Gegen BILD-Bashing hat sich doch hier niemand geäußert. Diese "Zeitung" steht für alles in der Welt, das ich hasse und verabscheue, der Zeitung wünsche ich die Pest auf den Hals, das ist keine Frage. Aber das verallgemeinernde BILD-Leser-Bashing in der Form "naja, sind ja alle gleich, haben wenig Intelligenz" bewegt sich auf Sarrazin-Niveau. Klar kann man Statistiken erheben, wonach BILD-Leser in der großen Masse sicherlich nicht zum allgemeinen "Bildungsbürgertum" gehören, aber erstens spricht das nicht für alle und zweitens muss das nicht per sé etwas Negatives sein, beziehungsweise verurteilt werden. Das hat aber alles wenig mit der BILD an sich zu tun, die demokratiefeindlich, menschenverachtend, verfassungs"scheu", rassistisch, undifferenziert, niederträchtig und ekelerregend ist. Sicherlich trifft hier nicht jeder Artikel auf diese Einordnung zu, aber es lassen sich eben genügend Beispiele finden, um diese Aufzählung zumindest nicht als "aus der Luft gegriffen" dastehen zu lassen. Aber nochmal: daraus kann man nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Leser ziehen, das wäre zu einfach.
EDIT: Nein, die Trittin-Sache war Teil einer Kampagne. Das Seil ist nicht aus Versehen zum Schlagstock und der Handschuh nicht aus Versehen zum Bolzenschneider geworden. BILD hatte ein einigermaßen gutes Foto vorliegen, das mit dem Foto, das im Fernsehen verwendet wurden, identisch war und darauf konnte man sehr gut erkennen, dass die einzelnen Gegenstände eben nicht die von BILD zugeordneten waren. Diekmann hat erklärt, dass durch "technische Prozesse die Qualität des Bildes vermindert wurde" und daraus die fehlerhafte Deutung der Gegenstände erfolgte.
Das Bild wurde übrigens nur unten stark beschnitten, damit das Seil wirklich wie ein Schlagstock aussieht. Auf dem Original hat man das Seil sehr gut als solches identifizieren können.
Wallraff hat sich selbst in die BILD-Redaktion eingeschlichen und dort gearbeitet als Hans Esser, ein Buch darüber geschrieben und das würde ich sehr empfehlen.