Lange hat´s gedauert, aber ich habe die Arthur Chroniken von Bernhard Cornwell durch.
Rezension:
Arthur Chroniken (Der Winterkönig/Der Schattenfürst/Arthurs Letzter Schwur)
Zunächst: Warum hat es lange gedauert? Krankheit und das untypisch schlechte Sommerwetter haben die Lesezeit ein wenig eingegrenzt. Ein weiterer Punkt waren die langen Kapitel. Ich höre nicht mittendrin auf. Und manche Kapitel hatten um die 80 Seiten. Das führte dazu, dass ich manches Mal gar nicht angefangen habe. Zudem war die Trilogie nicht immer ein "Pageturner". Aber ich will hier nicht alles schlecht machen.
Natürlich wird nicht aus Sicht von Arthur erzählt, denn so könnten geschichtliche Lücken nicht überbrückt werden. Einer seiner Krieger, Derfel, steht im Mittelpunkt. Aber mehrfach habe ich mich gefragt, inwieweit diese Geschicht noch als historischer Roman bezeichnet werden darf. ... Wobei, dass ist so nicht richtig. Es ist durchweg historisch, auf Ungenauigkeiten wird hingewiesen (im Nachwort). Aber ob Arthur überhaupt existiert hat und an welchen Schlachten er denn wirklich beteiligt war und viele andere Sachen sind hoch spekulativ. Allerdings möchte ich das nicht negativ auslegen, da es mir primär um Unterhaltung geht.
Der Hauptcharakter war durchweg sympathisch, aber der typische "gute Held". Er handelt zu 95 Prozent ehrenhaft und damit in diesem Fall leider auch etwas durchschaubar. Nebencharaktere wie Nimue, Guinivere und auch Arthur selber sind vielschichtiger angelegt als der Hauptcharakter. Ich habe schon häufiger erwähnt, dass eine Geschichte für mich mit den Charakteren steht und fällt. Hier fehlt mir in diesem Sinne eine Besonderheit. Aber kein K.O.-Kritierum, da der Hauptcharakter halt einfach sympathisch ist.
Die Story schreibt sich natürlich gewissermaßen von selbst. Zumindest der grobe Rahmen ist durch die bekannten Schlachten und soweit bekannt beteiligten Personen (Merlin, z.B. auch Tristan und Isolde) ein wenig vorgegeben. Das Storrytelling ist gut. Gekämpft wird zumeist in Einzelduellen oder in den vielen Lesern sicherlich hinlänglich bekannten Schildwällen. Die Kampfszenen und auch die emotionale Seite daran haben mir gut gefallen. Als spektakulär sind mir aber nur wenige Szenen im Gedächtnis geblieben.
Die Schreibweise des Autors weiß zu gefallen. Es lässt sich flüssig lesen. Charaktere können trotz teils merkwürdiger Namen gut auseindergehalten werden. Auch - vermeintliche - Nebencharaktere haben ihre Eigenheiten. Wichtig in der Geschichte sind auch die Schwüre und die Auffassung bestimmter Männer von diesen Eiden.
Letztlich komme ich um einen Vergleich nicht herum. Mit Rebecca Gable kann sich Cornwell nicht messen. Aber vergleichen möchte ich ihn mit sich selber. Denn seine Uthred Saga (noch nicht abgeschlossen) fand ich besser. Der Hauptcharakter war kantiger, griffiger, gemeiner und... kompllizierter. Auch die Story fand ich von der Erzählung und von den Wendungen etc. packender.
Mein Fazit: Eine solide Buchreihe, mehr aber auch nicht. Cornwell steht hinter seinem neueren Uthred-Zyklus zurück. Positiv formuliert: Er hat sich weiterentwickelt. Im Großen und Ganzen hatte ich mir aber mehr erhofft.
Von Cornwell fehlt mir jetzt noch die Geschichte um den "Heiligen Grahl". Mein nächstes Projekt ist jedoch die aktuelle Trilogie (Rabenschatten) von Anthony Ryan, welche mit "DAs Lied des Blutes" beginnt. Denn der dritte Teil kommt demnächst raus, also gibt es keinen Grund mehr zu warten. Auf diese Story freue ich mich schon. Dem schottischen Autor gehen viele Belobigungen voraus. Ich bin gespannt.
LG Veni_vidi_vici