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Sprachen lernen - nicht im FM.
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Octavianus:
Die kyrillische Schrift beherrsche ich schon seit Kindertagen, daher bereitet mir das keinerlei Probleme. Viele Bulgaren verwenden in WhatsApp und Konsorten zunehmend auch das latinisierte Alphabet und schreiben dann dennoch Bulgarisch. Damit habe ich beispielsweise Probleme, weil ich die Wörter dann aussprechen muss, um sie zu verstehen.

Wir sind ja ein deutschsprachiges Gymnasium, deshalb sollen die Schüler möglichst viel Deutsch sprechen und hören, das klappt je Klasse mal mehr oder weniger gut. Mit mir reden sie ausschließlich Deutsch, aber untereinander sprechen die meisten nach wie vor Bulgarisch. Da die Schüler in Klasse 8 ein extremes Deutschprogramm zu absolvieren haben (fast 20 Wochenstunden), können die meisten nach einem Jahr Deutsch auf dem Niveau von A2 bis B1, manche sind sogar noch weiter. Unser Ziel ist es, möglichst alle in Richtung C1 zu bekommen, unsere Abiturklassen, die das deutsche Abitur ablegen werden, sollen am Ende sogar Deutsch auf C2-Niveau sprechen (also quasi muttersprachlich). Das gelingt nicht allen, aber viele von ihnen können sich wirklich hervorragend schriftlich wie mündlich ausdrücken, manche sogar besser als deutsche Schüler, wobei sie teilweise eigentümliche Ausdrücke verwenden. Und natürlich bekommen die wenigsten von ihnen den slawischen Akzent raus. Die überwiegende germanische Initialbetonung bereitet den Schülern oft Schwierigkeiten, die man nur mit viel Übung wegbekommt.
Beispiel: leben spricht fast jeder Bulgare so aus lebben
White:
's lebbe geht weida :P

Ich mein, so nen Akzent bekommt man auch schwer weg. Ich merke das ja auch bei mir extrem. Ich bin ja quasi zweisprachig aufgewachsen, denn unser heimatlicher Dialekt hat mit Deutsch nicht mehr allzu viel zu tun. Wenn "wir" irgendwo in Deutschland weit genug weg von der Heimat entfernt unterwegs sind und im Dialekt reden, werden wir relativ oft für Ausländer gehalten. Und das wurde deutlich mehr geredet als Hochdeutsch. Um wirklich (nahezu) akzentfreies Hochdeutsch zu reden muss ich mich gesondert anstrengen. Geht es dann erst ans Englische wird es katastrophal xD. Wenn ich mit englischen Muttersprachlern rede ernte ich in der Regel extremes Lob für meinen Satzbau und meine Ausdrucksweise, aber mein Akzent ist wirklich widerlich.
Spanisch hingegen spreche ich fast akzentfrei. Da spielt die Art und Weise wie man etwas lernt vermutlich eine große Rolle. Und die "Schulmethode" scheint mir doch deutlich verbesserungswürdig.
Kruj:
Hach ja, Sprachen - ein schönes Thema!

In der Schule fiel es mir immer leicht, Sprachen zu lernen (Englisch und Französisch), aber ich hatte nie die Motivation, aus dem Talent noch mehr zu machen. Die kam erst vor ein paar Monaten und seither habe ich mich bereits intensiv mit dem Thema „Lernen einer neuen Sprache“ befasst, und will euch mal von meiner Methode erzählen, vielleicht kann ja der eine oder andere von euch was daraus mitnehmen.

Viele von euch benutzen Online-Portale wie Babbel oder Rosetta Stone, soweit ich das überblicken kann. Ich stehe solchen Portalen ziemlich kritisch gegenüber, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass man damit eine steile Lernkurve erzielen kann - von einem hohen Niveau ganz zu schweigen. Ich habe Babbel mal für eine Zeit ausprobiert, und ich fand das ehrlich gesagt ziemlich nutzlos... Auch die monatlichen Beiträge halte ich für nicht sinnvoll, ich kaufe mir da lieber einen Sprachkurs in materieller Ausführung sowie Wörterbücher, ist auf Dauer billiger und man hat für den Rest seines Lebens Material zum Nachschlagen da, das niemals verschwindet.

Was ich aus eigener Erfahrung nur wärmstens empfehlen kann, sind die Sprachkurse „mit System“ von Langenscheidt. Das gibt’s in über 15 Sprachen und man erreicht damit schon mal das B1-Sprachniveau. Ich habe sämtliche Sprachkurse getestet, aber diese System-Kurse von Langenscheidt sind vom Aufbau und Inhalt her unschlagbar. Sie sind nicht gerade billig (44,99€ pro Sprache), aber auf Amazon kann man sich teilweise noch ältere Ausgaben von 2011 oder so für gerade mal 20 Euro erstehen, die inhaltlich 1:1 identisch sind mit den Neuauflagen.

Die Bücher behandeln die komplette (!) Grammatik der jeweiligen Sprache und ist gespickt mit Übungsaufgaben - auch das Hörverständnis und das aktive Sprechen kommt dabei nicht zu kurz. Insgesamt sind 4 Audio-CDs mitgeliefert. Quasi ein Rundum-Sorglospaket.

Einziges Manko bei den Langenscheidt-Sprachkursen ist das Vokabular. Es sind nur 1500 Wörter darin enthalten, und oftmals sind auch sehr unwichtige Vokabeln enthalten, die man niemals brauchen wird, während ein Haufen wichtiger Vokabeln komplett fehlen. Wer also eine Sprache wirklich gut und fließend sprechen möchte, wird nicht drum herumkommen, sich noch über so einen Sprachkurs hinaus zusätzliches Vokabular anzueignen. Meiner Erfahrung nach muss man mindestens 8.000 Vokabeln können, um sich in einer Sprache einigermaßen fließend und spontan ausdrücken zu können. Mehr ist sogar noch besser (klingt abschreckend, ich weiß - aber so ist es halt).

Ich habe das in der englischen Sprache gemerkt in den letzten Monaten. Ich habe dort bereits einen Wortschatz von 6.000-7.000 Wörtern, aber mein Wortschatz ist immer noch voller riesiger Lücken, die es mir nach wie vor unmöglich machen, mich fließend und idiomatisch auszudrücken. Was übrigens wirklich bei allen Sprachkursen auffällt - egal, von welchem Anbieter man sich einen kauft - ist der riesige Mangel an Adjektiven. Überall wird man mit (oftmals völlig unwichtigen) Substantiven überschüttet, aber selbst wichtigste Adjektive fehlen völlig.

Meine Vorgehensweise dagegen ist: Sobald ich einen Langenscheidt-Sprachkurs durchgemacht habe, nehme ich mir ein Wörterbuch zur Hand und gehe es KOMPLETT durch, und schreibe mir alle Vokabeln auf, die ich noch nicht kann und ich mir für mich selbst als wichtig erachte. Das ist ein sehr langwieriger Prozess (alleine das Rausschreiben dauert einige Wochen), aber das ist es auf jeden Fall wert. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie viele Vokabeln er lernen und wie gut er die Sprache können will. Bei den Sprachen, die ich zunächst mal lernen will, will ich wirklich auf fließendes Sprachniveau kommen - soll heißen, 8.000-10.000 Vokabeln pro Sprache.
Man muss nicht das dickste Wörterbuch dafür hernehmen. Es gibt ja auch kleinere Wörterbücher. Auch hier benutze ich stets Langenscheidt, und die wählen die Wörter für ihre kleineren Wörterbücher auch sehr gut aus, weshalb man da nur auf sehr wenige Wörter stoßen wird, die man nie brauchen wird. Ideal, um seinen Wortschatz zu ergänzen.

Eine gute Internetseite für Vokabeln ist www.vokabel.org. Die Seite ist komplett kostenlos. Dort kann man sich einen eigenen Account machen, und dann in diesem Account seine eigenen Vokabellisten entwerfen. Einen systematischen Vokabeltrainer beinhaltet diese Seite ebenfalls (Anzahl der Wörter pro Lerneinheiten sowie Lernrichtung (also Deutsch->Englisch oder Englisch->Deutsch) kann dort alles individuell eingestellt werden) und man kann sich seine Vokabellisten auch als .pdf exportieren und sie dann ausdrucken. Das macht sämtliche kostenpflichtige Vokabeltrainer hinfällig.

Und unterschätzt das Lernen von Vokabeln nicht. Ich weiß, dass viele Leute es hassen, weil es verdammt trocken ist. Aber ohne geht es nicht - zumindest nicht, wenn man wirklich fließend sprechen können möchte. Im Internet kursieren tausende von Sprachenlerntipps, wo es z.B. heißt „So lernt ihr eine Sprache, ohne Vokabeln lernen zu müssen“. Nichts für ungut, aber sowas kann einfach nicht funktionieren. Genauso wenig wie die Birkenbihl-Methode. Letztendlich wird euch auch jeder Mensch, der sich richtig gut mit Sprachenlernen auskennt, genau dasselbe sagen. Auf YouTube habe ich mir in den letzten Monaten viele Videos von „Polyglots“ (= Menschen, die mehr als 10 Sprachen fließend beherrschen) angeschaut, viele von ihnen haben ihre eigene Methode zum Sprachenlernen, aber in genau einer einzigen Sache sind sich ALLE einig: Vokabeln lernen ist der absolut wichtigste Punkt beim Erlernen einer neuen Sprache, und es sollte nicht weniger als 80% (!) der Zeit alleine darauf entfallen (Grammatik, Aussprache und Hörverstehen machen die restlichen 20% aus). Denn ohne Vokabeln kann man sich nicht ausdrücken - und wenn man sich nicht ausdrücken kann, kann man eine Sprache auch nicht sprechen. Es geht absolut nichts darüber, einen umfangreichen Wortschatz zu haben. Das ist viel wichtiger als eine perfekte Aussprache etc.

Soviel erstmal von meiner Seite. ;)
DeDaim:
Danke für den umfassenden Beitrag Kruj. :) Für mich war da einiges dabei, weil mich ein Online-Angebot eher nicht anspricht. Die Langenscheidt Sprachkurse kannte ich noch nicht. Ich würde z.B. gerne Schwedisch lernen bzw. verbessern. Ich habe mal vor Jahren einen Grundkurs bei uns an der Uni gemacht, aber das dann nicht weiter verfolgt. Da Schweden aber eines meiner absoluten Lieblingsländer ist (früher verbrachten wir dort jeden Sommerurlaub) und ich es nicht ausschließe, irgendwann einmal dorthin zu ziehen, würde ich die Sprache gerne richtig lernen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass so ein Sprachkurs mit System da genau das Richtige für mich ist. Danke also für den Tipp! :)

Bezüglich der Vokabeln wird dir vermutlich niemand widersprechen. Ich persönlich habe das aber nur bis zur 8. Klasse wirklich motiviert gemacht, danach nur das Nötigste. Glücklicherweise hat mein Englisch nicht zu sehr darunter gelitten, aber manchmal merkt man dann eben doch, dass man nicht genau das sagen kann, was man eigentlich meint.
Kruj:
Für Schwedisch bietet Langenscheidt ebenfalls einen systematischen Sprachkurs an ("Schwedisch mit System").

(Ich werde von Langenscheidt übrigens nicht bezahlt, falls das einer jetzt denken sollte ;) ).
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