taktik, mit der ich auch Sie zu ködern gedenke, Gerard: eine große Herausforderung, die im Gegenzug die Möglichkeit bietet, in einer der großen europäischen Ligen wirklich Eindruck zu schinden und vor allem etwas zu erreichen."

Mit Stoican, einem der "Shooting Stars" unter den Sportchefs im europäischen Fussball, hatte Borges mich tatsächlich  "geknackt". Dem Rumänen eilte seit anderthalb Dekaden ein famoser Ruf voraus - kein Wunder bei seiner Vita:

Zuerst hatte er federführend den tief gefallenen Giganten Dinamo Bukarest aus der dritten (!) rumänischen Liga zurück ins Oberhaus und sogar auf die europäische Bühne geholt. Dann wiederholte er das Kunststück bei Servette Genf in der Schweiz - nur dass er dort eingriff, bevor der frühere Serienmeister überhaupt in die dritte Liga abstiegen konnte.
Und zuletzt hatte er den nahezu insolventen früheren niederländischen Meister Sparta Rotterdam nach dessen Erstligaabstieg 2046 erst in der zweiten Liga finanziell saniert und dann zurück ins Oberhaus geführt.


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Die allgegenwärtigen Experten waren sich sicher, dass Stoicans nächster Club ein Schwergewicht und/oder ein großer Name sein würde.
Und nunja, zumindest mit Letzterem haben sie (in einem gewissen Rahmen) ja recht behalten.
Der Verein, den Stoican nun also sportlich in die Zukunft führen soll, war zumindest in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mal das Mass aller Dinge in seinem Land. Mehrere Meisterschaften und Pokalsiege, rauschende Europapokalnächte, Nationalmannschaften, in denen gleich sieben Spieler des Vereins in der Startelf standen, ein (von Journalisten so gewählter) "bester Trainer der gesamten Erstligageschichte" an der Seitenlinie, ein WM-Torschützenkönig, der noch immer einen unerreichten Rekord hält, Frauenfussballpionier und und und .... doch doch, der Club kann schon definitiv mit einem großen, klangvollen Namen aufwarten, das kann man nicht bestreiten.


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Nur Erfolge gabs nach der Jahrtausendwende halt fast gar keine mehr - die größte Leistung (die allerdings auch wirklich groß ist, auch wenn die meisten Fans außerhalb des Landes sie wahrscheinlich gar nicht als epochal registriert haben) war es, sich nach der Insolvenz und dem Neustart in Liga 6 zurück in die zweite Liga gekämpft zu haben. Mit Mitteln, die im Vergleich zu früher nur "bescheiden" genannt werden können ...

... womit wir in der Gegenwart wären.
Denn das, was Borges mir - nachdem ich dann natürlich doch zugesagt habe, den Trainer zu mimen - an Informationen über den Club zukommen läßt, ist niederschmetternd.
Borges ist vor 4 Wochen gewählt worden und hat nicht nur einen sportlich am Abgrund stehenden Verein vorgefunden, sondern auch eine infrastrukturelle und finanzielle Malaise, die sich gewaschen hat, (leider nicht allzugründlich, deswegen siehts im Club aus wie Kraut und Rüben. Oder so.)

Konkret:
in der Zweiten Liga steht der Verein aktuell nur knapp über dem Strich, der die Abstiegsplätze anzeigt - was besonders desaströs ist, weil sich die vorherige sportliche Führung trotz klammer Finanzen einen Kader gönnte, der mindestens für einen sicheren Mittelfeldplatz (samt der zugehörigen Einnahmen) hätte reichen sollen.
Was er bisher nicht tut.


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Die Trainingsanlagen und das Nachwuchszentrum sind nur noch ein Schatten früherer Tage, als sie mal zur Creme de la Creme des Landes gezählt wurden und im Jahrestakt neue Nationalspieler hervorbrachten.


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Die Fans, die schon zu den Glanzzeiten des Vereins als "sehr anspruchsvoll" galten, haben nach dem Zwangsabstieg (aus Liga 3) zum Großteil das Weite gesucht und sind auch nach der Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse bisher nicht in Gänze wiedergekommen.
In der Presselandschaft gilt der Club als Paradebeispiel dafür, dass Investoren und Präsidenten-Sonnenkönige einen Fussballverein so schnell in den Ruin treiben können wie kaum etwas anderes - ein Verein, den man also in Artikeln zum Niedergang des Fussball stets als schlechtes und warnendes Beispiel nennen sollte.


Und heute haben sich die Aasge Sportjournalisten des Landes also in unserem Pressezentrum versammelt, um den drei selbsternannten Vereinsrettern mal auf den Zahn zu fühlen - und in meinem speziellen Fall natürlich auch, um mal vorsichtig anzufragen, ob ich eigentlich noch alle Nadeln auf der Tanne habe.


"Maelys Benezet, Foot Mercato. - Herr Lavayeux, vor zwei Wochen verkündeten Sie Ihren Rücktritt bei BK Frem Kopenhagen und erklärten diesen Schritt unter anderem damit, dass Sie sich kraftlos und leer fühlen und eine Pause benötigen.
Was hat Ihre Akkus so schnell wieder aufgeladen, dass Sie heute Ihre Antrittspressekonferenz bei Ihrem neuen Arbeitgeber halten können?"

Ich kenne die Rothaarige nicht, die mir diese höchst provokante Frage so lässig vor die Füße wirft, aber ich habe sie jetzt schon ins Herz geschlossen - was für ein freundliches Wesen!
"Nun, Frau Benezet, lassen Sie es mich ganz ehrlich sagen: vor zwei Wochen war ich fest davon überzeugt, dass ich auf keinen Fall vor dem Sommer wieder auf einer Trainerbank Platz nehme. Das Angebot, hier dabei zu helfen, einen 'gefallenen Riesen' dieser Fussballnation wieder aufzurichten, hat mich einfach gepackt, sozusagen."
"Ein 'gefallener Riese dieser Fussballnation'? Finden Sie das nicht ein bißchen dick aufgetragen?"
"Gegenfrage: wie würden Sie es denn nennen, wenn ein Club, der zwischenzeitlich mehr als die Hälfte der Spieler einer Nationalmannschafts-Startelf stellte, mehrere Meisterschaften und Pokalsiege in der Vitrine hat, 'in Erinnerung an vergangege Duelle' regelmäßig Freundschaftsspiele gegen Real Madrid spielt und aus dessen Reihen Nationaltrainer, Trainer des Jahrhunderts und WM-Rekordhalter hervorgegangen sind - wenn dieser Club also zwischenzeitlich sechte Liga spielte und auch heute noch nicht ansatzweise wieder den Rang und Status hat, der so selbstverständlich schien?"

Da isse erstmal ruhig, die Provokateurin.

Was mir die Gelegenheit gibt, mich völlig auf den nächsten Fragesteller zu konzentrieren - der mir irgendwie ein wenig bekannt vorkommt, wie mir auffällt.

"Tobias Bauck, Ruhrnachrichten", grinst er.
"Was verschlägt Sie denn hierher?!"
"Ich dachte, ich komm mal zum Antrittsbesuch vorbei - da Sie neuerdings wieder in der Nähe arbeiten, bot sich das ja an."
" 'In der Nähe'? Herr Bauck, Sie sind der geborene Optimist. War Kopenhagen da nicht näher, so luftlinientechnisch?"
"Oh oh", lacht der Ruhrpottler. "Sie sind ganz offensichtlich kein so guter Geograph wie Fussballlehler. Nach Kopenhagen ist es von Essen aus mehr als anderthalb mal so weit."
Dann wird er ernst.
"Meine Frage ist allerdings eher ernster Natur: Stimmen die Gerüchte, dass Fitsum Tamirat und Max Martinez vor dem Absprung stehen?"
Mein Nachbar Dan beugt sich zu seinem Mikro vor.
"Das möchte ich gern beantworten, wenn es recht ist. - Ob die beiden Spieler in der Rückrunde für unseren Verein auflaufen, ist aktuell noch nicht zu 100% mit 'Ja' oder 'Nein' zu beantworten. Korrekt ist allerdings, dass wir für beide sehr faire Angebote erhalten haben und mit den Spielern, ihrem Management sowie den interessierten Vereinen im Moment in engem Austausch stehen, um eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden."
"Eine Nachfrage dazu, bitte?" Dan nickt Bauck auffordernd zu. "Die sprichwörtlichen 'gut informierten Leute' im Vereinsumfeld wollen aktuell wissen, dass der Club dringend Einnahmen benötigt - wäre die Zahlungsfähigkeit auch ohne Verkäufe gesichert?Ä
Dan nickt. "Zu einhundert Prozent. Es ist richtig, dass wir finanziell alles andere als gut situiert sind, aber das bedeutet im Klartext nur, dass die Budgets ausgereizt sind und die sportliche Leitung - also Herr Lavayeux und ich - Stand jetzt am beliebten Spiel 'Kader auf links!' nicht teilnehmen können. Wir schreiben keine Verluste, wir können alle Rechnungen pünktlich bezahlen und wir haben auch noch eine kleine Notfallreserve, die jedoch weder für Gehälter noch für Ablösesummen angetastet werden soll."


Was Dan hier so nonchalant behauptet, ist leider nicht die ganze Wahrheit.
Es stimmt zwar, dass wir nicht auf die Zahlungsunfähigkeit zutaumeln - aber die Notfallreserve hat ein dickes Minus vor der Zahl und ist daher als nicht existent zu betrachten.
Wenn wir das den Journalisten auf die Nase binden, ist morgen im Blätterwald die Hölle los - also lassen wir das lieber.
Die beiden Abgangskandidaten Tamirat und Martinez sind sowieso in sehr erfolgversprechenden Verhandlungen für einen Winterwechsel und wenn wir die Ablösesummen für die beiden wirklich bekommen, sind wir auf einen Schlag die meisten Finanzsorgen los, zumindest kurz- bis mittelfristig ist dann alles erstmal wieder sehr stabil.

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Die Pressekonferenz eiert dann eher ins Belanglose, streift nochmal kurz den aktuellen Kader ("ja, die können das besser ... nein, wir wissen aktuell noch nicht, ob außer Tamirat und Martinez noch andere Spieler Angebote erhalten werden") und krümelt dann ganz unspektakulär aus.

Ab morgen ist volle Konzentration angesagt, denn unser Quasi-Auftaktprogramm hat es in sich.


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Glücklicher- (oder unglücklicher?)weise ist das Transferfenster seit 4 Tagen offen - das heißt, dass wir (sofern es erstmal ein paar Einnahmen gibt) durchaus die Chance haben, aus dem verbesserungswürdigen Kader einen verbesserten Kader zu machen.
Is it time for some Danny magic?

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« Letzte Änderung: Gestern um 20:38:51 von Noergelgnom »
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Ex-Achtelprofi


“Goodness is about what you do.
 Not who you pray to.” (Terry Pratchett)

Sonzee87

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Ui Spannend, da darf man ein bisschen recherchieren um heraus zu finden welcher Verein es denn ist. Jetzt geht es also nach Frankreich, sehr spannend.
Die Vereine bei denen du dich beworben hast, waren ja alle drei echt spannend. Bordeaux, Genua, Sheffield, ganz klangvolle Namen.

Ich setze meinen Tipp mal in Spoiler, welcher Verein es geworden ist :
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Olé, olé, Olé, ola, der FCK ist wieder da,

Olé, olé, Olé, ola, die roten Teufel sind ganz wunderbar