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[Beendet] Ein Deutscher im Schottenrock
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Ruben8:

--- Zitat von: Stefan von Undzu am 14.Januar 2015, 14:55:45 ---Krasses Ding. Lass doch einfach dieses lästige Fußball-Zeug weg...  ;)

--- Ende Zitat ---

 ;D ;D ;D dachte ich mir auch eben! :D
Purzel89:
@Stefan von Undzu & Ruben8: Danke, dass es euch scheinbar gefällt.  :D Eigentlich wollte ich noch einen Fußballteil einbauen, habe es aber heut morgen nicht mehr geschafft. Die Actionszenen sind eigentlich auch bewusst kurz gehalten um mehr Platz für Fußball zu lassen. Aber so manches muss halt auch mal erklärt werden.  :laugh:

Kapitel 50: Fußball ist unser Leben - Fußball ist unser Tod

Zum fünfzigsten Jubiläum lass ich heut mal einen passenden Spruch los:
"Manche Leute sagen, Fußball sei eine Sache auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Es ist viel ernster als das." (Bill Shankly)

Obwohl sich Mia schwer verletzt hatte, sträubte sie sich gegen die Hilfe der Rettungssanitäter. Ich bot Mia an, sie mit meinem eigenen Auto ins Krankenhaus zu fahren. Doch sie sah mich an, als wäre ich ein fremder Mann. Sie schien bei dem Sturz das Gedächtnis verloren zu haben. Für einen Augenblick hielt sie inne und sagte schließlich:

Ich kenne Sie nicht und wenn ich die Wahl habe, dann geh ich lieber mit den Sanitätern.

Endlich ließ sie sich von den Sanitätern auf die Trage helfen und wurde in den Krankenwagen geschoben. Ich folgte ihr und wollte auch einsteigen aber der Sanitäter drehte sich um und hielt mich zurück.

Sind Sie ihr Vater?
Adoptivvater. kommentierte ich mit einem Wort. Bitte, sie müssen mich mitfahren lassen. Ich bin ihr einziger noch lebender Verwandter!
Na gut, aber Sie steigen vorne ein. Sie darf sich nicht aufregen.

Ich nickte und ging bereitwillig nach vorn, öffnete die Beifahrertür und setzte mich neben den Fahrer. Vom Fahrer erfuhr ich, dass der Rettungswagen ein Mercedes Sprinter Baujahr 2015 war, der den Rescube Kofferaufbau von Binz hatte. Voller Stolz berichtete er, dass der Rescube die modernste und aktuell beste Lösung auf dem Kofferaufbaumarkt war. Die Einrichtung war von erfahrenen Krankenhaus-Designern entwickelt worden. Sie wurde homogen gestaltet und erstmals auf der Rettmobil 2014 in Fulda vorgestellt.

Im Krankenhaus wurde Mias Platzwunde am Kopf genäht und schließlich unterschrieb sie einen Zettel, dass sie sich entgegen ärztlichen Rates selbst entließ. Dann lief Mia Richtung Ausgang und um ihr keine Angst zu machen, folgte ich ihr schweigend mit einigen Metern Abstand. Doch als sie durch die Ausgangstüren nach draußen in den kalten Frühjahrswind lief, schien ihr klar geworden zu sein, dass sie überhaupt nicht wusste, wo sie war. Sie fasste sich an den Kopf und drehte sich um, wo sie orientierungslos beinahe in mich hinein gelaufen wäre. Sie schaute mir zu auf und wirkte immer noch genauso verwirrt.

Wer bist du? Warum verfolgst du mich?
Ich bin dein Adoptivvater.
Ah! Ado- Mitten im Wort hielt sie inne. Moment... ich muss das... hä was nochmal?
Ich heiße Michael Lagwitz und ich habe dich adoptiert.
Aber... wenn du... dann muss... was ist überhaupt passiert?
Du bist aus dem ersten Obergeschoss eines Hauses gestürzt. Es war eine ziemlich harte Landung und scheinbar hast du dein Gedächtnis verloren.
Okay... oder nicht okay! Was ist mit meinen Eltern passiert?
Dein Vater sitzt im Gefängnis und deine Mutter wurde ermordet.
Hat mein Vater meine Mutter ermordet oder wie?

Für ein Mädchen, das gerade auf den Kopf gefallen war, hatte sie einen messerscharfen Verstand. Trotzdem lag sie mit ihrer Vermutung falsch.

Nein. Aber du solltest dich erstmal darauf konzentrieren, deine positiven Erinnerungen wieder hervor zu holen.
 
Plötzlich hielt vor uns ein Skoda Octavia Polizeifahrzeug und zwei Polizisten stiegen aus. Sie gingen auf mich zu und der Fahrer sprach auf tschechisch mit mir.

Mister Lagwitz? Chceme, aby se zeptat na pár otázek o defenestraci.
Ich verstand nichts außer Defenestration. No Czech. Only German and English.
Doprovázet nás na policejní stanici
Policejni? You want me to go to the police station?
Yes yes, to Polizei Bahnhof.
Ich drehte mich zu Mia: Sie wollen, dass wir zum Polizeirevier mitkommen.

Mia nickte nur und wir setzten uns beide auf die ungepolsterte Rückbank des Streifenwagen. Nach einer zehnminütigen Fahrt erreichten wir das Polizeirevier nahe des Prager Hauptbahnhofes. Wir folgten den Polizisten zu einem kleinen stickigen Raum, wo wir auf zwei Plastikstühlen an einem großen breiten Holztisch warten mussten. Auf dem Tisch waren zwei Bildschirmarbeitsplätze, deren Monitore Rücken an Rücken standen. An den Wänden hingen Fahndungs- und Vermisstenbilder sowie einige Plakate, die durchaus Abschreckungspotenzial hatten. In Tschechien kannte man scheinbar keine Tabus oder Zensuren. Die Bilder wirkten wie bizarre Malereien, deren Hauptfarbe blutrot war.

In den nächsten zwei Stunden versuchte die tschechische Polizei verzweifelt einen Dolmetscher zu finden. Währenddessen versuchte ich Mia genauso erfolglos zu erklären, dass ich ein guter Mensch war und sie beschützen wollte. Aber alle Versuche wurden von ihr abgewiesen. Irgendetwas schwelte in ihr und ich versuchte fieberhaft herauszufinden, an was sie sich tatsächlich erinnern konnte. Nach einiger Zeit klingelte mein Handy. Ich kramte in meiner Hosentasche und zog mein iPhone heraus. Doch der Polizist schüttelte den Kopf und zeigte auf eines der Plakate. Erst jetzt bemerkte ich das mehrsprachig gedruckte Plakat, auf dem "Keine Mobiltelefony - Telefonieren aus Seite." stand.

Ich versuchte zu überlegen, was das wohl bedeuten könnte und entschied dann, dass das Gespräch nicht warten konnte und verließ den Raum. Die Polizisten machten keine Anstalten, mich aufzuhalten also ging ich zum Ausgang und vor dem Gebäude setzte ich mich auf die Treppenstufen. Dann nahm ich das Gespräch an.

Hier Lagwitz, wer spricht da?
Hi Trainer, hier ist Fisayo. Wo sind Sie? Unser Bus wartet noch, sie wollten doch dem Bus hinterher fahren.
Ich bin grad bei der Polizei. Ihr könnt schon mal vorfahren, ich komm mit meinem Auto dann nach.
Bei der Polizei? Was ist passiert?
Das ist eine zu lange Geschichte und ich will euch jetzt nicht aufhalten.

Ich verabschiedete mich und legte auf. Da fiel mir ein, dass ich bei der Gelegenheit auch gleich Kriminalhauptkommissar Verpakovskis in Riga anrufen konnte. Wie immer nahm er schnell ab.

Hauptpolizeidirektion in Liepaja, Verpakovskis guten Tag.
Hallo hier ist Lagwitz.
Seine Stimme triefte voller Ironie: Lange nicht mehr von Ihnen gehört! Ich dachte schon, Sie wären tot!
Hören Sie, ich brauche Ihre Hilfe! Das ist mein Ernst!
Mit einem Schlag war alle Ironie wie verflogen und Verpakovskis sprach mit ernster Stimme. Ich bin nicht ihr Privatdetektiv! Sie sollen mich nicht einmal im Monat anrufen! Das ist mein Ernst!
Aber ich brauche den Obduktionsbericht von Anita Lagwitz und ich weiß, dass nur Sie ihn mir liefern können.
Warum das denn? Die Todesursache ist klar. Ihre Frau wurde von der Druckwelle der Explosion getötet.
Es geht nicht um die Todesursache. Wer hat die Leiche identifiziert?
Das waren Sie!
Ich habe ihren Leichnam aber nie gesehen.
Es war auch nicht nötig, dass Sie die Leiche sehen, denn da gab es nicht mehr viel zu identifizieren. Kleidungs- und Schmuckstücke waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Mir schauerte es und ich musste einen plötzlichen Würgereiz unterdrücken.

Sie hatte keine lebenden Verwandten mehr und Sie waren die einzige Person, die bezeugen konnte, dass Frau Lagwitz bei der Explosion gestorben war.
Okay, ich will die Leiche trotzdem sehen. Vielleicht gibt es irgendetwas, dass Sie übersehen haben.
Was soll das heißen? Denken Sie, dass die lettische Polizei korrupt ist? Wir haben es nicht nötig, einen Obduktionsbericht zu fälschen. Glauben Sie ernsthaft, dass bei so einer Explosion irgendetwas übrig bleibt? Wir waren froh, dass wir noch die Körperteile zusammensetzen konnten.

Jetzt war es zu spät. Mein Mageninhalt kam schneller hoch, als ich "Scheiße" sagen konnte. Die Speisen meiner letzten drei Stunden ergossen sich auf die Treppenstufen.

Scheinbar hatten meine Kotzgeräusche sein Mitgefühl angeregt, denn Verpakovskis sagte schließlich: Also meinetwegen können Sie die Leiche sehen, aber machen Sie sich nicht allzu große Hoffnungen.
Ich melde mich, sobald ich wieder in Liepaja bin.
Lassen Sie sich Zeit, die Toten können warten. sagte Verpakovskis und versuchte die Unterhaltung ins Lächerliche zu ziehen.
Aber die Lebenden nicht! Ich habe demnächst ein Länderspiel gegen Lettland. Dann komme ich und Sie bereiten alles vor.
Ich stelle das Fleisch schon mal in die Mikrowelle, dann ist es warm wenn Sie da sind.
Sie sind ein Arschlosch, wussten Sie das?
"Man soll die Hand nicht fressen, die einen füttert." - Ist ein deutsches Sprichwort. Wussten Sie das?

Verpakovskis hatte aufgelegt und ich hatte das Gefühl, dass Verpakovskis sich bald eine neue Telefonnummer zulegen würde.

Als ich zurück in das Polizeigebäude lief und in den Raum ging, wo die Polizisten auf mich warteten, war auch endlich der Dolmetscher da. Meine Zeugenaussage wurde aufgenommen und man erzählte mir auch, dass es einen weitern Augenzeugen gab, der ausgesagt hatte, dass ich die stürzende Anita versucht hatte festzuhalten. Anitas Leiche wurde nicht gefunden, also vermutete die Polizei einfach, dass der Augenzeuge das Alter der stürzenden Person falsch einschätzte und in Wirklichkeit Mia gesehen hatte.  Es gab niemanden, der gesehen hatte, wo Anita hin verschwunden war. Die tschechische Polizei kam zu dem Schluss, dass der Sturz ein tragischer Unfall war und ich durfte wieder gehen.

04.04.2015

Unglaublicherweise schaffte ich es tatsächlich, mich endlich wieder auf Fußball zu konzentrieren. Ein wunderschönes 4:1 hielt unsere Aufstiegshoffnungen noch am Leben. Nach unserem glänzenden Saisonstart mit 6 Siegen in Folge und langer Tabellenführung war unsere Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte massiv eingebrochen.

Forfar Athletic - Elgin City: 4 - 1
Adarabioyo (38.), Crawford (44., 61.), McMullan (53.) - Cameron (14.)

11.04.2015

Auf absolutes Unverständnis seitens der Fans traf ich, als wir gegen die heimschwache Mannschaft aus Clyde verloren.

FC Clyde - Forfar Athletic: 1-0
Carine (3.)

25.04.2014

Ein Gegner in Sachen Aufstiegsambitionen war die Mannschaft aus Fife. Auch hier verloren wir mit nur einem Tor Unterschied.

FC East Fife - Forfar Athletic: 1 - 0
Duffy (6.)

02. Mai 2015

Doch am allerschlimmsten war das Unentschieden gegen FC Queens Park. Trotz zweier verwandelter Foulelfmeter konnten wir nicht gewinnen.

Forfar Athletic - FC Queens Park: 2 - 2
Templeman (40. Elf., 47. Elf.) - Cummings (76., 85.)

Abschlusstabelle Saison 2014/15




Zum fünfzigsten Jubiläum noch ein Wort von Uwe Ochsenknecht (Bild aus "Fußball ist unser leben"):


Purzel89:
Fun Fact of the Day: Büsingen am Hochrhein ist eine deutsche Stadt innerhalb Schweizer Grenzen.

Kapitel 51: Der Tag der Abrechnung

03. Mai 2015

Einen Tag nach unserem missglückten Aufstieg wurde ich entlassen. Das kam nicht sonderlich überraschend, also hatte ich bereits einige Bewerbungen vorbereitet, die ich dann am Tag der Entlassung in den Briefkasten warf.

13. Mai 2015

Erst zehn Tage später kam eine Antwort. Ich wurde nach Berwick-upon Tweed eingeladen. Obwohl die Berwick Rangers in der dritten schottischen Liga spielten, lagen der Verein und das Stadion in England. Die Verhandlungen wurden kurz gehalten und die Verträge wurden am selben Tag unterschrieben. Denn der Verein hatte eine ganz besondere Aufgabe für mich: Ich sollte die Playoffs gewinnen und so den Klassenerhalt sichern.





Mir wurde auch eine kleine Einführung in die Vereinsgeschichte geboten. Der letzte Meisterschaftstitel war der Gewinn der vierten Liga im Jahr 2007.

14.05.2015

Doch mein erstes Spiel begann nicht so prickelnd. Nach einer halben Stunde lagen wir schon mit zwei Toren im Rückstand. Jonathan Black brachte uns glücklicherweise den Ausgleich, aber zehn Minuten später ging Annan Athletic wieder in Führung und gewann das Hinspiel.

Annan Athletic - Berwick Rangers: 3 - 2
Stokes (14.), Russell (31., 69.) - Black (54., 59.)

16.05.2015

Im Rückspiel lief es dann ganz anders als erwartet. Diesmal legten wir vor und Annan Athletic hatte aufzuholen. Das gelang ihnen auch in der 60. Minute, sodass es im Gesamtstand unentschieden stand. Eine Verlängerung musste die Entscheidung bringen und tatsächlich erzielte Ross Gray in der 105. Spielminute den Siegtreffer. Jetzt ging es ins Playoff-Finale.

Berwick Rangers - Annan Athletic: 3 - 1 (5 - 4 Gesamtstand)
Frizzell (14.), Buchanan (43.), Gray (105.) - Davidson (60.)

19.05.2015

Mit voller Motivation spielten wir im Finalhinspiel ein überragendes Match.

Berwick Rangers - FC Peterhead: 4 - 0
Black (12.), Gray (30.), Currie (37.), Lavery (40.)

23.05.2015

Aber unglaublicherweise offenbarte sich eine Auswärtsschwäche, denn im Balmoor Stadium warfen wir fast noch den Klassenerhalt weg.

FC Peterhead - Berwick Rangers: 4 - 2 (Gesamtstand 4 - 6)
Linn (1.), Willis (6.), McGlinchey (38.), McKeown (78.) - Gray (63.), Stewart (90+2)

Logischerweise wurde Ross Gray verdientermaßen Spieler des Monats und ich selbst wurde Trainer des Monats.

01.06.2015

Zu Beginn der Sommerpause kam ein alter Bekannter über die Grenze. Odmar Færø von Forfar Athletic wurde ablösefrei verpflichtet. Außerdem hielt ich nach einem dritten Torwart Ausschau, hatte aber noch niemanden gefunden, der für uns spielen wollte.



Graeme Holmes' Vertrag wurde aufgelöst, nachdem seine schwachen Leistungen und seine Gehaltsvorstellungen nicht zu meinem Mannschaftskonzept passten.

12.06.2015

Zypern tauchte wohl in den Alpträumen aller Mannschaften auf. Immer noch an der Tabellenspitze liegend wollten wir Zypern endlich vom Thron stoßen. Klappte auch 79 Minuten ganz prima und wir sahen schon wie der sichere Sieger aus. Aber die Zyprioten durfte man niemals zu früh abschreiben. Innerhalb von 10 Minuten glichen zwei vereinslose Spieler aus und so stand es am Ende 2 - 2.

Schottland - Zypern: 2 - 2
Rhodes (2.), Adam (74.) - Tsiaklis (79.), Theofanous (89.)

Man mag es kaum glauben, aber Zypern blieb damit Tabellenführer und hatte bereits fünf Punkte Vorsprung auf uns. Das nächste Spiel gegen Lettland musste gewonnen werden, um die Bedrohung durch Deutschland abzuwenden.

Purzel89:
Fun Fact of the Day: Im US-Bundesstaat Ohio ist es verboten, einen Fisch betrunken zu machen. http://www.dumblaws.com/laws/united-states/ohio

Kapitel 52: Highway to Hell

Ähnlichkeiten zu "Alarm für Cobra 11" sind rein zufällig.

16.06.2015

Da es noch einige Zeit dauerte, bis endlich das Auswärtsspiel gegen Lettland kam, war ich überrascht, als eines Tages Kommissar Verpakovskis bei mir anrief.

Zur Begrüßung fragte ich belustigt: Oh, habe ich was verpasst? Seit wann ruft die lettische Polizei ihre Augenzeugen an?
Mir fallen tausend Gründe ein, gleich wieder aufzulegen, aber ich habe wichtige Informationen für Sie, die nicht warten können.
Welche Informationen wären das?
Auch wenn einige Teile des Opfers weit versprengt wurden, - Er legte eine kurze Pause ein, damit ich es sacken lassen konnte. - konnte man die ungefähre Körpergröße der Leiche feststellen. Ich weiß wie bescheuert das klingt, aber -
Moment, ich öffne eine X-Akte und schreibe mit.
Also das ist nicht unbedingt mysteriös, aber es ist seltsam. Sie sind sich ganz sicher, dass es Anita Lagwitz war, die in der Explosion ums Leben kam?
Entweder war sie es oder eine Frau, die ihr ähnlich sah.
Sie können mit Sicherheit ausschließen, dass die Person kein Kind war?
Ja, natürlich kann ich das ausschließen!
Ich frage dies deshalb, weil die Leiche schätzungsweise nicht größer als 1 Meter 53 war. Obwohl wie gesagt einige Körperteile nicht mehr gefunden werden konnten, kann der Leichenbeschauer mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass das Opfer noch nicht die Volljährigkeit erreicht hatte. Eine höhere Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt sich nicht mehr machen.
Das ist unmöglich! Anita war fast 180 Zentimeter groß. Hat jemand den Obduktionsbericht fälschen können?
Ich habe die Leiche selbst gesehen... Selbst ohne medizinische Fachkenntnisse waren die Vermutungen des Arztes einleuchtend.
Und wenn jemand die Leiche ausgetauscht hat?
Sie spekulieren zuviel. Anita Lagwitz war eine ganz normale Person und da sehe ich keinen Grund für irgendwelche postmortalen Eingriffe durch kriminelle Personen.
Wenn Sie gesehen hätten, was ich gesehen habe, dann hätten Sie tausend gute Gründe, gleich wieder aufzulegen - um dann der Sache sofort nachzugehen.
Dann sagen Sie mir, was Sie gesehen haben!
Das geht nicht am Telefon! Bringen Sie den Obduktionsbericht persönlich nach Glasgow, wir treffen uns dort. Ich werde Ihnen Zeit und genauen Ort mitteilen, sobald Sie unterwegs sind.
Ich mache keine Auslandseinsätze. Das schottische Hoheitsgebiet fällt nicht in meinen Aufgabenbereich.
Dann nehmen Sie Urlaub! Diese Sache duldet keinen Aufschub! Wenn es stimmt, was ich vermute, dann läuft da ein ganz großes Ding!

Um 19:30 Uhr gab es in Glasgow unser Länderspiel gegen Lettland und ich musste wegen des Timings von Verpakovskis schon fast ein wenig schmunzeln. Wir gönnten uns am Anfang und Ende der zweiten Halbzeit jeweils ein Tor und machten einen lockeren Sieg spruchreif.

Schottland - Lettland: 2 - 0
Rhodes (46, 90+2)



17.06.2015

Janis Verpakovskis brauchte es sich nicht zweimal sagen lassen, den Obduktionsbericht nach Glasgow zu bringen. Auch wenn er die seltsame und zugleich nervige Art von Herrn Lagwitz nicht mochte, war er doch interessiert, zu erfahren, was der deutsche Fußballtrainer herausgefunden hatte. Janis hoffte lediglich, dass es auch wirklich wichtige Informationen waren. Denn er muste auf eigene Kosten nach Glasgow fahren. Fliegen war zu teuer, also blieb nur als Alternative sein GAZ Wolga. Obwohl der Wagen Baujahr 2002 war, blieb gelegentlich das Getriebe im dritten Gang hängen und an roten Ampeln würgte sich der Motor manchmal von selbst ab. Aber im Allgemeinen war Janis Verpakovskis mit dem Wagen zufrieden. Als Lette fühlte er sich einfach verpflichtet, einen Wagen einer russischen Marke zu besitzen, zumal er auch noch Hauptkommissar in Liepaja war. Seine eigenwilligen Rechercheanfragen und das Hängen am Lagwitz-Fall hatte ihn auf der Abschussliste der lettischen Regierung ganz oben stehen lassen. Das hieß für ihn entweder Pension oder Versetzung. Streifendienst war langweilig und bedauernswert. Aber es könnte ja noch schlimmer kommen: Bildschirmarbeit!

Auf der A2 bei Braunschweig war wieder mal eine Baustelle und Janis war froh, dass sich der Verkehr in normalem Tempo durch das Nadelöhr bewegte. Kein Stau stand Janis im Weg aber er konnte einen slowakischen Reisebus in der Baustelle nicht überholen, weil sein Wagen zu breit für die eingeengte linke Spur war. Der Verkehr wurde auf die Gegenfahrbahn umgeschwenkt und schlängelte sich nun zwischen zwei niedrigen Betonmauern links und rechts hindurch. Obwohl Janis aus Lettland schlimmere Baustellen gewohnt war, bereitete ihm die schlechte Absicherung zur Gegenrichtung ein wenig Unbehagen. Auf der rechten Seite arbeiteten Bauarbeiter auf einer Teermaschine, die den Teer auf den Sand schüttete. Eklig riechender Dampf von der Maschine zog wie eine plötzliche Nebelfront über den Baustellenbereich und Janis vergrößerte sicherheitshalber den Sicherheitsabstand zum Reisebus.

Als Janis durch die Dampfwolke gefahren war sah er in mehreren Metern Entfernung einen Bagger, der in der Baustelle den alten Asphalt aufriss, während eine Walze bereit stand, um den Sand zu plätten. Ihm fiel nicht der mattschwarze Skoda Superb auf, der ihm bereits seit der deutschen Staatsgrenze folgte. Im Superb saß auf der Rückbank ein fein gekleideter Herr. Der Mann griff nach seinem Handy und ließ dabei den Wagen von Verpakovskis nicht aus den Augen. Wie der Herr bereits erwartet hatte, nahm sein Gesprächspartner den Anruf rasch an.

Ja? fragte der Angerufene.
Alpha an Omega, Falke nähert sich dem Nest.
Eine kurze Pause, dann reagierte der Angerufene: Aber da ist der Reisebus im Weg!
Dann stoß ihn um!
Da sind unschuldige Menschen im Bus!
Mach jetzt!! Ich dulde keine Widerrede! Der Falke muss erlegt werden!

Wirsch legte der feine Herr den Anruf auf und schob sein Handy wieder in die Hosentasche. Er tippte seinem Fahrer zum Zeichen zweimal auf die rechte Schulter. Der Skoda beschleunigte, scherte zum Überholen aus und fuhr an dem Wolga und dem Reisebus vorbei.

Der Bagger stand ganz dicht an der Leitplanke und der Baggerführer schwenkte die Schaufel herum. Die Schaufel schlug in die Seite des Reisebusses ein. Begünstigt durch den leichten Seitenwind kippte der Bus um und fiel auf die Gegenfahrbahn. Verpakovskis hatte das Unglück zu spät kommen sehen. Er versuchte, dem kippenden Bus auszuweichen und raste in die Baggerschaufel, die wie eine ausgestreckte Hand über der rechten Fahrbahn hing. Das Dach des Wolga wurde abgeschert und die Schaufel traf Verpakovskis am Kopf. Der Kommissar war auf der Stelle tot und das Auto rollte unkontrolliert in eine Nothaltebucht hinein. Der Wagen traf die Unterbrechung der Leitplanke in einem solchen Winkel, dass der Wagen hoch stieg, durch die Luft flog und in einen mit den Resten des alten Asphalts beladeten LKW krachte.

Als der Bus über die provisorische niedrige Mittelleitplanke kippte, hatten die Autofahrer auf der Gegenfahrbahn kaum Reaktionszeit zur Verfügung. Durch den geringen Platz genügte allein dieser Unfall, um eine Massenkarambolage auszulösen. Als der erste PKW in die Front des auf der Seite liegenden Busses einschlug, war dies erst der Anfang. Zwei weitere Autos schafften es ebenso nicht und die zerstörten Wracks blockierten die Fahrbahn. Die nächsten Fahrzeuge schafften mit quietschenden Bremsen den Stillstand und es kam nur zu Auffahrunfällen.  Aber ein Tanklasterfahrer, der unkonzentriert gewesen war, bremste viel zu spät. Er schob die bereits stehenden Fahrzeuge wie Spielzeugautos zusammen und der Fahrer riss das Lenkrad herum, um nicht auch noch in den Bus zu rasen. Durch das hastige Lenkmanöver geriet der Tankanhänger ins Schlingern und kippte um. Der Anhänger löste sich von der Zugmaschine und rutschte in den Bus. Eine gewaltige Explosion folgte und Trümmerteile flogen in alle Richtungen.

Der schwarze Superb hatte hinter der Unfallstelle angehalten und der feine Herr dachte eigentlich, dass sie in sicherer Entfernung waren, aber dann schlug plötzlich ein brennendes großes Trümmerteil vor dem Skoda in den Asphalt. Sie warteten, bis der Baggerfahrer zum Skoda gerannt war. Dann öffnete der Baggerfahrer die rechte Hintertür des Skoda. Der feine Herr zog eine tschechische CZ 75 neun Millimeter Pistole aus seiner Manteltasche und schoss dem überraschten Baggerfahrer dreimal in die Brust. Als der feine Herr sich sicher war, dass der Mann tot war, klopfte er seinem Chauffeur erneut zweimal auf die rechte Schulter. Der mattschwarze Skoda setzte sich erst langsam in Bewegung und wurde schließlich immer schneller, bis er verschwunden war.
Purzel89:
Fun Fact of the Day: Am 23. Oktober 1989 konnte Pilot Heinz-Dieter Kallbach erfolgreich eine Ilyushin IL-62 auf einer 900 Meter langen Ackerlandebahn landen. Das Flugzeug war modifiziert, denn eine gewöhnliche IL-62 braucht eine Landebahn von mindestens 2500 Metern Länge.

Kapitel 53:

05.07.2015

Es war schwierig, zu Mia eine Bindung aufzubauen. Sie konnte sich an kaum etwas erinnern und akzeptierte nur widerwillig, dass sie bei mir wohnen musste. Ich versuchte ihr, alle Erinnerungen wieder hervorzurufen, aber sie wehrte sich dagegen. Das hieß, ich musste wieder ganz von vorne anfangen. Ihre Ängste wegen der Entführung im Kindesalter waren durch den Verlust ihrer Muter sehr ausgeprägt und wie es meine Erfahrung lehrte, passte ich diesmal besser auf. Die Haustür schloss ich nicht mehr ab.

Besonders ungewohnt für Mia war es, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen. Weil sie mir nicht glauben wollte, versuchte sie per Anhalter nach Hamburg zu kommen. Doch glücklicherweise wurde ihr Vorhaben bereits frühzeitig im Keim erstickt und ich brachte sie sicher nach Hause. Dann suchte die Rufnummer ihrer alten Schule aus, wählte die Nummer im Telefon und gab ihr schließlich den Hörer. Einige verdutzte Augenblicke später legte sie wieder auf und starrte vor sich hin. Schließlich ging sie kommentarlos auf ihr Zimmer und kam erst zum Abendessen wieder heraus.

Ich versuchte in der Zwischenzeit Kommissar Verpakovskis anzurufen und glaubte schließlich, dass der lettische Polizist die Verabredung nicht wahrnehmen wollte und seine Rufnummer abgeschaltet hatte. Sicher war ihm die Geschichte zu verrückt und er wollte nichts mehr davon wissen. Denn egal wann ich anrief, immer war er nicht zu erreichen. Doch als ich abends den Papierkorb in der Mülltonne entleeren wollte, entdeckte ich in einer alten Zeitung vom Juni einen Zeitungsartikel, der mich erschaudern ließ.

Ich nahm das zerknitterte Papier und trennte den Artikel vorsichtig vom Rest der Zeitung.

Massenkarambolage auf der A2 - 5 Tote
Braunschweig - Ein Baggerfahrer hat gestern Nachmittag in der Baustelle zwischen den Anschlussstellen Braunschweig-Flughafen und Braunschweig-Ost einen Verkehrsunfall mit mehreren beteiligten Fahrzeugen verursacht. Unter den fünf Toten war der Baggerfahrer selbst und ein lettischer Polizist, der außerdienstlich unterwegs war. Der Baggerfahrer ist mit drei Kugeln in der Brust tot aufgefunden und daher prüft die Polizei in Braunschweig zurzeit einen Zusammenhang zwischen den zwei Personen. Da der Baggerfahrer keine Ausweise dabei hatte, ist seine Identität bisher noch unklar. Doch die Polizei geht davon aus, dass der Mann kein deutscher Staatsbürger ist.

Für einen schrecklich kurzen Moment der Ruhe vergaß ich völlig, dass ich heute als neuen dritten Torwart Scott Mathieson von meinem Exklub Forfar Athletic verpflichtet hatte.



Mein letzter Hoffnungsschimmer glitt dahin. Wie sollte ich ohne den Obduktionsbericht und ohne Leiche mehr über Anita heraus finden? Welche Alternativen waren mir erhalten geblieben?

Zum Freundschaftsspiel hatte ich übrigens meinen Co-Trainer geschickt und ich hatte tatsächlich nicht viel verpasst. Außer der Verletzung von Nick Watson brachte das Unentschieden uns keine Einblicke in den Wert meiner Taktik.

Berwick Rangers - FC Millwall: 0 - 0
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