Da ich ja inzwischen für die andere Seite tätig bin, habe ich beide Perspektiven zur Hand. Schüler haben es trotz Arbeitsbelastung in der Schule in der Regel sehr gut. Ich war sehr gerne Schüler und bin heute sehr gerne Lehrer und werde es hoffentlich auch lange bleiben. Die Schule kann sehr dröge sein und es hilft wirklich weiter, wenn man sich selbst gut intrinsisch motivieren kann, aber es ist eine Zeit, die man definitiv nicht mehr vergisst und an die sich etwa 85% der Schüler gern zurückerinnern. Wer da genaue Zahlen hat, bitte korrigieren. Ich erkenne inzwischen auch das grundsätzliche Problem, da nicht alle Schüler solche Musterknaben wie ich sind. Als Student oder Auszubildender blickt man meist sehnsüchtig auf die geregelten Tagesabläufe zurück und denkt an Lehrer oder Mitschüler und welche denkwürdigen Aktionen man mit diesen gemacht hat. Auf Lehrerseite muss man damit leben, dass dieses verspätete Lob oft ungehört bleibt oder erst im Nachhinein kommt.
Ich bin wohl eine Ausnahme, da ich zu jeder Zeit sehr gern zur Schule ging, nie schlechte Noten hatte. So hatte ich mir immer zum Ziel gesetzt, in den nicht-praktischen Fächern besser als 3 abzuschließen, Kunst, Musik und Sport waren mir damals vollkommen egal, da ging es lediglich um Mitmachen. Inzwischen sehe ich ein, dass diese Fächer natürlich auch ihre Berechtigung haben. Man kann es als Schüler leicht haben und das sagte ich damals als Schüler (ein Blick in die Abizeitung bestätigt mir das) und sage es heute als Lehrer: Mündliche Mitarbeit ist die halbe Miete. Wer da mitdenkt, kommt locker durch die Schule und meines Erachtens nach auch problemlos bis zum Abitur. Ich gehöre wie gesagt zu den Ausnahmen, weil ich auch zu Hause nicht einsah, warum ich einen Konflikt mit meinen Eltern suchen sollte, wie das mein Bruder zuweilen tat (und aus dem ist dennoch ein prima Mensch geworden).
Was mir allerdings aus heutiger Perspektive auffällt. Das Internet und Smartphones bieten sicherlich enorme Chancen, die Risiken der sozialen Verwahrlosung sind aber extrem hoch und müssen auch von uns jungen Lehrkräften wesentlich stärker in den Blick genommen werden. Auch Selbstkritik ist da angebracht. Aber ich schweife vom Thema ab.