Für mich ist die Ankündigung einer neuen Welle und des nächsten mutierten Ablegers, sowie das "Durchhalten" bis zum Frühjahr Angstmacherei.
Ich kann mir auch jeden Tag sagen, dass ich vom Auto überfahren werden könnte, meinen Job nicht mehr schaffe, arbeitslos werde, meine Miete nicht mehr zahlen kann.......
Ist toll, hilft aber nicht wirklich.
Klar können und werden die Zahlen wieder hochgehen, wie jedes Jahr bei dieser Art der Erkrankung, aber die Voraussetzungen sind och gänzlich anders mittlerweile.
Ja, die Voraussetzungen sind mittlerweile glücklicherweise andere. Es ist eine großartige Forschungsleistung, dass wir so schnell wirksame und sichere Impfstoffe hatten. Das Ganze hätte sich auch 2-3 Jahre oder länger ziehen können. Ich will mir nicht ausmalen, was dann losgewesen wäre. Dennoch ist Wachsamkeit gefragt: Hohe Fallzahlen bedeuten immer viele Mutationsmögichkeiten und damit potenziell die Gefahr von Virusvarianten, die den Impfschutz abschwächen. Dadurch würde im Zweifelsfall viel Fortschritt verloren gehen. Mit diesem Risiko kann man unterschiedlich umgehen, persönlich finde ich einen vorsichtigen Weg richtig und halte das nicht für Angstmacherei. Dass die vierte Welle da ist, ist übrigens keine Ankündigung, sondern eine Tatsachenfeststellung, die z.B. das RKI getätigt hat. Natürlich wird diese Welle aufgrund der Impfungen anders verlaufen, als die Wellen davor. Was die Auslastung der Krankenhäuser anbelangt kenne ich aktuelle Prognosen nicht.
A propos Risikoabwägung: Ich finde nach wie vor, dass zu wenig für den Schutz der Kinder getan wird und halte die aktuelle Durchseuchungspolitik bei den Jüngsten der Gesellschaft für zu riskant. Auch dafür gibt es natürlich gute Gründe, das anders zu sehen. Akzeptiere ich auch.
Was ist das für eine Pandemie, bei der man Leute mit Geld zum Schutz bewegen muss?
Sterben die alle so gerne, sind zu blöd, zu wenig verantwortungsbewusst, oder haben sie womöglich das Gefühl, dass vieles passiert, aber eben nicht mit/durch/an der Pandemie?
Naja, mal ein plattes Beispiel: Wenn du Alleinerziehend bist und immer jeden Penny zweimal umdrehen musst, du dazu zwischen Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt, Einkaufen usw. gar keine Zeit hast, dich impfen zu lassen, weil es nicht in deinen Tagesablauf passt, dann ist so eine Bratwurst zur Impfung (am besten vorm Supermarkt) verlockend: Geld fürs Mittagessen für dich und die Kids gespart und das Ganze mit dem Einkauf verbinden können.
Anderes Beispiel: Zugpendler. Du bist jeden Tag pro Fahrtweg 1 1/2 Stunden mit dem Zug unterwegs, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Hast einen langen Arbeitstag, am Wochenende private Verpflichtungen oder bist schlicht zu erschöpft, um dich zum Impfzentrum zu schleppen. Aber beim Umsteigen zwischen zwei Zügen, wo du doch eh immer eine halbe Stunde warten musst, das wäre doch die Gelegenheit.
Die Beispiele sind jetzt aus der Luft gegriffen aber so oder ähnlich wird es sicher nicht wenigen Leuten gehen und es gibt noch zahlreiche andere Gründe, warum sich Menschen nicht impfen lassen, obwohl sie es vielleicht sogar tun würden. Das hat nicht immer etwas mit Verantwortungslosigkeit zu tun, sondern ist den Lebensumständen geschuldet. Da braucht es niederschwellige Impfangebote, direkt vor der Nase. Impfprämien wären ein Teil eines bunten Straußes an Maßnahmen.