Zunächst mal kann ich alles so unterschreiben, was HeP1982 schon geschrieben hat. Sehr gut auf den Punkt gebracht! Du magst die Technikfeindschaft in Deutschland (die ich übrigens nicht erkennen kann) befremdlich finden, Starkstrom und das ist auch dein gutes Recht. Ich finde es allerdings wiederum befremdlich, dass du ethische Bedenken als "diffuse Ängste" abtust. Genau hier gibt es doch starke Argumente, die schon seit Anbeginn der Embryonenforschung angebracht werden. HeP hat einige davon genannt.
Ich möchte aber noch einen weiteren Punkt stark machen, der bei HeP auch schon angeklungen ist. Wir tun leider allzu oft so, als hätten wir die Weisheit mit Löffeln gefressen - gerade in wissenschaftlicher Hinsicht. Will sagen, wissenschaftliche Erkenntnis ist ein andauernder Prozess und die Muster nach der wir die Welt einordnen und versuchen zu verstehen, sind dynamisch. Jede Erkenntnis, die wir gewinnen ist nur ein Schritt in diesem fortlaufenden Prozess und damit "endlich" im Sinne von unvollständig (übrigens sehr schön nachzulesen in Adornos "Einführung in die Dialektik" - müsste die dritte, oder vierte Vorlesung sein).
Wenn man das im Hinterkopf behält, finde ich es brandgefährlich an so etwas elementaren, wie dem (menschlichen) Erbgut herumzuspielen!
Wenn mich nicht alles täuscht und mich mein zusammen gekratztes Wissen aus dem Biologieunterricht nicht im Stich lässt, dann weiß man von einem sehr, sehr großen Teil des menschlichen Erbguts immer noch nicht, was er genau macht bzw. dieser wird aktuell als "tot" betrachtet, da er scheinbar nicht genutzt wird. Stand jetzt! Wir wissen es eben jetzt nicht besser. Was aber, wenn diese Teile viel wichtiger sind, als wir denken, und wir mit deren Veränderungen eben mehr tun, als nur Krankheiten zu heilen (die Definitionsfrage hat HeP ja wunderbar problematisiert)? Nur mal ein spontaner Gedankenanstoß, der mir gerade kam.
Von daher finde ich eine Skepsis, ja eine Abwehrhaltung gegenüber Forschungen, die derart an die Substanz des Lebens gehen absolut begrüßenswert. Das heißt ja nicht, dass man in diesen Feldern auf ewig stehen bleibt, nur will es eben gut überlegt sein und das ist auch richtig so. Am Ende wird aber auch das Designerbaby kommen, wenn sich damit nur genug Geld verdienen lässt...
Ich will damit aber eigentlich nur untermalen, was Plumps schon gesagt hat:
Ich halte es auch für grundfalsch und gefährlich, in den Lauf der Natur einzugreifen.
Zwar ist auch die Zucht von Pflanzen- und Tierarten, wie sie schon seit Jahrtausenden betrieben wird, ein Eingriff in den Lauf der Natur, aber eben von einer anderen Qualität, als Genmanipulation. Im Grunde gibt es aber genau für solche Fragen ein Forschungsfeld, dem leider viel zu wenig Beachtung geschenkt wird: die Technikfolgenabschätzung. In der Regel kommen bei den Studien aus diesem wissenschaftlichen Feld sehr vernünftige Ergebnisse heraus, die alles andere als technikfeindlich sind.
Noch ein paar kurze Worte zum Thema Technik-/Fortschrittfeindlichkeit: "Die Wissenschaft" hält unser aktuelles Wissen aber in der Regel als feststehend, es wird lediglich erweitert, aber das was wir schon wissen, das wird im Regelfall nicht mehr infrage gestellt. Reflektiert wird das Ganze seitens der Wissenschaftler nur selten, ebenso wenig, wie das reflektiert wird, was sie da eigentlich tun - ist ja eh nur philosophisches Gewäsch. Ich finde das hochproblematisch und zitiere mal, etwas polemisch aber durchaus treffend, Heidegger: "Die Wissenschaft denkt nicht."
Das war jetzt, mal wieder, etwas wirr, glaube ich. Ich hoffe, die wichtigen Punkte sind trotzdem klar geworden.
