Nachtrag zur letzten Saison:
Der Sportdirektor war offenbar "nur" nicht in der Lage, einen bestehenden halben Kader vernünftig aufzufüllen. Bereits im Wintertransferfenster sah das deutlich besser und sinnvoller aus - und inzwischen lasse ich ihn machen und breche höchstens mal die Verhandlungen manuell ab (bzw ziehe das Angebot zurück, das er gemacht hat), wenn er wieder versucht, einen 4. Torhüter aus Afrika oder Südamerika zu leihen. Ich meine, er hat ja recht, dass unsere Keeper nicht die allerstärksten sind - aber ich hab schon 3 im Kader - und die haben (a) Vertrag und (b) müssen sie teilweise auch wegen der homegrown-Regeln bleiben. ^^
Abgesehen davon mische ich mich in Transfers inzwischen so wenig wie möglich ein - zumal er auch deutlich mehr (und qualitativ bessere!) Spieler auf dem Schirm hat als ich dank unseres Scouts kenne.
Die Finanzen werden aber möglicherweise absehbar zum Problem - er reizt das Gehaltsbudget ganz schön aus.
Und hat mir den Schock des Tages verpaßt, als ich gemerkt habe, dass er 200k aus dem Transferbudget ins Gehaltsbudget geschoben hat, um noch mehr teure Spieler verpflichten zu können. Wußte gar nicht, dass ein KI-Sportdirektor das überhaupt machen kann!
Überhaupt muss man mal sehen, ob er das mit den Kaderregeln hinbekommt - so viele im Club ausgebildete auch nur im Ansatz brauchbare Spieler hab ich nämlich nicht ... wenn er da 3, 4 von verkauft, muss ich danach zwangsweise mit U21-Kickern spielen, die braucht man nicht zu registrieren...
@Bayernfahne:
Geht mir genauso. ^^

lady in black
Valby/Kopenhagen, Sommer 2046, 1. Division
"Gerard, eine Frage bitte?"Der vergleichsweise junge Mann, der sympathischerweise eine Kapuzenjacke mit dem Logo einer dänischen Death-Metal-Band spazierenträgt, hält mir ein Diktiergerät unter die Nase, als ich eines schönen Junimorgens gerade aufs Vereinsgelände eilen möchte.
Ich unterdrücke einen Seufzer (eigentlich habe ich grad gar keine Zeit, bin schon spät dran, gleich ist Strategiemeeting), bleibe stehen und nicke dem mir fremden Mann zu.
(Diese Angewohnheit, sich gegenseitig mit Vornamen anzusprechen, auch wenn man sich gar nicht kennt, war eine herbe Umstellung für mich. So langsam kann ich damit umgehen, wenn andere das bei mir tun - aber meinen eigenen Reflex, den jeweiligen Nachnamen meines Gegenübers zu benutzen, habe ich bisher nicht mal im Ansatz verdrängen können.)
"Natürlich, fragen Sie ruhig.""Red Bull hat sich ja nun offiziell aus dem Sponsoring Ihrer Trainertätigkeit - und der Ihres Kontrahenten - zurückgezogen. Ändert das Ihre Pläne oder werden Sie Coach bei Frem bleiben?"Ich bringe kurz meine zuckenden Mundwinkel auf Linie, dann antworte ich:
"Dazu kann ich nur das gleiche sagen, was ich seit meinem Dienstantritt hier schon mehrfach gesagt habe - ich bin nicht hier, weil ich das Geld von Red Bull haben wollte. Ich habe Hannes Ringlwadls Herausforderung aus rein sportlichen Gründen angenommen - und an diesen sportlichen Gründen hat sich ja überhaupt nichts geändert. Also ja: selbstverständlich bleibe ich Coach beim BK Frem. - Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich habe einen dringenden Termin einzu..."Der Fremde schaltet sein Diktiergerät aus, nickt und drückt mir mit seiner freien Hand eine Visitenkarte in die Hand.
"Natürlich. - Wenn Sie lokal verwurzelten Journalismus unterstützen möchten, würde ich mich bei Gelegenheit sehr über einen kurzen Anruf von Ihnen freuen. Nur, wenn Sie Zeit haben, natürlich."Dann eilt er davon und ich bleibe mit mehreren Fragen und einer Visitenkarte in der Hand zurück.
Ein kurzer Blick auf das kleine Stück Papier beantwortet aber immerhin schonmal mindestens eine dieser Fragen, denn neben dem Namen prangt auch ein Konterfei...
"Lars Jensen, Dagbladet Information" steht neben dem Bild, zusammen mit einer Telefonnummer, e-mail-Adresse und gefühlt einem dutzend mehr oder minder unwichtiger social media apps.
'
Ach sieh an', denke ich mir so. Mein Gesprächspartner von eben arbeitet also bei "Information", wie die Dänen den Namen dieser Tageszeitung meist abkürzen.
Ziemlich linkes Blatt, das - obwohl lange nicht mehr so weit links wie noch zu Beginn der Achtziger des letzten Jahrhunderts. Schon seit jeher im Selbstverständnis unabhängig (vor allem von Parteien), ist "Information" inzwischen am ehesten als Sprachrohr der auch in Dänemark erstarkten Umwelt- und Klimabewegung zu verorten.
Aber selbstverständlich hat auch diese Zeitung ein Sportressort. Wenn ich mich recht erinnere, sitzen auch ab und zu Reporter von denen bei uns in den Spieltags-PKs.
Jensen hab ich allerdings noch nie gesehen, muss ich gestehen.
Na, vielleicht ruf ich ihn wirklich die Tage mal an...
Aber jetzt muß ich erstmal los - und ein Blick auf meine Uhr belehrt mich, dass ich sogar ganz ganz dringend los muss, denn es ist 9:02 Uhr!
Termin ist um neun.
'Super, Gerard', maule ich mich innerlich selbst an, während ich loshaste.
'Zum ersten Meeting der neuen Saison gleich mal zu spät kommen, echt professionell.'Wie sich herausstellt, ist die Verspätung sogar noch ein bißchen peinlicher als ich das befürchtet habe...
Als ich nämlich endlich in den zweiten Stock des Vereinsgebäudes hoch- und den heute erstaunlich langen Flur entlanggehastet und vor der Tür des Meetingraums angekommen bin, die vier fürs Grundlegend-wieder-zu-Atem-kommen nötigen Schnaufer getätigt und nach kurzem Anklopfen die Tür aufgezogen habe, blicken mich nicht die erwarteten drei, sondern vier Augenpaare an.
"Schön, dass Du es einrichten konntest, Gerard", begrüßt mich Präsident Skjellerup mit einem leicht ironischen, aber glücklicherweise nicht genervt wirkenden Grinsen.
"Setz Dich, Du kommst gerade rechtzeitig."Während ich eine Entschuldigung halb murmle und halb stammle, laufe ich zu dem einen noch freien Platz am Tisch, wozu ich an allen anderen (den obersten Chef mal ausgenommen) vorbei muß:
Als erstes an unserem Sportdirektor Mads Høi, einem blonden Enddreißiger, der an schlechten Tagen wie aus dem Ei gepellt aussieht und über den man sich auf dem Flur das Gerücht erzählt, dass er den Job nur vorübergehend macht - früher oder später würde er sowieso ins Model business zurückkehren. Und ganz ehrlich. rein optisch und stiltechnisch würde ich das sofort glauben, wenn ich ihn nicht schon ein Jahr lang kennen würde.
Er selbst war es, der mir relativ zu Anfang von diesem Gerücht erzählt hat - dabei hat er sich vor Lachen fast verschluckt.
"Die Leute denken sich einen Mist aus, wenn der Tag lang ist! Richtig ist, dass ich während meines Sportmanagement-Studiums ein paar Euro mit Modephotos verdient habe. Aber das war ein scheiß Job, den ich nie im Leben längerfristig aushalten würde! Neenee, ab und zu mal einen neuen Anzug in den Vereinsfarben kaufen und mir selber im Spiegel zunicken reicht mir - hier bei Frem hab ich viel mehr Spaß."Der nächste in der Runde ist mein Co, Mads Rejnhold.
Auch er ein Däne, natürlich - bis auf das luxemburgische Landei, das aufgrund einer Wette mit einem österreichischen Gernegroß hier angeheuert hat, kommen alle Vereinsangestellten aus Kopenhagen oder zumindest aus der näheren Umgebung.
"Co-Mads" ist ein bißchen jünger als sein Namenvetter auf dem Sportdirektorenstuhl - und deutlich legerer glekleidet ist er auch.
Ich hab ihn sehr schnell schätzen gelernt - auf fachlicher wie auch auf menschlicher Ebene ist er ein wirklicher Gewinn!
Tja, und dann wäre da noch dieses bereits erwähnte Paar unbekannter Augen. Diese Augen gehören in ein leider sehr hübsches Gesicht, mit dem ich so überhaupt nicht gerechnet hätte in diesem Meeting.
Nicht, dass ich die Dame kennen würde - weit gefehlt.
Aber dass außer dem Doppel-Mads und Martin noch jemand zum Meeting kommen würde - und dass es dann auch noch ein derart attraktiver Zuwachs sein würde - hat mir natürlich wieder mal keiner gesagt.
Während ich - begleitet von ihrem irritierend ironischen Lächeln und mit erstaunlich wackligen Knien - zu meinem Stuhl wanke, höre ich Martin sagen:
"Das ist übrigens Karoline, unsere Technische Direktorin und ab sofort auch Jugendabteilungsleiterin."Mein Gesicht muß die Frage, die mir durch Kopf schießt, wohl überdeutlich preisgeben, denn Martin beginnt zu schmunzeln.
"Kannst Du natürlich nicht wissen, Gerard - Karoline ist bereits seit vier Jahren in dieser Funktion für uns tätig. Sie war in der letzten Saison nur ... verhindert, weswegen sich Mads und Mads in ihre Aufgaben geteilt haben."Das kurze Zögern in seiner Stimme läßt mich vermuten, dass ich dazu wohl besser erstmal keine Nachfrage stelle.
Das Meeting ist ansonsten gar nicht mal sooo lang, eigentlich geht es ja dabei nur erstmal darum, die Dinge auf die Agenda zu bringen, die in der Vorbereitung auf die neue Saison wichtig sind.
Und da meine Rolle ja auch weiterhin - Red-Bull-Geld hin oder her - ausschließlich darin besteht, mit dem Co-Mads zusammen kurz unsere gewünschte Taktik zu umreißen, sind wir beide sogar noch viel schneller wieder aus dem Meeting raus.
Die anderen drei stecken drin noch etwas länger die Köpfe zusammen.
Das gibt mir die Gelegenheit, bei meinem Co mal unauffällig nachzufragen, wer ... ich komme gar nicht dazu, auch nur den Gedanken zuende zu denken (geschweige denn, meine Subtilität unter Beweis zu stellen), denn sobald wir auf der Treppe zum ersten Stock sind, legt mir Mads die Hand auf den Arm.
"Ein guter Rat unter Freunden, Gerard. Karoline schägst Du Dir am besten sofort wieder aus dem Kopf."
"Äh... wie, was?" Ich bin völlig überrumpelt.
"Ach komm, Du hast sie die ganze Zeit angegafft wie ein liebeskranker Dackel." Er kichert kurz, wird aber sofort wieder ernst.
"Ich mein das ganz ernst: versuchs am besten gar nicht erst."
"Hm ... und warum?""Weil sie nach dem, was letztes Jahr passiert ist, wahrscheinlich sowieso erstmal keine Ambitionen hat ... aber viel wichtiger: weil sie ihren Mädchennamen wieder angenommen hat. Und der lautet Skjellerup."
"Ist sie ... seine Schwester?"Mads nickt nur.
"Und ... äh ... was ist letztes Jahr passiert?""Das werd ICH Dir bestimmt nicht erzählen, das steht mir nämlich gar nicht zu. Und wenn ich DU wäre, würd ich SIE nicht danach fragen."
Na großartig!
Den Rest des Weges zum Trainingsplatz laufen wir schweigend nebeneinander her, aber einmal dort angekommen, sind wir dann doch recht schnell wieder im Trainermodus und beginnen mit der Detailarbeit zu der Grundidee, die wir vorhin im Meeting dargelegt hatten.
Es sollen grundsätzlich zwei Standardtaktiken trainiert werden, die sich leicht auch iwährend eines Spieles ineinander überführen lassen und die uns hoffentlich ein stabiles Grundgerüst liefern, mit dem wir das Abenteuer NordicBet angehen können.
Und ansonsten heißt es erstmal warten, was Anzug-Mads an Spielern verpflichtet - Bedarf wär genug, allein äußern darf ich ihn nicht ....
Ach ja, die Registrierungsregeln für die zweite und erste Liga kommen mir aus den Europapokalen mit Antwerpen und Saragossa sehr bekannt vor - wenn wir es jemals mit Frem nach Europa schaffen, müssen wir uns wenigstens nicht an zwei komplett verschiedene Regelsets für den nationalen und den internationalen Wettbewerb halten.
Aber das ist noch nichtmal Zukunftsmusik, das sind ungelegte Eier.
Sehen die Journalisten mehrheitlich genauso - wir werden von allen wichtigen Sportjournalisten des Landes auf den letzten Platz getippt.
Mal sehen, ob wir da zB durch die hoffentlich erfolgenden Zugänge noch was dran ändern können.