Nja, sie geht eindeutig auf Stimmenfang in der Afd-Wählerschaft. Das würde ich schon als kuscheln bezeichnen. Will ich als linke, antifaschistische Partei wirklich Wähler, die früher kein Problem damit hatten, eine Partei mit gesichert rechtsextremen Landesverbänden zu wählen?
Den Eindruck kann man sicherlich gewinnen, sehe ich aber anders. Sahra hat in einer Form Kritik geübt, wie es das auch in recht ähnlicher Form Fabio De Masi getan hat. Bin mir selbst zwar etwas unschlüssig, weil bei Beiden da auch eventuell der Frust über das eigene politische Fortkommen mit reinspielen kann, kann aber einige der Kritikpunkte absolut nachvollziehen.
https://www.fabio-de-masi.de/de/article/3542.ich-werde-nicht-wieder-antreten.html
Nein, Fabio de Masi hat Migranten und LGBTQs nicht als "skurrile Minderheiten" bezeichnet. Er hat auch nicht behauptet, niedrige Löhne seien die Schuld von Migranten.
https://twitter.com/NiemaMovassat/status/1380087952991215616?s=20
Dass de Masi aber manchmal in eine ähnliche Kerbe schlägt, wenn auch wesentlich subtiler, liegt ja nicht zuletzt an der engen Zusammenarbeit mit Wagenknecht.
Niema übersteigert und formuliert um, framt damit absolut verzerrend Aussagen von Sahra. Er befeuert damit nur das wohlfeile Ziel, was man nach Erscheinen des Buches erreichen wollte: Sie aus der Partei zu schmeißen. Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung/Reflektion hat das so gar nichts zu tun. Ich kann gerne im Detail darauf eingehen. Die Aussagen von Niema sind tendendziös und mehrheitlich populistisch umformulierter Quatsch. Ich arbeite in der Baubranche und stimme da jeglicher Aussage von Wagenknecht absolut zu, das ist meine Lebensrealität. Trotzdem wähle ich links.

Hingegen du kannst mir dann gerne bei Lust deine Meinung zu mitteilen, warum folgende Absätze keiner Diskussion würdig sind.

"Ich habe den politischen Meinungsstreit - gerade mit Konservativen und Liberalen - immer als eine Bereicherung empfunden. Denn Widerspruch schult die eigenen Argumente. Wir müssen lernen, respektvoll miteinander zu streiten - so wie in jedem Dorf, in jeder Familie, in jedem Sportverein und in jedem Freundeskreis.
Es gibt in verschiedenen politischen Spektren und vor allem in den sozialen Medien die Tendenz, Politik nur noch über Moral und Haltungen zu debattieren. Ich halte dies für einen Rückschritt. Werte und Moral sind das Fundament politischer Überzeugungen. Wer jedoch meint, dass alleine die „richtige Haltung“ über "richtig oder falsch" entscheidet, versucht in Wahrheit den Streit mit rationalen Argumenten zu verhindern.
Eine solche Debattenkultur hat nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist Ausdruck eines elitären Wahrheitsanspruchs, wie ihn die Kirche im Mittelalter bediente. Vor allem verstärkt dies aber Spaltungen in der Gesellschaft, wovon rechte Demagogen weltweit profitieren. Dies hilft Kräften wie der AfD, sich als Anwältin der kleinen Leute aufzuspielen, obwohl ihnen die Schweizer Franken zu den Ohren heraus kommen.
Die Kunst der Politik besteht darin, auch an die Lebensrealität und die Sprache jener Menschen anzuknüpfen, die um die Kontrolle über ihr Leben fürchten. Die politische Linke darf das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit - in einem umfassenden Sinne - nicht vernachlässigen. Dabei sollte man weder Ressentiments schüren noch so sprechen, dass normale Menschen einen Duden brauchen. Aber auch „Maulheldentum„ ersetzt keine praktischen Antworten auf konkrete Probleme. Es werden die Parteien gewählt, denen man zutraut, Existenzen in der Corona-Krise zu sichern, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu verhindern, dass Kinder aus ärmeren Stadtteilen ihr Recht auf Bildung einbüßen!
Parteien in der Tradition der Arbeiterbewegung waren immer lebensnah. Sie kannten die Lebenswirklichkeit der Menschen, die von ihrer Hände Arbeit lebten. Sie haben Grundwerte wie Solidarität durch Verankerung in der Lebenswelt der Beschäftigten verteidigt. Die Debatten der Meinungsführer in den akademischen Milieus, die Codes der digitalen Empörung und Hashtags, die häufig nur wenige Stunden überdauern und nichts kosten, sind dafür kein Ersatz. "