Tatsächlich ist es ein sehr üblicher Vorwurf, den sich Apotheken gefallen lassen müssen. Hier hatte ich das aber auch nicht herausgelesen. Das war eher "proaktiv"

Zur Reform-Frage:
Apotheken leisten seit Jahrzehnten bereits eine Zwangsabgabe an die GKV iHv 1,77-2,00 Euro pro verschreibungspflichtigem Arzneimittel, dessen Honorar in Summe 8,35 beträgt, also über 20%. Das Honorar selbst ist faktisch seit 2004 das Gleiche, es gab 2013 eine marginale Anpassung von 25 Cent. Da Apotheken sich zu > 80 % über dieses Honorar finanzieren und die Kosten alleine für die Tariflöhne seither um 60% gestiegen sind (Miete, Energie, Gebühren etc. sowieso), ist es nicht weiter verwunderlich, dass 1/3 aller deutschen Apotheken inzwischen negative Betriebsergebnisse fahren und ein weiteres Drittel bei unter 75.000 Euro p.a. liegen. Kurz erläutert: das Betriebsergebnis ist der "Bruttolohn", allerdings trägt die/der InhaberIn außerdem die gesamte Kranken- und Altersvorsorge mit. Real bleiben netto etwa 45% übrig, die dann natürlich auch betriebliche Investitionen decken müssen. Reich wird man mit Apotheken daher, entgegen des immer noch gültigen gesellschaftlichen Bildes, nicht mehr und das Apothekensterben ist ein beredtes Beispiel dafür.
Aus diesem Grund haben die Interessensverbände heftig dafür gekämpft, das Honorar anzupassen. Gemessen am Grundlohn müsste es bei 12,00 Euro pro verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung liegen. Die Regierung hat sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, 9,50 Euro einzupreisen. Immerhin.
Als Frau Warken dann mit ihrer Arbeit begann, war davon plötzlich nichts mehr zu hören. Inzwischen steht die Reform auf der Zielgeraden und das Honorar hat es doch wieder hineingeschafft. Gleichzeitig wurde aber auch gesagt, dass vorher (!) der Zwangsrabatt erhöht wird. Ein Etikettenschwindel also, denn von dieser Erhöhung des Rabattes war zuvor niemals die Rede und auch die Kommission ist bei ihren 66 Punkten darauf mit keinem Wort eingegangen (anders als auf das Honorar, was dort durchaus eingepreist worden ist, wenn auch über Jahre gestreckt).
Also, kurzum: nein, wir werden ebenfalls nicht verschont, sondern bluten auch. Dabei ist es aber so, dass wir eben schon seit 2004 bluten. Am Tag, als Frau Warken die Honorarerhöhung wegen schlechter GKV-Finanzen abgesagt hat, haben die Ärzte übrigens 2,5% Plus erhalten.