1. Der Aktionär in mir freut sich, wartet 1-2 Monate bis das fallende Messer VW den Boden gefunden hat, und kauft dann die Aktien günstig ein.

2. Das die USA ein wirtschaftliches Powerplay spielen ist keine Verschwörungstheorie. Natürlich hat sich VW dämlich angestellt - aber dass dies den USA (in Form von GM und Co. letztendlich) nicht UNGELEGEN kommt, liegt auf der Hand.
Verschwörungstheoretisch wird es dann, wenn man dahinter einen großen Masterplan und ähnliches Zeug vermutet. Nein, es ist einfach nur Machtspiel.
3. Marktanteil: Die werten Herren und Damen denken teils sogar in Dekaden - und bei solch einer Betrachtung zeigt sich, dass VW auf gutem Wege ist, sich noch mehr Marktanteile zu ergattern. Ergo sind 2% heute vllt. 20% in 20 Jahren. Da gabs doch mal ne Simpsonsfolge, als Mr. Burns in der Vergangenheit vorhergesagt hat, dass die Japaner in der Industrie alles kopieren und besser machen werden als die Amerikaner. Alle haben ihn ausgelacht.
Außerdem ist VW der EINZIGE Player in Europa, der - wenn sich sowas wie Tesla Motors wirklich als erfolgreich erweißt - mit einer "Technologyfollower"-Strategy mithalten könnte.
4. Bei Winterkorn ist klar, er muss zurücktreten. Da liegt Müller brutal falsch. Anektode: Ich saß diese Woche Montag morgens vor einer IT-Governance Klausur da und wartete auf den Beginn. Gelangweilt auf dem Handy rumgesurft. Da hab ich erstmal von der VW-Nummer mitbekommen (wenn man lernt kriegt man nicht viel von der Außenwelt mit *Gg*). Ich habe mich kaputt gelacht: (IT-)Governance geht GENAU DARUM dass sowas nicht passiert und wenn, dass sich Niemand herausreden kann - er MUSS es gewusst haben, sonst ist er einfach fehl am Platze. Governance ist auf Vorstandsebene ein ganz großes Thema, und dazu gehört das man Abgaswerte nicht fälscht bzw. wenn, dann ist das dem Vorstand BEWUSST. Ergo ist Winterkorns Nummer, dass er bei sich keinen Fehler sieht, ein Eingeständnis eines Versagens in seinem Job.
5. Müllers Fazit, dass die anderen ANGST vor VW haben und deshalb jeder "Strohhalm" genutzt wird, kann ich voll unterschreiben: Als in Europa die Abgaswerte verschärft werden sollten - wer war dafür? Fiat und Co. Kleinwagenproduzenten (Stichwort: Abschaffung Flottenverrechnung). Dann kam (vereinfacht) VW (mit BMW, Daimler im Schlepptau) und hat gesagt: "Wenn ihr das macht, aber dann bauen wir mal so geile, sparsame und günstige Autos, das euch die Ohren schlackern. Wir können diese Defizitnummer ein paar Jahre durchziehen, dann seid ihr pleite! Also lasst den Mist, ihr baut Kleinwagen und wir die größeren Karren. Leben und Leben lassen!" Prompt, hat man sich auf "sanftere" Werte und "Flottenverrechnungen" geeinigt. (Bitte natürlich nicht wörtlich nehmen wie es ablief. Mir geht es um die Interessen und Motivationen der Player)
6. Rein technisch ist ja das mit den Abgaswerten schon lustig: Es geht ja in den USA um die strengen CO2-Vorschriften. Mein Laienphysikverständnis: Da bei Verbrennung von 1l Kraftstoff theoretisch immer dieselbe Menge CO2 anfällt, misst die Abgasnorm in den USA mehr oder weniger den Gesamtverbrauch.
Frage: Wie schaffen es dann die US-Hersteller, auch nur ANNÄHERND die Abgaswerte einzuhalten? Fahren die Pickups plötzlich mit Luft und Liebe?
Alles in Allem bin ich der Meinung, dass Winterkorn zurecht gegangen wurde und man eigentlich umgehend Teile seines Gehalts zurückfordern müsste wegen grober Verletzung seiner Pflichten (siehe Compliance Codex der großen DAX-Unternehmen). VW wird auch zurecht Strafen zahlen müssen. Allerdings würde ICH als VW-Vorstand mal schön den Dreck der anderen Hersteller ans Tageslicht bringen, um die Dinge im Verhältnis zu setzen.