Trainer, Manager und andere Spieler sind auch nicht verpflichtet "B" zu sagen, weil sie mal "a" gesagt haben. Ich weiß nicht, warum man bei Neuer verschärfte Maßstäbe ansetzen sollte. Weil er ein "Ultra" war, und als Teenager schon Bayernhass-Parolen mitgeschrien hat?
Im Spiegel war im Juli mal ein guter Artikel dazu zu lesen, als es um den Forderungskatalog der Bayern-Ultras ging.
Neuer hat den abgenickt, er küsst das Vereinswappen nicht, geht nach Spielen nicht in die Südkurve, stimmt per Megaphon keine Fangesänge an. Das machen dann Müller, Lahm und Schweinsteiger - die Bayern-"Ultra"-Fraktion eben, während Neuer und bspw. Kroos aus der Ferne zuschauen.
Im Gegenzug lassen die Bayernultras den Torwart in Ruhe, indem sie nicht pfeifen, keine Schmähgesänge anstimmen, keine Transparente ausrollen, ihn nur eben "nicht so unterstützen wie Kahn".
So wahrt jeder sein Gesicht: die Bayernultras können weiter ins Stadion und sich unter der Tarnkappe von Antipathie heimlich darüber freuen, wenn Bayern u.a. dank Neuer Meister wird, und Neuer wird davor geschützt, sich bspw. nach einem euphorischen Sieg durch zuviel Freude für den neuen AG bei den Schalke-Ultras unglaubwürdig zu machen.
Hört sich doch nach einem, von beiden Seiten, professionellen Deal an.
Dass Neuer solange auf der Emo-Schiene nicht wirklich dazugehört, passt natürlich nicht. Und ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es auf Dauer gut geht, nur Profi bei Bayern zu sein, ohne Lederhosenauftritte und umjubelte Reden vom Rathausbalkon.
Denke aber mal, dass, sobald die ersten Erfolge eingefahren werden, für die Neuer entscheidend hält, man nicht nur sehen wird, was von Neuers, sondern auch was vom Bayern-Ultra-Getue zu halten ist - nichts, außer unreifem Geseier. Die werden sich dann auch "weiterentwickeln" und sich diese Entwicklung (unter großen medialen Schmerzen) hoffentlich selbst verzeihen.