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Autor Thema: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread  (Gelesen 189386 mal)

Provinz-Manager

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #20 am: 12.August 2009, 09:52:46 »

Mit der Partei scheint es wie mit der Religion oder der Wahl des Fussballvereins zu sein. Die meisten wählen was die Eltern wählen und wählen immer das was sie immer gewählt haben. Festgelegt fürs Leben.

Wie kommt es dann, dass die SPD so erdrutschartige Verluste in der letzten Zeit hinnehmen muss? Und warum wählen dann realtiv viele Menschen die Grünen, obwohl es die noch garnicht so lange gibt?

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mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #21 am: 12.August 2009, 10:26:21 »

Dabei besteht die deutsche Gesellschaft größtenteils aus Mittelständlern  ::)




Genau, und am Bruttosozialprodukt mittelständische Betriebe den größten Anteil überhaupt. Viel mehr als die großen Konzerne, die allerdings ganz vorne dabei sind, wenn es um Fördergelder geht. Ich kenn das von meinem Vater. Der muss für seine 30-Mann-Bude um jeden Krümel-Kredit betteln und zusehen, wie gleichzeitig die Subventionen in Massen an Großunternehmen fließen, weil diese den Politikern mehr Prestige versprechen. Zumindest ist das hier in Sachsen so.

@Hugo: Dein FDP-NPD-Vergleich ist sowas von abwegig. Warst Du auf ner Waldorfschule?  :o
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Khlav Kalash

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #22 am: 12.August 2009, 10:56:45 »

Wo bitte hab ich die verglichen???

hab nur geschrieben das die NPD ihre Wahlversprechen wohl einlöst ... allerdings auf ihre weise ... und das sie für mich unwählbar sind ... gefolgt von der FDP ... kann aus meinem geschrieben keinen Vergleich erkennen  ???

(evtl etwas falsch ausgedrückt, ich meinte die NPD verspricht das, was sie im Endeffekt auch einlöst, nichts anderes ... meinte jetzt nicht das sie das selbe wie die FDP versprechen  :D)
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mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #23 am: 12.August 2009, 11:48:01 »

Naja, Du drückst Dich aber auch etwas ungeschickt aus. Ich versteh bis jetzt nicht so richtig, worauf Du hinaus willst. Und ob Vergleich oder nicht: Du weißt doch selber, dass die NPD inakzeptabel ist.

Und was das Versprechen angeht, ist das für mich kein hinreichendes Kriterium. Wenn zum Beispiel die Nazis versprechen, dass sie die Demokratie abschaffen, finde ich das ja nicht bloß deshalb gut, weil sie dieses Versprechen halten. Es kommt also schon auf die Inhalte an.
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Vidukano10

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #24 am: 12.August 2009, 12:31:15 »

Das Forum hatte nen Fehler und nun ist leider mein seeeeehr langer Post weg, genau wie meine Motivation ihn nochmals zu schreiben, trotzdem hier die Kurzform:

Zitat
[@Vidukano: Woher kommt deine Überzeugung, daß sich eine gute Bildungspolitik und die FDP kategorisch ausschliessen?
- historisch bedingt (alle 2-4 Jahre verändert sich die Ausrichtung der FDP, immer zu dem was gerade IN sein soll^^
- hohe Strukturkosten ohne den Inhalt und damit die Bildung zu verbessern

Zitat
Dein Schuldenargument ist hahnebüchen. Schon mal gelesen, wieviel Geld in die ineffektiven, von SPD und CDU künstlich am Leben gehaltenen Sozialsysteme versackt? Wieviel neue Schulden aufgenommen wurden, um den ganzen Quatsch wie Abwrackprämien etc zu sponsoren und marode Betriebe zu retten (d.h. in verzweifelte Regulierungsversuche)?
Schuldenargument? Bitte raussuchen, hatte das zwar beim ersten Versuch ausgeführt aber nun sehe ich, dass meine Antwort eigentlich unbegründet war, habe ich doch nie in dem Bereich argumentiert ;D

Zitat
Schon mal eine Steuererklärung selber gemacht? Alleine das Versprechen einer Vereinfachung des Steuersystems ist für mich ein FDP-Argument. Und wieviel Geld da in einem riesigen, Geld hin und her schiebenden Verwaltungsapparat versandet, will ich eigentlich gar nicht wissen. DAS sind die Dinge, die den Steuerzahler Geld kosten, und ich hege zumindest die kleine Hoffnung, daß diese Dinge mit der FDP besser würden.
- ja hab ich
- Komplexität ist absolut erforderlich
- die Transparenz fehlt, da stimme ich dir zu, aber im Zeitalter die Computisierung alles garkein Problem mehr
- da traue ich der FDP nicht zu ein sinnvolles Konstrukt zu entwicklen

Zitat
Und welche Kosten hat denn die Finanzkrise bisher eigentlich konkret dem AKTUELLEN Steuerzahler geschaffen? Wurde irgendwelche Sätze erhöht?
Mich nervt dieses ganze Gelaber von der "bösen Wirtschaft" sowieso endlos. Vornerum regen sich alle über die Manager auf, hintenrum kaufen sie bei Aldi ein und beschäftigen ihre Putzfrauen schwarz. Und wenn was schief läuft sind es immer die anderen, die bösen Amis, die fiesen Chinesen, die Politiker, die Manager, nie fasst sich der Durchschnittdeutsche mal an die eigene Nase.
hach das war vorhin mein Lieblingsbereich in dem ich mich über wirtschaftliche Zusammenhänge, irrationalität usw. auslassen konnte. Aber ich werde es diesmal nicht ausformulieren, ist eigentlich auch garnicht nötig weil jeder mit etwas denken dahinter kommt wieso Milliardenausgaben die nicht mit sofortigen Steuererhöhungen darhergehen trotzdem nicht schön sind :P

Für mich jedenfalls ein typischer Postgegen das System mit der (leider) unreflektierten Hoffnung auf die Heilsbringer von der FDP.
Von mir aus kann man sie gerne wählen, aber man muss sich trotzdem damit auseinandersetzen und schauen was dahintersteckt. Da ich aus der Energiebranche komme kann ich sagen, dass die FDP dort keinerlei Kompetenz aufweist und ungefähr auf SChulniveau falsche Fakten darstellt und sie auch noch ausführt. Da ist es dann noch schwerer solch einer Partei vertrauen schenken zu können. Wie soll ich daran glauben, dass die Steuerpolitik (kenn ich mich nicht soo aus) verbessert werden kann, wenn in einem anderen Bereich Unfug erzählt wird?

Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte, die richtige Mitte zu suchen obliegt jedem alleine.


P.S: Ich hätte am liebsten eine Mischpartei aus: Piratenpartei, SPD und Grüne (vielleicht noch 1-2 weitere kleine deren Parteiinhalte ich nicht so gut kenne), leider muss man ja eher das mindere Übel wählen als die beste Partei
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pMaldini

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #25 am: 12.August 2009, 23:48:29 »

Bis vor wenigen Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich mal die FDP wählen werde.

Aber ich glaube bei der kommenden Bundestagswahl wird es wohl das erste Mal soweit sein.

Ich schließ mich den Pro-FDP vorrednern mal an. Mittlerweile glaube ich, dass die FDP "den Laden" aufmischen könnte. Und den Satz von El-Pocho
Schon mal eine Steuererklärung selber gemacht? Alleine das Versprechen einer Vereinfachung des Steuersystems ist für mich ein FDP-Argument. Und wieviel Geld da in einem riesigen, Geld hin und her schiebenden Verwaltungsapparat versandet, will ich eigentlich gar nicht wissen. DAS sind die Dinge, die den Steuerzahler Geld kosten, und ich hege zumindest die kleine Hoffnung, daß diese Dinge mit der FDP besser würden.
kann ich nur voll unterstreichen!


Kleinst- und Splitterparteien sind für mich keine Alternative.


Und der FDP traue ich momentan am ehesten zu Ihre gegeben Versprechen einzulösen (zumindest einen Teil davon). Die CDU hat es dank Zensursula bei mir völlig vergeigt und Steinmeiers Deutschlandplan ist mMn ein trauriger versuch die SPD ein paar Prozentpunkte nach oben zu hieven.
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mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #26 am: 21.August 2009, 15:25:35 »

Streift das Thema nur am Rande. Doch ich habe heute wieder ein schönes Beispiel dafür gefunden, wie realitätsblind auch die Medien sind in bezug auf die Stellung Deutschlands in der Welt. Beispiel Solarenergie, die wir ja nach Meinung einiger Experten erfunden zu haben scheinen.

http://www.lvz-online.de/wissenschaft/drwi.html?p=/content/22157016.html

Dabei gibt es solche Kraftwerke seit Jahrzehnten. Habe selbst so eins in Israel gesehen - vor 18 Jahren, wohlgemerkt.

http://wis-wander.weizmann.ac.il/site/en/weizman.asp?pi=420&doc_id=732

Und nebenbei: Während wir Deutschen glauben, Weltmeister in Solarenenergie zu sein, sorgen die Wahsinnssubventionen auf Solartechnik in Deutschland dafür, dass die Technik dermaßen teuer wird, dass sie nicht weltmarkttauglich ist.

http://nachrichten.rp-online.de/article/wirtschaft/Das-Ende-des-Solar-Maerchens/49415

Sorry, ist etwas unstrukturiert, aber musste unter Zeitdruck einfach mal raus.
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Vidukano10

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #27 am: 21.August 2009, 17:59:59 »

Streift das Thema nur am Rande. Doch ich habe heute wieder ein schönes Beispiel dafür gefunden, wie realitätsblind auch die Medien sind in bezug auf die Stellung Deutschlands in der Welt. Beispiel Solarenergie, die wir ja nach Meinung einiger Experten erfunden zu haben scheinen.

http://www.lvz-online.de/wissenschaft/drwi.html?p=/content/22157016.html
Ist doch nur erstmals von der Leistung her sowas in Deutschland geschaffen worden, wo ist das Problem bei dem Artikel?


Zitat
Dabei gibt es solche Kraftwerke seit Jahrzehnten. Habe selbst so eins in Israel gesehen - vor 18 Jahren, wohlgemerkt.

http://wis-wander.weizmann.ac.il/site/en/weizman.asp?pi=420&doc_id=732

Und nebenbei: Während wir Deutschen glauben, Weltmeister in Solarenenergie zu sein, sorgen die Wahsinnssubventionen auf Solartechnik in Deutschland dafür, dass die Technik dermaßen teuer wird, dass sie nicht weltmarkttauglich ist.

http://nachrichten.rp-online.de/article/wirtschaft/Das-Ende-des-Solar-Maerchens/49415

Sorry, ist etwas unstrukturiert, aber musste unter Zeitdruck einfach mal raus.
Ist auch kein Problem der subvention, sondern der meisten Herrsteller. Dass andere nachziehen war doch jedem bekannt, wer dann nicht weiterentwicklet hat halt Pech gehabt. Der Großteil der Bürger möchte anscheined saubere Energie haben und dafür gibt es keinen vernünftigen Preis in Deutschland, also müssen wir den schaffen. Das kommt dabei rum wenn unbezahlbare Interesen unbedingt umgesetzt werden sollen.


P.S: Die sauberste Enegie hat übrigens Frankreich: Atom ahoi ;)
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Tony Cottee

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #28 am: 22.August 2009, 17:50:53 »

Was ich beim Überfliegen dieses Threads und auch an anderen Stellen bei solchen Diskussionen immer wieder bemerkenswert finde:

Es wird offensichtlich die Partei präferiert, die am Meisten für "mich" tut. So nach dem Motto: Aktuell studiere ich, da wähle ich die SPD, weil die gegen Studiengebühren ist, habe ich dann mein Studium abgeschlossen und verdiene erstes Geld, dann wähle ich die Grünen, weil ich Ökologie wichtig finde. Fünf Jahre später habe ich einen Spitzenjob und wähle die FDP, weil die mir Steuerentlastungen verspricht und mit 50 wird jeder etwas konservativer und entscheidet sich dann für die CDU.

Es werden also nicht Überzeugungen, sondern "Vergünstigungen" gewählt. Wer wundert sich dann ernsthaft, dass die Parteien nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Wählergruppen ringen? Es geht nicht mehr darum, wer welche Meinung zu einem Sachthema vertritt, sondern welches Sachthema bei der "Mitte" gerade sehr beliebt ist.

"Wir sind die Mitte" - ist dann so ein schöner Wahlslogan, um den Wählern, die sich nach der "Normalverteilung" ja doch irgendwie immer der Mitte zugehörig fühlen, deutlich zu machen: "Deine Wünsche erfüllen wir auch. Wir sind für Dich da."

Ich persönlich will aber gar nicht wissen, was eine Partei für mich tut, sondern für was sie inhaltlich steht - was sie für unser Land, für Europa oder meinetwegen das globale Klima tut. Das alles weiß ich nicht mehr - weil es wie gesagt überhaupt nicht mehr um Inhalte geht.

Neueste Perversion dieser modernen Politikwelt: Die CDU ist der Meinung, dass man sich aus dem Wahlkampf mal lieber komplett heraus hält...und damit wahrscheinlich Erfolg haben wird.

Und wen ich am Ende wähle? Keine Ahnung! Ich bin Durchschnittsverdiener, lebe in einer durchschnittlich großen Stadt und bin irgendwie in fast allen Dingen genau die Mitte. Meine Stimme wollen also alle.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #29 am: 22.August 2009, 18:38:07 »

Ich denke, es ist nur normal, dass man die Partei wählt, die am meisten für einen selbst tut. Vielleicht verstehe ich dich ja falsch, aber wie sollte man sonst wählen? Man sucht sich die Partei aus, mit der man die größten Schnittmengen und selben Ansichten hat. Mit der Erststimme kann man noch Personen wählen (und ich weiß wem ich in meinem Wahlkreis garantiert keine Stimme gebe).

Ich betrachte schon seit Jahren die Entwicklung der Parteien und habe für mich persönlich Schlüsse gezogen (u.a., dass die beiden "Volksparteien" nicht wählbar sind). Wenn bei dieser Wahl die beiden großen Parteien massive Einbrüche zu verzeichnen haben (und ich setze darauf), dann wird hoffentlich ein Umdenken stattfinden.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #30 am: 22.August 2009, 21:16:28 »

Was ich meine ist, dass ich nicht darauf achte, welche Partei für mich persönlich (also z.B. meine Geldbörse) am meisten bringt. Ich wähle die Partei, die meinem Weltbild und meiner grundsätzlichen politischen Einstellung am ehesten entspricht.

Ich pendele z.B. jeden Tag 75km zur Arbeit (und die gleiche Strecke zurück). Ich könnte trotdem eine Partei wählen, die die Pendlerpauschale abschaffen will, wenn sie mit den Mehreinnahmen Ziele verfolgt, die ich moralisch/sozial oder sonstwie gut vertreten kann - und das obwohl die Pendlerpauschale in meinem Portemonnaie eine sehr große Rolle spielt.

Worauf ich hinauswill: Auch ein Millionär kann aus Überzeugung für eine Vermögensteuer sein, auch ein Hartz IV-Empfänger kann aus Überzeugung für einen niedrigeren Spitzensteuersatz sein.

Ich gebe meine Stimme nicht der Partei, die mir am meisten verspricht, sondern der Partei, dessen Programm mit meiner gesamtpolitischen Meinung die größte Deckungsgleichheit ausweist.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #31 am: 22.August 2009, 21:34:06 »

Ok, dann habe ich dich wirklich falsch verstanden. Deine Ansicht teile ich nämlich auch.
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robertob

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #32 am: 28.August 2009, 01:11:18 »

Hab gerade nen, meiner Meinung nach, schönen Kommentar bei stern.de gefunden. Kenne den Schreiberling nicht, aber seine Ansichten teile ich:



Zitat
Alarm! Die Piraten kommen!


Bei vielen Vertretern der etablierten Parteien dürfte die Zahl einen kleinen Schreck ausgelöst haben: Die Piratenpartei hat mittlerweile schon fast 7.000 Mitglieder. Damit wird sie bald nach CDU, SPD, CSU, FDP, der Linken und den Grünen die siebtgrößte Partei in Deutschland sein.


Und es werden immer mehr Menschen, die sich den Piraten anschließen. Die Zeit hat unter anderem dazu in dieser Woche ein interessantes Dossier geschrieben (das, nebenbei bemerkt, im krassen Gegensatz zu den vielen netzkritischen Artikeln der vergangenen Monate steht). Demnach treten der Piratenpartei jeden Tag 80 Menschen bei, während die SPD täglich 30 Mitglieder verliert. In Meinungsumfragen liegen die Piraten nach Informationen der Zeit bei zwei Prozent.

Doch die politische Stimmung ist auf Seiten der jungen, unverbrauchten Partei. Und mit jedem Tag des Nichtwahlkampfs steigt die Chance der Piraten, vielleicht doch noch das Unmögliche möglich zu machen: in den Bundestag einzuziehen. Ich halte das persönlich nicht für wahrscheinlich - aber auch nicht für ausgeschlossen. Aus folgenden Gründen:

1. Die Schwäche der etablierten Parteien trägt zur Demobilisierung ganzer Wählerschichten bei. Eine unrühmliche Ausnahme bildet hier die CDU: Sie versucht sogar ganz bewusst, die Wahlbeteiligung zu drücken. Ziel der Nichtwahlkampf-Strategie von Angela Merkel ist es, die SPD-Wähler von der Urne fern zu halten. Durch Nullkommunikation und vage Forderungen soll den Sozialdemokraten jegliche Chance genommen werden, einen polarisierenden Wahlkampf zu führen. Die Piratenpartei dagegen schöpft aus einem Reservoir von motivierten Anhängern, die sehr wahrscheinlich zur Wahl gehen und wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen werden.

2. Weil repräsentative Meinungsumfragen den riesigen Unmut bei den etablierten Parteien schlecht kalkulieren können (daher auch die hohe Anzahl der "unentschlossenen Wähler"), liefern sie auch keine realistischen Aussagen über die tatsächlichen Wahlchancen der Piratenpartei. Es bleibt bis zum Schluss spannend.

3. Die Piratenpartei ist die Protestwahl des jungen, gebildeten Bürgertums. Gerade wer in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde und daher die Zeit der ideologischen Konfrontation verpasst hat, gibt viel weniger auf die Bindung zu den etablierten Parteien. Da Nichtwählen die Ultima Ratio für jeden politischen Menschen ist und die radikalen Parteien stinken, könnte die Piratenpartei mit ihrem an freiheitlichen und bürgerrechtlichen Idealen Programm eine Ventilfunktion einnehmen.

4. Die FDP hat im Bereich Bürgerrechte versagt. Jahrelang haben es die Liberalen zugelassen, dass ihr einstiger Markenkern ausgehöhlt wurde und in der öffentlichen Wahrnehmung durch den Kampf für die freien, deregulierten Märkte überlagert wurde. Sie bieten also kein Absorptionspotenzial für die Piratenpartei.

5. Die Grünen sind im Zeitraffer gealtert. Einst als Anti-Parteien-Partei angetreten, sind sie heute Teil des Systems. Die Partei ist zwar immer noch gut darin, junge und trendfähige Themen aufzugreifen. In ihrer Struktur sind die Grünen aber längst den Altparteien allzu ähnlich geworden. Vielleicht mag da dem ein oder anderen grünen Urgestein eine Träne die Wange runter kullern, wenn er sieht, dass die Piratenpartei gründungsgrüne Verhaltensmuster in die Gegenwart transferiert hat.

6. Die Volksparteien haben nicht nur das Thema Internet verschlafen. Sie haben auch ganz allgemein zu wenig Online-Kompetenz und sind ignorant gegenüber den Ansprüchen und Wünschen der "Digital Natives". Wer mit dem Netz groß geworden ist, betrachtet es als natürlichen Teil seiner Alltagsumwelt. Und nicht als "rechtsfreien Raum".
http://www.stern.de/blog/82_wahlfisch/archive/2872_alarm_die_piraten_kommen.html




Und noch ein kleiner Seitenhieb zum Thema "Überwachunsstaat": Aus einem internen Bericht der Britischen Polizei geht hervor, das Überwachungskameras zur Aufklärung von Verbrechen faktisch nutzlos sind. Das zumindest belegen die Statistiken. Dennoch gibt es alleine in London mehr als eine Million Überwachungskameras. Dazu erklärte Member of Parliament David Davis gegenüber der BBC: “Überwachungskameras verursachen immense Kosten bei minimaler Effektivität. Sie bedeuten ein gewaltiges Eindringen in die Privatsphäre, bei kleiner oder nicht vorhandener Verbesserung der Sicherheit.”

Das hat zwar nicht direkt was mit Deutschland zu tun, aber ich denke ihr wisst worauf ich hinaus will...
« Letzte Änderung: 28.August 2009, 01:18:40 von robertob »
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Provinz-Manager

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #33 am: 28.August 2009, 11:01:29 »

Gestern die Runde bei Maybritt Illner gesehen und muss sagen, dass es trotz starker Besetzung und Wahlkampf erstaunlich unpopulistisch zugegegangen ist. Einzig Gysi konnte natürlich nicht ganz ohne  ;)
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mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #34 am: 28.August 2009, 13:59:59 »

Hab gerade nen, meiner Meinung nach, schönen Kommentar bei stern.de gefunden. Kenne den Schreiberling nicht, aber seine Ansichten teile ich:



Zitat
Alarm! Die Piraten kommen!


Bei vielen Vertretern der etablierten Parteien dürfte die Zahl einen kleinen Schreck ausgelöst haben: Die Piratenpartei hat mittlerweile schon fast 7.000 Mitglieder. Damit wird sie bald nach CDU, SPD, CSU, FDP, der Linken und den Grünen die siebtgrößte Partei in Deutschland sein.


Und es werden immer mehr Menschen, die sich den Piraten anschließen. Die Zeit hat unter anderem dazu in dieser Woche ein interessantes Dossier geschrieben (das, nebenbei bemerkt, im krassen Gegensatz zu den vielen netzkritischen Artikeln der vergangenen Monate steht). Demnach treten der Piratenpartei jeden Tag 80 Menschen bei, während die SPD täglich 30 Mitglieder verliert. In Meinungsumfragen liegen die Piraten nach Informationen der Zeit bei zwei Prozent.

Doch die politische Stimmung ist auf Seiten der jungen, unverbrauchten Partei. Und mit jedem Tag des Nichtwahlkampfs steigt die Chance der Piraten, vielleicht doch noch das Unmögliche möglich zu machen: in den Bundestag einzuziehen. Ich halte das persönlich nicht für wahrscheinlich - aber auch nicht für ausgeschlossen. Aus folgenden Gründen:

1. Die Schwäche der etablierten Parteien trägt zur Demobilisierung ganzer Wählerschichten bei. Eine unrühmliche Ausnahme bildet hier die CDU: Sie versucht sogar ganz bewusst, die Wahlbeteiligung zu drücken. Ziel der Nichtwahlkampf-Strategie von Angela Merkel ist es, die SPD-Wähler von der Urne fern zu halten. Durch Nullkommunikation und vage Forderungen soll den Sozialdemokraten jegliche Chance genommen werden, einen polarisierenden Wahlkampf zu führen. Die Piratenpartei dagegen schöpft aus einem Reservoir von motivierten Anhängern, die sehr wahrscheinlich zur Wahl gehen und wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen werden.

2. Weil repräsentative Meinungsumfragen den riesigen Unmut bei den etablierten Parteien schlecht kalkulieren können (daher auch die hohe Anzahl der "unentschlossenen Wähler"), liefern sie auch keine realistischen Aussagen über die tatsächlichen Wahlchancen der Piratenpartei. Es bleibt bis zum Schluss spannend.

3. Die Piratenpartei ist die Protestwahl des jungen, gebildeten Bürgertums. Gerade wer in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde und daher die Zeit der ideologischen Konfrontation verpasst hat, gibt viel weniger auf die Bindung zu den etablierten Parteien. Da Nichtwählen die Ultima Ratio für jeden politischen Menschen ist und die radikalen Parteien stinken, könnte die Piratenpartei mit ihrem an freiheitlichen und bürgerrechtlichen Idealen Programm eine Ventilfunktion einnehmen.

4. Die FDP hat im Bereich Bürgerrechte versagt. Jahrelang haben es die Liberalen zugelassen, dass ihr einstiger Markenkern ausgehöhlt wurde und in der öffentlichen Wahrnehmung durch den Kampf für die freien, deregulierten Märkte überlagert wurde. Sie bieten also kein Absorptionspotenzial für die Piratenpartei.

5. Die Grünen sind im Zeitraffer gealtert. Einst als Anti-Parteien-Partei angetreten, sind sie heute Teil des Systems. Die Partei ist zwar immer noch gut darin, junge und trendfähige Themen aufzugreifen. In ihrer Struktur sind die Grünen aber längst den Altparteien allzu ähnlich geworden. Vielleicht mag da dem ein oder anderen grünen Urgestein eine Träne die Wange runter kullern, wenn er sieht, dass die Piratenpartei gründungsgrüne Verhaltensmuster in die Gegenwart transferiert hat.

6. Die Volksparteien haben nicht nur das Thema Internet verschlafen. Sie haben auch ganz allgemein zu wenig Online-Kompetenz und sind ignorant gegenüber den Ansprüchen und Wünschen der "Digital Natives". Wer mit dem Netz groß geworden ist, betrachtet es als natürlichen Teil seiner Alltagsumwelt. Und nicht als "rechtsfreien Raum".
http://www.stern.de/blog/82_wahlfisch/archive/2872_alarm_die_piraten_kommen.html




Und noch ein kleiner Seitenhieb zum Thema "Überwachunsstaat": Aus einem internen Bericht der Britischen Polizei geht hervor, das Überwachungskameras zur Aufklärung von Verbrechen faktisch nutzlos sind. Das zumindest belegen die Statistiken. Dennoch gibt es alleine in London mehr als eine Million Überwachungskameras. Dazu erklärte Member of Parliament David Davis gegenüber der BBC: “Überwachungskameras verursachen immense Kosten bei minimaler Effektivität. Sie bedeuten ein gewaltiges Eindringen in die Privatsphäre, bei kleiner oder nicht vorhandener Verbesserung der Sicherheit.”

Das hat zwar nicht direkt was mit Deutschland zu tun, aber ich denke ihr wisst worauf ich hinaus will...

Tretet ihr auch in Sachsen an?
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Octavianus

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #35 am: 28.August 2009, 14:09:34 »

Tun sie nicht. Zum damaligen Zeitpunkt waren kaum Piraten in Sachsen vorhanden, daher ist Sachsen das einzige Bundesland in dem die Piraten nicht antreten werden.
Genauere Analyse: http://wiki.piratenpartei.de/Sachsen/Bundestagswahl
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robertob

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #36 am: 28.August 2009, 14:15:12 »

Leider ist Sachen das einzige Bundesland, in dem die Piraten zur Bundestagswahl nicht antreten. Aber jetzt am 30. August ist Landtagswahl in Sachen, dort wird die Piratenpartei mit Spitzenkandidat Mirco da Silva antreten. :)

Edit: Octavianus war da wohl schneller. Mittlerweile hat der Sächsische Landesverband aber eine swehr beachtliche Mitgliederzahl aufzuweisen, der Entwicklung der letzten Monate sei Dank.
« Letzte Änderung: 28.August 2009, 14:17:20 von robertob »
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mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #37 am: 28.August 2009, 14:17:32 »

Leider ist Sachen das einzige Bundesland, in dem die Piraten zur Bundestagswahl nicht antreten. Aber jetzt am 30. August ist Landtagswahl in Sachen, dort wird die Piratenpartei mit Spitzenkandidat Mirco da Silva antreten. :)

Danke. Ich meinte auch die Landtagswahlen am 30.8. Na ich werd mir mal den Herrn da Silva anschauen.  :D

Hab mir mal den Stimmzettel im Netz gesucht. Ja, die Zweitstimme wäre für die Piraten drin. Die Erststimme kann ich ja der 31-jährigen blonden Ärztin von den Grünen geben. Aus rein inhaltlichen Gründen natürlich.
« Letzte Änderung: 28.August 2009, 17:47:45 von mancity »
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robertob

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #38 am: 28.August 2009, 22:11:47 »

Das klingt nach ner sehr vernünftigen Entscheidung. Eine Stimme den Grünen, eine den Piraten - Top.  :)

mancity

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #39 am: 28.August 2009, 22:54:08 »

Das klingt nach ner sehr vernünftigen Entscheidung. Eine Stimme den Grünen, eine den Piraten - Top.  :)

Das denke ich auch. Ich hoffe bloß, dass die NPD es nicht zum zweiten Mal schafft. Ich glaub es aber nicht. Selbst im "autonomen" Leipziger Süden, wo ich wohne, haben die bei den Kommunalwahlen fast 2 Prozent erreicht.

Hier noch ein Beitrag zur Situation der Piratenpartei in Sachsen:

http://www.kreuzer-leipzig.de/politik/909
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