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Zwei Fäuste gegen Remscheid
Henningway:
Das nächste Spiel ist das Aufeinandertreffen mit dem KSC. Ich bereite eine flammende Kabinenrede vor und befinde mich auf dem Weg zum Team, als plötzlich ein rotgelber Ford Transit, Baujahr 1979, neben mir rutschend zum stehen kommt. Schiebetür und Beifahrertür fliegen auf und drei Herren in Trainingsanzügen springen auf mich zu. Alle drei haben dicke Schnauzer, schauen aber sehr freundlich.
Ich bin viel zu perplex, als dass ich ihre Umarmungen und Wangenküssse unterbinden könnte. Mir rauschen die Ohren vor Durcheinandergeschwafel. Bevor mich der dritte Mann herumreisst, um mich zu herzen, erkenne ich das Wappen von Galatasaray Istanbul auf dem Fahrzeug.
„Eh, Way, Way, Henning Way. Ah!!“
“Was…?” Ich befreie mich aus der Umarmung, werde aber nachwievor von den anderen beiden getäschelt und gekniffen. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinsehen soll.
„Wer sind…“
„Way, Way… guter Way!“
„Guter Mann, guter Mann.“
„Merhaba efendi.“
„Wie… was…?“ Jetzt reicht es mir. Ich schüttele alle Hände und Lippen von mir ab und mache zwei Schritte zurück.
„WAS WOLLEN SIE? WER SIND SIE?“
Die drei stehen jetzt vor mir und freuen sich noch immer. Der mittlere hebt beide Hände in einer, wie mir scheint, anerkennenden Geste voller Freundlichkeit.
„Herr Way, Sie grosser Mann, guter Mann. Guterguter Mann!!“ Die anderen beiden stimmend murmelnd ein und nicken.
„So?!“, frage ich. „Warum?“
„Du großer Mann von futbol. Guter Mann. Remscheid muss stolz auf Du!!“ Wieder nicken die anderen beiden heftig und grinsen.
„Ja. Vielleicht. Na und?“ Mir kommt das irgendwie eigenartig vor.
„In Türkiye Du gut in televizyon. Remscheid viel gut. Viel türkisch Mensch hier!“
„Kommen Sie vom Fernsehen?“
„Hahaha, Way, guter Mann, großer Mann… nein, wir nicht Fernsehen. Wir Galatasaray!“
Die anderen beide recken gleichzeitig die Fäuste in die Luft und rufen „Gala!“.
Aus dem Hintergrund höre ich ein vielstimmiges Echo. Viele Stimmen, die laut „Gala!“ rufen. Ich drehe mich um, aber es ist nur die Balkonfront des dortigen Mehrfamilienhauses, das offenbar ausschließlich von Galatasaray-Fans bewohnt wird. Und die stehen jubelnd auf dem Balkon.
Ich komme mir vor wie bei Alice im Wunderland.
„Was wollen Sie?“, versuche ich, der Situation wieder etwas nüchternen Realismus zu verleihen.
„Wir wollen Geschenk machen!“, sagt der Sprecher der Gruppe. Er dreht sich um und gibt einem der anderen beiden ein Zeichen. Der macht daraufhin drei eilige Schritte auf den Ford Transit zu und öffnet die Heckklappe. Er greift in das Wageninnere, vor mir verborgen, und zieht etwas gelbrotes heraus. Ich erkenne erst nach einigen Sekunden, dass es sich um einen Menschen handelt, um einen Menschen im Clubdress von Galatasaray Istanbul. Der stolpert, am Ohr gezogen, hinter dem Mann her und steht bald hinter dem Gruppensprecher.
„Das“, der Mann dreht sich um und zeigt mit beiden Händen auf den zerknittert wirkenden Spieler, „Endogan Adili. Du wolle?“
Ich versuche, die bizarre Situation zu begreifen. Wird mir da gerade ein Spieler angeboten? Ein Spieler, den die Delegation im Kofferraum mitgebracht hat? Ich krame im Gedächtnis. Endogan… ja, der sagt mir was. Den habe ich scouten lassen.
Ich komme zu dem Schluß, dass es sich um eine Spielerverhandlung handeln muss. Die Herren haben sich zwar nie ausgewiesen (also kann ich nicht sicher ausschließen, dass sie den Spieler einfach entführt haben), aber ich muss ja noch nichts unterschreiben. Ich nicke kurz und sage: „Wie viel?“
Der Mann lacht und klatscht.
„Guter Mann Way, guter Mann. Wolle Geschenk habe? Wir wolle auch kleine Geschenk. Ein Million und neunhunderttausend. Wenig, wenig!!“
Ich setze einen skeptischen Gesichtsausdruck auf und betrachte mir Endogan genau. Mit den Fingern der rechten Hand reibe ich mir das Kinn.
„Hmmm… neee…“, murmele ich. „Was halten Sie von fünfhundert Tausend und eine Million in Raten für drei Jahre?“
Der Mann stutzt. Dann dreht er sich um und steckt mit seinen Begleitern die Köpfe zusammen. Die reden auf Türkisch. Laut. Endogan sieht sich derweil um und wirkt sehr verloren.
Der Anführer kommt zurück.
„Geschenk nicht wolle? Nicht großer Mann Way?“
„Ich will das Geschenk, aber Sie wollen meins nicht, wie mir scheint.“
Das macht den Mann nachdenklich. Er blickt sich grübelnd um. Dann erhellt sich plötzlich seine Miene und er zeigt forsch Richtung Trainingsplatz. Ich folge seinem Blick und sehe meine U19. Sezer Üstel versenkt gerade einen 30-Meter-Freistoß.
„Üstel, Üstel. Du gebe und bekomme Endogan!!“
Die anderen beiden klatschen Beifall.
Ich überlege wieder.
„Also Endogan gegen Üstel. Hm…“
„Einsneunmillionen auch, großer Mann Way.“, sagt der Mann nebenbei, blickt aber weiter auf Sezer Üstel. Die Worte dringen erst nach und nach in mein Gedächtnis.
„Äh… was?“, frage ich.
„Üstel viel gut. Wolle. Und wolle Geld. Endogan auch viel gut, macht gute futbol. Und hat viele Schwester sind hübsch.“ Die anderen beiden schauen sich an und nicken zustimmend.
„Also verstehe ich richtig“, frage ich. „Ich biete 1,5 Millionen anstatt 1,9, wie Sie wollten. Daraufhin wollen Sie 1,9 Millionen und einen unserer besten Jugendspieler??“
„Nur Geschenk, efendi!“
„Seien Sie so gut und verschwinden Sie.“
Ohne weiteres Wort drehe ich mich um und gehe. Kurz danach bricht hinter mir ein Tumult aus. Die Männer toben und schreien, aber ich verstehe das nicht. Leider schreien plötzlich auch die Anwohner des Mietshauses, die das scheinbar sehr gut verstehen. Kurz bevor ich meine Geschäftsstelle betrete, wo Juri schon angelaufen kommt, trifft ein Schuh die Hauswand neben mir.
Vermutlich sind die Türken sauer.
Ich gehe ins Büro und bestelle mir einen Döner.
Dieser Endogan lässt mich nicht mehr los. Schlecht ist er ja nicht:
Ich schicke Galatasaray ein Fax, indem ich mein Angebot vom Parkplatz wiederhole und zudem die Klausel „nicht verhandelbar“ dazusetze. Tatsächlich stimmen sie zu und ich biete Endogan einen Rotationsspielervertrag an. Swansea City ist mein einziger Konkurrent. Den ich aussteche. Zwei Tage später klingelt es an der Tür der Geschäftsstelle. Man macht auf und was man sieht, ist ein Spieler in Fußballkleidung, in der Hand einen Koffer und um den Hals das Schild mit der Aufschrift "Endogan, Adili. Viel Spaß.". Im Hintergrund hört man noch wie der Motor eines 1978er Ford Transit aufheult (und dabei locker die 3.000 Umdrehungen-Grenze knackt) und staubend vom Parkplatz entfleucht.
Henningway:
Kurz vor dem Ablauf des Monats treffe ich mich mit Barry Opdam zur Kaderplanung. Seit Herzogs großspuriger Forderung nach Bombentransfers haben wir in zwei Jugendspieler investiert: Jamel Wagner kommt für 12,5 Millionen, Phillipp Schuster zunächst auf Leihbasis (hat aber eine Kaufklausel für 20 Millionen). Außerdem ist uns noch der Kroate Luca Mrkonjic über den Weg gelaufen, den wir für vergleichsweise läppische 525K geholt haben. Sämtliche anderen Spieler stammen noch aus der Zeit vor Herzogs Größenwahn.
Wir gehen sämtliche Spielposition nach und nach durch, unterstützt von selbstgemachtem Eierlikör von Opdams Oma aus Holland. Es wird also lustig, manchmal auch bizarr. Am Ende kommen folgende Überlegungen dabei heraus:
Im Tor haben wir einen halbwegs erfahrenen Mann, L’Hostis, und viele aufstrebende Talente. Hier werden die meisten an die Farmteams verliehen, nur Neuzugang Küçük bleibt und kämpft mit dem Franzosen um Platz 1. Der Amphibiophile wird abgesägt, sobald ich irgendwie einen deutlich besseren Ersatz bekomme.
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Die Abwehr zeigt fast ausschließlich bekannte Gesichter. Corstjens und Zeitz werden die Stamminnenverteidigung geben. Zimmermann ist die Nummer Eins auf rechts, links kann ich situativ entscheiden. Für sämtliche Positionen habe ich Ersatz. Gespannt sind wir auf Zdravko Bosnjak, der noch verletzt ist. Er kann ein Gewinner der Saison werden, sollte der Stamm schwächeln.
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Das Mittelfeld bietet schier endlose Optionen. Je nach Taktik haben wir hier vier (4-2-4) oder fünf (4-3-3, 4-2-3-1) Plätze zu vergeben. Favorisiert wird zunächst das 4-3-3 mit einem DM. Volker Lamertz ist dafür bereit, Paçaciogullari kann ebenfalls übernehmen, außerdem fast alle anderen, die auch auf einer der Achterpositionen spielen können. Rubén Pérez als Kapitän ist natürlich gesetzt, Simão zunächst ebenfalls. Aber hier herrscht großer Konkurrenzkampf. Die beiden Außen werden klassisch besetzt: Rausch rechts, John links. Wir überlegen aber, links Leandro spielen zu lassen, wenn ein anderer die zentrale Sturmoption bietet. Außerdem erscheint mir Ola John mittlerweile zu speziell für die linke Seite. Er ist ein passabler offensiver Winger, kann aber nichts anderes.
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Der Sturm ist entsprechend dünner besetzt, aber dennoch habe ich alle Möglichkeiten. Starten wird in jedem Fall Leandro als Trequarista. Adili Endogan und Kingsley Eze können diese Rolle ebenfalls spielen, Eze hat sogar die Fähigkeiten, als kompletter Stürmer auszulaufen. Außerdem stehen mit Jimmy Roye ein sauschneller und mit Kenneth Zohore ein bulliger Mann als Zielspieler bereit. Ersterer wird auf jeden Fall spielen, damit er uns weiterhin begleitet. Zohore… tja. Er war mir damals einen Arsch voll Kohle wert, aber seine Entwicklung stagniert. Er wird wohl verliehen, ebenso wie sämtliche Backups und Ex-Jugendspieler.
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White:
Deine Zettelwirtschaft sieht aus wie meine. Nur etwas ordentlicher und weniger vollgeschrieben :D
Alexander Herzog:
Mein Name ist Alexander Herzog, auch Alexander der Große genannt. Viele werden mich bereits kennen und lieben, bin ich doch der Präsident des FC Remscheid. Die Erfolge der letzten Jahre sind unmittelbar an meinen Namen geknüpft. Jeder der Ahnung vom großen Fussballgeschäft hat, wird das sofort bestätigen.
Nach turbulenten und ereignisreichen Jahren mit dem FC Remscheid und seiner Trainer Hennig Wag, war es Zeit ein wenig zu entschleunigen. Aus diesem Grund weilte ich in einem Kloster fern ab der Zivilisation. Schweigen, Besinnen und weniger Essen stand auf dem Programm. Viel Gartenarbeit und Spaziergänge.
Ich war es leid die Launen von Way ständig über mich ergehen zu lassen. Vor allen Dingen auch die ständigen Seitenhiebe meine Figur betreffend. Dieser Mann denkt er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen und wäre unersetzbar. Doch er ist nur eine Figur in einem großen Schachspiel.
RGA: Einen wunderschönen guten Tag Herr Herzog. Vielen Dank das Sie der Einladung zu unserem Interview gefolgt sind. Sie waren monatelang für niemanden greifbar.
Ich: Nicht dafür, gern geschehen.
RGA: Sie sind vor kurzem zu hervorragenden finanziellen Mitteln gekommen. Man sagt es lag an guten Kontakten nach Russland. Was ist da dran und war dies der Grund, warum Sie nun wieder hier sind?
Ich: Viel! Seit langem pflege ich gute Kontakte nach Russland. Das dort viel Geld im Umlauf ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Mir war es enorm wichtig, der finanziellen Alleinherrschaft von Trainer Way ein Ende zu bereiten. Aus diesem Grund arbeitete ich bereits lange akribisch am großen Wurf.
RGA: Wie fühlt sich das nun an, wenn das eigene Wort im Verein mindestens das gleiche Gewicht wie das des Trainers hat?
Ich: Ach ist das schön endlich nicht mehr der Mann im Schatten des Trainers und Managers Henning Way zu sein. Wenn Sie mich fragen, ist ohnehin Barry Opdam der Mann auf dem unser Erfolg hauptsächlich basiert. Er ist ein ausgewiesener Fachmann und ein Gewinn für jeden Verein.
RGA: Trotdem muss man doch festhalten, dass die Erfolge stets während der 'Herrschaft' von Henning Way zu verbuchen waren, das können sie doch nicht ernsthaft leugnen!
Ich: Wer leugnet denn hier etwas? Aber wir müssen doch mal die Kirche im Dorf lassen. Mit diesen exorbitanten finanziellen Mitteln waren wir in den unteren Klassen der Konkurrenz doch leicht überlegen.
RGA: Meinen Sie nicht, Ihre Einstellung könnte bei den Remscheid-Fans für Unmut sorgen? Schließlich ist doch sogar die Fangemeinde zahlenmäßig gestiegen.
Ich: Ähm, noch nie von der Fan-Initiative 'No Way' gehört??? Dieser Gruppe ist unser Trainer ein Dorn im Auge und ihnen fällt die Identifikation, trotz des Erfolges, schwer.
RGA: Da haben Sie nicht ganz unrecht. Was denken Sie sind die Auslöser dafür?
Ich: Nun, das liegt auf der Hand. Die Einkaufspolitik ist die reine Katastrophe. Wenn ich mir die unfassbare Anzahl von Ab- und Zugängen jede Saison ansehe, könnte ich glatt kotzen. Wir verpflichten so viele Spieler, dass beinahe in jedem Haus der Neubaugebiete aus der Umgebung schon einmal ein Remscheid-Spieler wohnte. Das kann doch so nicht weiter gehen. Der Trainer sieht sich meiner Forderung nach Qualitäts-Neuzugängen ausgesetzt. Da erwarte ich mehr Fingerspitzengefühl und Weitsicht. Wenn er jetzt schon weitläufig scouten darf, dann erwarte ich vernüftige Erträge.
RGA: Das Scouting ist ja ein spannendes Thema zwischen Ihnen beiden. Sie haben Henning Way nun mit mehr Kompetenzen ausgestattet, was trauen Sie ihm zu?
Ich: Da bin ich selbst gespannt. Er will einfach immer weit in die Welt hinaus und Spieler aus Nappadamda und Timbuktu-Ost scouten. Ich frage mich, warum er nicht hier vor der Haustür anfängt und die jungen Menschen von der Straße holt. Es kann doch nicht sein, dass wir hier weniger Talente haben als am Äquator.
RGA: Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonstart Herr Herzog?
Ich: Nun, da kann man bisher nicht klagen, aber wenn ich mir diesen Mammutkader so ansehe, bekomme ich gleich wieder Brechreiz.
RGA: Sind sie zufrieden was die Taktik und Spielweise des Teams angeht?
Ich: Soweit ja, allerdings werde ich nie ganz verstehen warum und wie er aufstellt. Ein Juca und ein Kotysch haben noch nicht eine Minute gespielt. Allerdings gratuliere ich ihm zum Leihgeschäft von Schilk. Von dem erhoffe ich mir enorm viel und fordere Way hiermit auf, diesen Jungen im nächsten Spiel zu bringen. Auf seinen Einsatz bestehe ich, ansonsten kann ich für nichts garantieren. Ich denke es ist kein Geheimnis, das ich als unberechenbarer Hitzkopf bekannt bin.
RGA: Soweit dann erstmal vielen lieben Dank Herr Herzog. (Reporter geht auf die Knie und küsst mir die Handoberfläche)
Ich: (im Flüsterton) Gern geschehen, machen Sie weiter so. Sie werden es noch weit bringen. Und vergessen Sie niemals, dass ich ihnen mit diesem Interview einen Gefallen getan habe.
Anmerkung der Redaktion:
Um eine lückenlose Berichterstattung sicherzustellen, hier das Logo der Anti-Trainer Bewegung in Remscheid.
Henningway:
Es klopft kurz und knackig und ich weiß schon, bevor die Klinge runtergeht: das ist Barry Opdam. Keine Not also, die im Hintergrund offenen YouPorn-Fenster am Rechner zu schließen.
„Chef? Kurz Zeit? Ist wichtig.“, sagt er, als er den Kopf durch die Tür steckt.
Ich nicke und wedele mit der Hand, ohne jedoch meinen Blick vom Monitor zu nehmen. Was ich dort gefunden habe, ist viel zu cool.
„Barry, schnell! Sieh Dir das an!“ Ich winke ihn ungeduldig herbei. Opdam schließt die Tür hinter sich und macht die paar Schritte um meinen Schreibtisch herum. Er schaut einige Augenblicke auf den Monitor, brummt dann aber verständnislos.
„Das hier, Barry“, ich zeige auf den Monitor und blicke ihn von unten herauf an, „ist ein tolles Transferportal. Irgendeine Agentur hat dort seine Spieler wie bei Amazon in eine Datenbank platziert. Man kann sich die Spieler sichern, schau: ‚place bid‘ steht da und Klick! Schon habe ich ihn auf den Wunschzettel gesetzt! Ist das nicht großartig?!“ Meine Stimme klingt richtig euphorisch, wie ich bemerke.
Opdam beugt sich jetzt erneut herunter vor den Monitor und liest aufmerksam den Inhalt der Website.
„Da steht was von PayPal, Herr Way. Was hat es damit auf sich?“
„Na, was schon, Barry? Wenn man Spieler kaufen will, muss man die doch bezahlen! Ich habe unser Transferkonto mit PayPal verknüpft.“ Ich lehne mich zufrieden zurück und verschränke die Arme.
Barry schaut erneut schweigend auf den Monitor.
„Und diese Wunschliste hier“, fragt er dann grübelnd. „Da stehen jetzt Spieler drauf, die ich kenne… Fabian Ernst zum Beispiel.“
„Genau.“, flöte ich.
„Ja, aber… warum er?“
„Wie warum? Barry? Das ist nur eine Wunschliste! Was sollte ich mit dem schon wollen? Der stand halt da unter Restposten, und Du weißt doch, wie wenig ich Sonderangeboten widerstehen kann!“
Barry schaut mich jetzt an. Sein Blick verrät Unglauben.
„Chef?“, macht er und richtet sich auf. „‘Place bid‘ heißt so viel wie ‚Gebot abgeben‘.“
„Ach“, entfährt mir nach einigen Momenten.
„Ja, Chef. Wir haben Ernst soeben gekauft.“
„Tatsächlich?“
„Sieht so aus.“
Ich schweige und denke kurz nach. Dann muss ich grinsen. Breit.
„Warum lachen sie?“
„Mir fällt gerade ein“, sage ich amüsiert und lasse mich erneut im Stuhl nach hinten sinken, „dass ich ihm eine vollkommen utopische Summe als Gehalt angeboten habe, ganz am Anfang.“
Opdam runzelt die Stirn. „Warum sollte das witzig sein?“
„Na, ganz einfach: das war, bevor ich das Transferkonto auf PayPal eingepflegt habe. Vorher war das Konto von Herzog verknüpft.“
Opdam blickt wieder kurz auf den Monitor. Dann rümpft er kurz die Nase und schaut mich wieder an.
„Herzog wird demnächst einen Posten von 400.000 € auf seinem Konto finden.“, sage ich feixend. „Den kann er dann wohl nicht zuordnen.“
Ich bin mit mir selbst sehr zufrieden und klatsche lachend in die Hände. Opdam schüttelt nur den Kopf, kann sich aber nicht ganz disziplinieren und muss ebenfalls lächeln.
„Unter diesem Aspekt“, sagt er schließlich, „ist das, was ich ihnen zeigen wollte, doch etwas amüsant.“
Er kramt etwas in dem Rucksack, den er auf der Schulter trug, und legt mir schließlich den aktuellen RGA vor.
Dort ist es fett abgedruckt.
„NO WAY“
Ich blicke mit plötzlicher Entgeisterung auf den gedruckten Text. Dann schaue ich Opdam an.
„Nicht wahr, oder?“
Opdam zuckt nur die Schultern. „Doch, sieht so aus. Herzog will wohl ernst machen.“
Ich muss das Interview erneut lesen. Aufgeblähter Kader? Die plötzliche Verpflichtung von Fabian Ernst wird einerseits zwar Herzog um einige hunderttausend Euro ärmer machen, andererseits jedoch ist das Wasser auf seine Mühlen.
„Ich dachte, sie sollten das wissen.“, sagt Opdam und dreht sich um, um zu gehen. In der Tür hält er noch mal ein. „Melden Sie sich, wenn Sie was brauchen.“
Ich nicke. Opdam geht schließlich.
Das ist ja mal ein Ding! Da wird dieser Präsident doch tatsächlich rebellisch? Ich glaube, bevor ich hier jetzt aktiv werde, muss ich nachdenken.
Mit diesen Worten im Kopf finde ich mich am Tresen von „Bei Josef“ ein. Eine gute Denkfabrik.