800 000 Euro Ablöse: HSV holt Jarolim
Hamburg - Alle Aussagen der HSV-Verantwortlichen, man werde sich vor Ablauf der Transferfrist definitiv nicht mehr verstärken, entpuppten sich als Sprechblasen. Am Sonnabend analysierten Trainer Kurt Jara und Sportchef Dietmar Beiersdorfer in einem längeren Gespräch noch einmal ausführlich die personelle Lage und kamen zu der Entscheidung, einen letzten Anlauf in Nürnberg bezüglich David Jarolim zu unternehmen.
Mit Erfolg. Der HSV einigte sich mit den Franken auf einen sofortigen Wechsel des Mittelfeldspielers. Der 24-Jährige, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2008 erhält, reiste bereits gestern Abend nach Hamburg. Heute sollen die letzten Formalitäten erledigt werden.
Während Nürnberg ursprünglich eine Ablöse von einer Millionen Euro aufgerufen hatte, einigten sich beide Clubs schließlich bei einer Summe in Höhe von 800 000 Euro, die der HSV aber nicht sofort, sondern innerhalb der nächsten drei Jahre bezahlen kann. Im Gegenzug erhält der Zweitligaclub bei sportlichem Erfolg des HSV einen finanziellen Nachschlag. Die Ausgaben für den Tschechen werden im laufenden Geschäftsjahr durch diesen Zahlungsmodus gering gehalten, das Budget wird durch das vorherige Verleihgeschäft von Cristian Ledesma und die Gehaltseinsparung nicht zusätzlich belastet.
"Ich bin wegen der Trennung ein wenig traurig, da ich viele gute Spiele beim Club gemacht habe", sagte Jarolim gestern nach seinem letzten Spiel für den ,Club' beim 2:0 im DFB-Pokal gegen die Reinickendorfer Füchse. "Ich war selbst überrascht, dass der Wechsel so rasch vollzogen wurde." Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf und seinen Kollegen schien die Trennung von ihrem Spielmacher schwer zu fallen: "Es tat weh, viele Spieler hatten Tränen in den Augen", so Wolf.
Die Verpflichtung des Offensivmanns ist vor allem für HSV-Regisseur Rodolfo Cardoso ein indirektes Misstrauensvotum, auch wenn Beiersdorfer betont, dass Jarolim "theoretisch alle Positionen im Mittelfeld einnehmen kann". Jarolim sei schwer vom Ball zu trennen, habe sagenhafte Dribblings drauf, schwärmte der HSV-Sportchef, der sich neue Impulse für den Sturm erhofft.