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Autor Thema: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt  (Gelesen 1993 mal)

Ludwig.FCU

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Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« am: 25.März 2023, 13:23:41 »

Der Beginn

Sommer 2019

Nach unserem Schulabschluss richtig die Sau rauslassen und Urlaub machen. Das war unser Plan. An der Küste des Ärmelkanals, 350km westlich von Paris. Sommer, Sonne, Saufen ...
"Ich bin Kalle und das ist Maximilian", sagte ich zu einer Reisegruppe, die ebenfalls aus Deutschland war und in der Normandie ihr Leben genießen wollte. Natürlich ruft der Arbeitsalltag, wir sollten uns eine Uni oder einen Ausbildungsplatz suchen, um endlich auf eigenen Beinen stehen zu können. Doch uns war nicht danach, wir wollten was erleben und frei von Verpflichtungen die Welt sehen.
Max und ich kennen uns seit der 6. Klasse und haben seit dem schon so viel miteinander erlebt. In der Oberstufe haben wir eine eigene Klamottenmarke gegründet, die uns geholfen hat den Urlaub zu finanzieren. Davon leben kann man leider nicht, aber sie wirft genug ab um einen Monat in Frankreich zu verbringen.
So vergingen also die Wochen in Frankreich und dieses entspannte Leben machte Lust auf mehr. Land, Leute und Kultur gefielen uns auch. Daher kam mir auch die Idee einfach hier zu bleiben und zu meiner Überraschung hatte Max ähnliche Ideen. Die Sprachbarriere ist mittlerweile auch kein so großes Problem mehr, dabei hilft uns das Schulfranzösisch mehr als gedacht.
Wir saßen also wie fast jeden Tag am Strand in unserer Festung aus Sand erbaut, in der 2 Liegestühle und eine Kühlbox gefüllt mit Bier stehen. Wir überlegten was wir hier beruflich machen wollten, dabei kamen auf die verschiedensten Ideen. Von einem eigenen Restaurant mit deutscher Hausmannskost, über ein Sägewerk und bis hin zu Zeitung austragen war alles dabei. Nebenbei haben wir auch noch im Inernet geschaut was es bei uns in der Nähe für Jobangebote gab. Eine einfache Ausbildung wäre hier auch möglich gewesen, aber wir stießen auf etwas ganz anderes Interessantes:

(click to show/hide)

Wir sind Fußballverückt seit unserer Kindheit und haben zusammen die Bambinis in unserem Dorf immer nach der Schule trainiert. Das wird als Referenz schon reichen. Ein größeres Problem sind eher die unverschämt hohen Schulgebühren für diese Trainerschule. Für Max kein Problem, der bekommt finanzielle Unterstützung von seinen Eltern. Bei mir sieht das schon schwieriger aus, meine Eltern werden auch was dazugeben, sehen allerdings noch nicht so den Sinn dahinter, ich werd dann wohl nebenbei die ein oder andere Zeitung austragen müssen und bis es losgeht kann ich hier in der Straße von unserer Ferienwohnung in einem Cafe aushelfen. Finanzielles Problem also erstmal gelöst, wir müssen aber auch erstmal angenommen werden. 3 Plätze noch verfügbar und heute ist der 29.Juli, also sprangen wir von unseren entspannten Strandliegen auf und rannten wie die verrückten zu unserer Wohnung, um eine Berwerbung zu schreiben.


01.09.2019

Da sind wir also. Wir haben es beide geschafft einen Platz auf der Schule zu ergattern. Der Klassenraum sieht nicht unbedingt anders aus als auf einer normalen Schule. Wir wurden aber auch schon auf den Trainnigsplatz geführt und haben die Mannschaft kennengelernt, mit der wir hier arbeiten dürfen. Die Liga in der diese spielt ist aus meiner Betrachtung auch nicht besser als die Oberliga, aber das ist ja hier nicht unsere Hauptaufgabe. Wir werden verschiedene Trainer anschauen, wie sie in verschiedenen Wettberwerben ihre Teams aufstellen und am meisten freue ich mich da auf PSG. Außerdem wird hier viel Theorie durchgekaut und Sport gemacht. Das ganze soll anderthalb Jahre dauern und danach haben wohl einige Absolventen dieser Schule einen Job im Profibereich ergattern können, dies sei aber relativ selten. Ich bin aber genau darauf aus und werde mein bestes geben das auch zu erreichen, nicht nur um es meinen Eltern zu beweisen.
« Letzte Änderung: 30.März 2023, 21:26:46 von Ludwig.FCU »
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Bayernfahne

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Re: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« Antwort #1 am: 27.März 2023, 20:38:58 »

Also den Einstieg finde ich ja schonmal interessant, auf jeden Fall was anderes.  :) Eineinhalb Jahre Ausbildung, dann spuckt dich die Schule wohl im März 2021 wieder aus - spielst du dann mit dem FM22 und hast die Geschichte extra früher beginnen lassen oder sind wir zur Schulzeit bereits "InGame" ? Du musst darauf auch nicht antworten, ich lasse mich gerne überraschen.
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Muffi

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Re: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« Antwort #2 am: 29.März 2023, 06:09:42 »

Klingt auch für mich gut, ich bin gespannt in welche Richtung es geht.  :)
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Ludwig.FCU

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Re: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« Antwort #3 am: 30.März 2023, 21:26:21 »

(click to show/hide)

08.09.2019 (eine Woche nach Schulbeginn)

Diese Schule ist unglaublich und bisher auch wirklich jeden Cent wert. Die erste Woche verging für Max und mich wie im Flug, wir leben zusammen in einer WG, ein wenig außerhalb von Paris. Die Stadt ist wunderschön und genau aus diesem Grund sind wir fast jeden Tag nach der Schule dort noch unterwegs. Wir haben uns auch schon mit einigen Mitschülern angefreundet. Es könnte einfach nicht besser sein, genau so hab ich mir mein Leben vorgstellt. Allerdings liegt das schwierigste noch vor, uns wurde in der ersten Woche schon mitgeteilt, was uns alles während unser schulischen Ausbildung erwartet. Es gab zwar auch erfreuliche Ankündigungen, z.B. der Besuch eines Ligaspiels von Paris SG unter Thomas Tuchel, der genau wie Max und ich aus Deutschland kommt und den wir auch schon aus Mainzer Zeiten kennen. Bereits am 25.09 werden wir ein Spiel besuchen. Ligue 1, Flutlicht, Parc de Princes, PSG gegen Reims und eine Serie von 31 Spielen ohne Niederlage die PSG mit sich trägt. Außerdem sollen Trainerlegenden, wie beispielsweise Raul uns einen Tag begleiten und Tipps geben, Fragen beantworten und zeigen was der Sport ausmacht. Die nicht erfreulichen Ankündigen waren enorm umfangreiche Klausuren und nach einem halben Jahr werden die 5 Schüler mit dem schlechtesten Durchschnitt von der Schule verwiesen, damit nicht die Breite Masse mitgezogen werden muss und die wirklich talentierten Trainer dadurch die Chance haben noch mehr zu lernen. Auf dem Stundenplan steht eine Menge Sport, aber auch immer wieder Taktikbesprechungen und Erklärungen, sowie Analysen von berühmten Trainern, an denen wir uns gerne orientieren. Außerdem ist jede Woche jemand dran, der den Trainingalltag unseres Schulteams leitet und am Ende auch das Ligaspiel in dieser Woche. Wie ich am Anfang schon ahnte ist es keine besonders hohe Spielklasse und der Fußball ist qualitativ auch keine Wucht, aber Grundlagen kann man hier erlernen und anwenden. Nachdem man einmal dran war muss über diese Trainingswoche und über das Spiel ein Vortrag erarbeitet werden. Ich bin engagiert und hoffe dem Leistungsdruck gerecht werden zu können.



25.09.2019

Der Tag ist also gekommen wir werden Paris vor heimischer Kulisse spielen sehen und können Tuchel beim Coachen auf die Finger schauen, was er mit Mbappe, Neymar und Co anstellen wird.
Als wir vor dem Spiel schon gesehen haben, dass wir Mbappe nicht im Kader ist war die Enttäuschung schonmal groß. Sie sollte allerdings noch größer werden mit dem Abpfiff. Eine 0:2 Niederlage zuhause gegen Reims und das Ende der 31 ungeschlagenen Spielen. Spielerisch waren die Hausherren dominant, hatten mehr vom Ball und konnten sich damit auch des öfteren mal nach vorn kombinieren, allerdings ist es am Ende offensiv sowie defensiv zu wenig.
Die Erfahrung war trotzdem sehr geil und wir wollten noch viel mehr sehen.


01.03.2020

Wir sind mittlerweile seit fast einem dreiviertel Jahr hier in Frankreich und bereuen keine Sekunde davon. Auch die Schule wirkt bisher wie die richtige Entscheidung, es wurde auch anstrengender als Anfangs gedacht, wir fühlen uns trotzdem privilegiert hier lernen zu dürfen und hängen uns voll rein. Deswegen konnten wir heute auch sehr entspannt zur Schule gehen. Heute war der Tag an dem uns 5 Mitschüler verlassen mussten, die Notenmäßig einfach nicht gut genug waren. Wie wir schon erahnt haben sind wir beide nicht unter den schlechtesten 5 und konnten wieder entspannt auch unser nächstes Jahr an der Schule verbringen.


ein Jahr später...

"Hast du deine Sachen aus dem Klassenraum alle schon geholt?", fragte ich Max ganz aufgeregt. "Nein noch nicht, ich dachte wir gehen zusammen noch ein letztes mal in den Klassenraum. Ich kann noch immer nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben und ich sogar Jahrgangsbester geworden bin. Das fühlt sich alles surreal an, aber ich sag dir ab jetzt geht es nur noch Bergauf" . Max war besser als ich und darüber konnte ich mich für ihn freuen, aber neidisch war ich natürlich auch. Klar wir sind Freunde und ich würde wegen sowas niemals Stress anfangen, aber schon seit wir uns kennen wollte ich immer besser sein als er. Das hat bei vielen Dingen immer gut geklappt, in der Schule damals hatte ich das bessere Abitur, er hatte das dickere Auto ...  ich hatte die hübschere Freundin und er hatte die cooleren Hobbys. Jetzt hat er den besten Abschluss und ich stehe mit leeren Händen da. Vielleicht finde ich bald die hübschere Freundin oder werde die dickere Karre fahren. Eigentlich ist dieser ganze Wettbewerb auch egal, ich hab die besten Vorraussetzungen Profi-Trainer zu werden, naja Max hat vielleicht noch bessere als ich, aber trotzdem könnte mich vielleicht der ein oder andere Verein an der Seitenlinie gebrauchen.
Das dachte ich zumindest ...
Es verging Woche für Woche und nach unserem Abschluss auf der Trainerschule sind wir auch erstmal wieder raus aus Paris und in Richtung Küste gezogen. Sowohl für Max als auch für mich läuft es bisher nicht so wie erwartet. Es ist bereits Sommeranfang und wir sind noch immer die armen Schlucker aus Deutschland, die auf ihrer klapprigen Strandliege in der Sonne liegen und billiges Dosenbier schon am frühen morgen konsumieren. Ich helfe in einem Souvenirshop aus und Max versucht sich weiterhin ein Onlinebusiness aufzubauen. In unserer neuen Wohnung haben wir außerdem auch einen neuen Mitbewohner. Er war in unserer Klasse an der Trainerschule und hat mit uns den Abschluss geschafft, auch er hofft noch auf einen Trainerjob. Mittlerweile hat Alex allerdings eine Ausbildung zum Bankkaufmann angenommen, weil er endlich anfangen will sein Leben auf die Reihe zu kriegen und nicht mehr so richtig dran glaubt, dass wirklich noch ein Verein anrufen wird.
Für Max kam dann Anfang Juli wirklich ein Anruf rein und damit nicht genug, es gab auch direkt die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Ich saß grad am Strand als es passierte und konnte den Freudenschrei, der aus unserer Wohnung kam, bis runter zum Strand hören. Gleichtzeitig kam eine Nachricht von ihm auf mein Handy: "ES RIECHT NACH PROFITRAINER, komm hoch Bier geht auf mich" , ich bin natürlich direkt zu ihm, auf meinem Weg zur Butze klingelte es auch bei mir. Ich hatte ein extrem komisches Gefühl, die Nummer war unbekannt. Wenn das jetzt auch ein Jobangebot für eine Trainerstelle sein sollte, dann kann es doch kein Zufall sein, dass es so unmittelbar nacheinander den Anruf gibt.
Haben Max und ich also einen Anruf vom gleichen Verein erhalten oder ist das nur ein blöder Zufall? Vielleicht ist das mein Chance besser als Max zu sein, falls wir wirklich für den gleichen Job ins Auge gefasst werden. Ich würde über Leichen gehen um den Job zu kriegen, mal schauen ob Max bereit ist das gleiche zu tun. Mir wäre es aber lieber, wenn das garnicht nötig wäre, aber am Ende ist mir die Karriere vielleicht doch ein wenig wichtiger.
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Bayernfahne

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Re: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« Antwort #4 am: 01.April 2023, 00:01:26 »

Ui, da braut sich was zusammen zwischen Jerome und Kevin-Prince...  ;)
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Ludwig.FCU

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Re: Zwei Freunde auf dem Weg in die große weite Welt
« Antwort #5 am: 03.Mai 2023, 19:55:39 »

05.07.2021

Meine erste Station als Profitrainer führt mich also zu Stade Malherbe Caen. Der französische Zweitligist wollte mit einem neuen Impuls in die Saison gehen und dachte dabei an einen jungen und engagierten Trainer. Es blieb mir nicht verborgen, dass ich nur zweite Wahl war. Der Anruf erreichte Max ebenso wie mich, er hat allerdings bevor er sich für den Posten entscheiden wollte noch ein weiteres Angebot erhalten. Dieses Angebot kam ebenfalls aus der Ligue 2 undzwar von En Avant Guingamp. Seine Entscheidung fiel also auf Guingamp und der Vorstand von Caen, der einen kleinen Wettstreit zwischen mir und Max starten wollte hatte nur noch mich in diesem Wettstrit übrig und schließlich erhielt ich kampflos den Vertrag.
Max und ich pflegten trotz der nun beginnenden Rivalität im Ligaalltag noch eine gute Freundschaft. Unsere gemeinsame Wohnung haben wir aufgegeben und uns jeweils eine neue bleibe bei unserem Verein gesucht, der Kontakt wurde erstmal drastisch gedrosselt. Das hatte aber auch den Grund, das wir beide enorm zu tun hatten beim neuen Arbeitgeber.
Mein Vorstand entschied sich gegen ein Interview mit Trainervorstellung, wie sonst üblich bei einer Verpflichtung eines neuen Trainers, ich sollte noch am selben Tag auf Fans und Spieler treffen und nicht von den Medien zerfetzt werden sagte mir mein Co. Am selben Abend meines ersten Arbeitstages wurde also im Stade Michel D´Ornano in Caen ein Testspiel unserer A-Mannschaft gegen die U19 durchgeführt. An diesem angenehmen Sommerabend führte es rund 15.000 interessierte Fans ins Stadion, die gespannt auf den neuen Trainer waren und natürlich erfreut davon waren kostenlos ins Stadion zu dürfen. Ich konnte mir an diesem Tag schon ein erstes kleines Bild vom Kader machen, war aber auf der anderen Seite überwältigt von so vielen Menschen, die hier um uns herum waren. Das ist ein unglaubliches Gefühl und spornte mich für meine bevorstehenden Aufgaben nochmal mehr an.


Knapp 3 Jahre später


Nach nun fast drei Jahren als Trainer war ich mehr oder weniger ausgebrannt. Ich erinnere mich noch gut zurück an die erste Saison bei Caen, an mein erstes Derby de Normand gegen die Juewelenschmiede Le Havre , die eigentlich jeder in der gesamten Fußballwelt kennt. Ein Unentschieden in Unterzahl, die Fans waren zufrieden mit dem Fight, den wir geliefert haben und ich war noch voller Euphorie. Ich erinnere mich auch noch gut an mein erstes Duell gegen Max. Vor Heimischer Kulisse und mit einem guten Lauf in den letzten Spielen konnten wir befreit aufspielen und am Ende sogar mit 1:0 gewinnen. Das war eine Genugtuung vom allerfeinsten für mich. Ich spielte mit Caen in dieser Saison um den Aufstieg und konnte sogar das Rückspiel gegen den Rivalen Havre in deren Stadion gewinnen. Fans und Vorstand waren begeistert, Max hing knapp hinter den Aufstiegsplätzen und den Erwartungen, es ging ans Rückspiel von Guingamp und Caen. Diesmal schickte Max mich und mein Team mit einer 2:0 Niederlage wieder nach Hause und bremste uns im Aufstiegskampf. Wir konnten uns allerdings wieder fangen und standen 3 Spiele vor Ende der Saison an der Tabellenspitze. Es kommt aber wie es kommen musste, es hagelte 3 Niederlagen in den letzten drei Spielen und schon war mir mein erster Triumpf aus den Händen gerissen worden, es blieb noch die Chance auf den Aufstieg über die Playoffs, wir mussten zwei Runden spielen, um den Aufstieg klar zu machen. Die erste konnten wir gewinnen und die zweite natürlich nicht. Max hatte es garnicht mehr in die Playoff Plätze geschafft, also ging es genau wie im Vorjahr weiter. Wir beide in Liga 2.

Die folge Saison sollte wieder einmal mein Durchhaltevermögen auf die Probe stellen. Wie im Vorjahr sprang für uns nur ein dritter Platz in der Liga in der Liga raus, verlorenes Playoff-Finale und zwei mal das direkte Duell gegen Max mit 2:1 verloren. Zu allem Überfluss war es eine überragene Saison von Max und er machte den Aufstieg als Meister klar. Die Sommerpause nach dieser Saison verbrachte ich in Kneipen und allein, eingeschlossen in meiner Wohnung mit jeder Menge Alkohol.

Neue Saison, neues Glück? Nein dieses mal nicht dritter sondern vierter und nur ein Punkt auf den zweiten. Für den neutralen Zuschauer ein wahrliches Spektakel im Aufstiegskamp. Für den Caen Fan oder auch Trainer war es ein Trauerspiel. Wieder eine Niederlage im Finale der Playoffs. Dieses Jahr gab es immerhin keine direkten Duelle gegen max zu verlieren, der mit seinem Team direkt wieder runter musste und nach einem Jahr Ligue 1 wieder mit mir in Ligue 2 war. Ich hielt allerdings keine weitere Saison bei Caen aus und trat meinen Rücktritt an. Was nun? Ist der Trainerjob nichts für mich oder hatte ich einfach nur Pech? Ich hatte nicht lange Zeit diese Frage zu beantworten.



24.06.2024

Mich erreichte ein Anruf aus Norwegen, ich wusste nicht dass man dort mitten in der Saison ist und warf einen Blick auf die Tabelle. Meine erste Frage war natürlich wer ist am anderen Ende. Es war der Vorstand von Brann Bergen und bei meinem Blick auf die Tabelle blieb mir kurz die Luft weg ... Die sind erster ... Was soll das ? Ist das ein Witz ? Nein es war kein Witz, der aktuelle Bergen Trainer muss aus persöhnlichen Gründen sein Amt niederlegen wurde mir gesagt und es wird dringend ein Nachfolger gesucht. Aus dem nichts ergriff es mich. Ein Kick. Ich war wieder voller Euphorie, voller Mut, voller Selbstvertrauen und endlich wieder voller Lust auf Fußball. So eine Chance bekommt man nur einmal also hatte ich kaum eine andere Wahl und war noch am selben Tag auf dem Weg nach Norwegen.
Viel Vorbereitungszeit aufs nächste Spiel blieb nicht und bei Anblick der Berge und angenehmen Temperaturen konnte ich am Folgetag direkt loslegen. Die Mannschaft sah vielversprechend aus. Es waren zum größten Teil Norweger und die Jungs wirkten sowohl reifer als auch bodenständiger, als mein Team bei Caen. Ich fühlte mich mitlerweile auch mehr ernst genommen, als noch vor drei Jahren. Mein Auftreten war warscheinlich auch souveräner und selbstbewusster. Voller Fokus nutzten wir also die 6 Tage.


30.06.2024 SK Lillestrøm gegen SK Brann Bergen

Uns begleiteten 1300 Fans ins ÅRÅSEN-Stadion zum Spiel gegen den Rivalen. Auf dem Weg zu unserer Bank sah ich Max auf dem Spielfeld in der Nähe der gegnerischen Bank, wir hatten uns seit seinem Aufstieg nicht mehr gesehen und auch sonst keinen Kontakt gehabt. Ich war froh ihn wieder zu sehen und er war extra zu meinem Debut bei Brann Bergen hergekommen. Als ich auf ihn zu ging fiel mir sein Trainingsanzug mit Lillestrøm Logo auf. Das kann doch nicht wahr sein. Er ist auch Trainer in Norwegen. Er ist schon ein paar Wochen hier und ich wusste nichts davon. Es ist an der Zeit Rache zu nehmen für die Niederlagen und Rückschläge aus unserer Zeit in Frankreich und mit dieser Truppe wird das klappen.
Die Anfangsphase gehörte nur uns, völlige Dominanz und der ein oder andere Sehenswerte Spielzug. Genau wie ich es sehen wollte. Nach 11min traf unser Stürmer Chehaibi zum 1:0. Bis zur Halbzeit kaum eine Aktion von den Gastgebern bis zur 45min, in der unser Abwehrspieler Tage Ribe ungestühm in einen Zweikampf geht. Der Schiedsrichter gibt Elfmeter und Lenny Nangis verwandelt zum Ausgleich für Lillestrøm. Nach der Pause haben beide Mannschaften Probleme wieder ins Spiel zu finden. In der 74min kommt eine Flanke aus dem Halbfeld perfekt auf Lenny Nangis der seinen Doppelpack schnürt und das Spiel dreht. Meine Jungs sollten sich damit aber nicht zufrieden geben und in der 83min folgt durch Ion Gheorghe der mehr als verdiente Ausgleich. Die ein oder andere Großchance danach kann auf beiden Seiten nicht genutzt werden, also geht das Spiel mit 2:2 zuende.
Damit war ich natürlich nicht zufrieden. Ich klatschte mit Max ab, der auch nicht so glücklich ausschaute. Meine Mannschaft und ich machten uns anschließend wieder auf den Heimweg, um den Titel in der Eliteserien zu gewinnen fehlt dann doch noch einiges.
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