Wisst ihr, was mir gehörig auf den Sack geht? Der "Wahlkampf". Sicher, spätestens seit Merkel ist klar, dass die Beliebtheit einer Spitzenkandidatin und das Wahlergebnis völlig losgelöst sein können von dem Mist, den diese Partei und die Regierung, an der sie beteiligt ist, baut. Aber was im Moment abgeht ist eine poulismustriefende Schweinerei.
Die Union versinkt mindestens Knietief in Skandalen, signalisiert ihre Inhaltsleere durch das Fehlen eines Wahlprogramms und führt unter tatkräftiger Mithilfe der SPD einen Staatstrojaner ein - und legt in den Wahlumfragen zu. Unterdessen wird Barbock wegen einiger Falschangaben im Lebenslauf (nicht schön, aber auch nicht so dramatisch wie es gemacht wird) zur Sau gemacht und als größte Lügnerin aller Zeiten durchs Dorf getrieben (aber klar, die Medien jubeln die Grünen hoch
). Was Laschet schon alles verbrochen hat, ist natürlich irrelevant... Mal ehrlich, hat keiner mehr Lust über Inhalte zu sprechen? Wenigstens die Medien? Über den völlig bizarren Mythos der Grünen als angebliche Verbotspartei geht's leider nicht hinaus. Nur noch ermüdend ist das...
Inhalte sind beidseitig anstrengend. Anstrengend für Journalisten sich damit auseinander zu setzten. Anstrengend für den Konsumenten es zu... konsumieren. Da beist die Maus sich in den Schwanz. Skandala klicken besser und sind schneller zu produzieren. Ist leider keine Sache des Wahlkampfs sondern läuft so das ganze Jahr. Es fühlt sich jetzt schlimmer an, weil es um "mehr" zu gehen scheint und weil sich das Karusell auch sicher nochmal ein bisschen schneller dreht. Geht ja aber eigentlich immer um etwas...
Ich bin schon der Meinung, dass es Medien gibt die hervorragend inhaltliche Arbeit machen. Ich habe ein paar Podcasts von öffentlich Rechtlichen im Podcatcher. Von DLF oder WDR zum Beispiel. Dann hat man tägliche 30 - 60 Minuten Gespräche zu einer Nuance aus einer Sendung in der oft Poltik, Wissenschaft und Betroffene/Interessentsvertreter zu Wort kommen oder zumindest mitbedacht werden. Sehr inhaltlich, sehr informativ, sehr hilfreich. Aber mitunter auch sehr anstrengend. Und die Zeit muss man erstmal haben und auch aufbringen wollen, um sich in 1-2 Nuance reinzudenken.
Ich sehe daher das Problem nicht nur bei den Medien.
Mich würde mal die Durschnittszeit pro Tag interessieren, die die deutschen Bevölkerung zwischen 20 und 70 mit politischer Information und Meinungsbildung verbringt. Das sieht wahrscheinlich gar nicht ganz so schlecht aus. Und dann nochmal ohne Facebook, Twitter und Co.

Würde mich wundern, wenn da mehr als 5-10 Minuten rauskommen und in 5-10 Minuten bildet man in einer komplexer und komplizierter und schneller werdenden Welt überhaupt nichts. Es reicht aber für einen Skandal und einen kurzen Aufreger.
Man hört immer wieder, dass es heute nicht mehr reicht die Nachrichten in der Tagesschau zu bringen und Politiker sich nicht darauf verlassen dürfen, dass ihre Message dort zum Volk getragen wird. Anders als vor vielen Jahren, wird die nicht mehr annähernd flächendeckend gesehen. Es gab meiner Meinung nach aber auch kein adequaten Ersatz dafür.