Ein kleiner humoristischer Sidekick von Twitter:
Selbst die Rücktrittsrede Guttenbergs ist kopiert: "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Star Trek II - Der Zorn des Khan.
Das Guttenberg-Phänomen verdeutlicht in der Tat ein Trendwende vom Politikerbild. Waren es vor ein paar Jahren noch die Adenauers, Franz-Josef Strauß', Willy Brandts und Helmut Schmidts, die als kompetente Politiker galten, weil sie eine gewisse Autoritätsgewalt hatten oder Politik entscheidend geprägt haben, sind es mittlerweile Pop...ähh Politik-Stars mit schönen Frauen, einem schmucken Schloss und einem Abschluss auf der höheren Anstandsschule. Irgendwann kommt noch jemand auf die Idee, einen neuen Minister zu casten, ich würde wetten, dass die Beteiligung an der Telefonabstimmung ironischerweise höher wäre, als bei diesen altmodischen Wahlen. Was soll man dazu sagen, jedes Völkchen bekommt die Politiker, die es verdient, zumindest in einer Demokratie. Substanzielle Leistung hat zu Guttenberg nicht vorzuweisen. Die angestoßene Bundeswehrreform wäre ein Anfang der politischen Bewertung von zu Guttenberg gewesen, aber davor kann man lediglich seine PR bewerten.
Ich gebe den Medien durchaus eine Mitschuld an der Misere, die wir jetzt haben, wenn auch nicht auf die gleiche Art, wie zu Guttenberg. Aber man muss herausstellen, dass dieser Mann von den Medien großgeschrieben wurde, er öffnete sein Privatleben, seine Frau drängt ebenfalls ins öffentliche Licht und schon schrieb man ihm den Status "volksnah" zu. Was bedeutet denn aber Volksnähe? Man muss daran denken, dass die Familie zu Guttenberg vermutlich über 600mio € Familienvermögen verfügt, zu Guttenberg in seinem ganzen Leben weder eine Ausbildung komplett abgeschlossen hat (nach dem 1. Staatsexamen war Schluss mit Jura), noch einem Beruf nachgegangen ist (er saß ein paar Jahre in einem Aufsichtsrat), außerdem residiert er ganz volksnah in einem großen Schloss in einer Stadt, die seinen Namen trägt. Ist das die heutige Volksnähe?
Seine Volksnähe bestand doch viel mehr darin, dass er jeden 2. Tag in den Medien war, ob es die Bunte, BILD, der Spiegel, Focus oder die Zeit war, er war präsent und somit "volksnah". "Toll, der Mann hört ACDC, das hätte ich jetzt nicht erwartet, er erfüllt mein Klischee nicht, was für ein außergewöhnlicher Mensch."
Oder waren es die volks- und truppennahen Reisen nach Afghanistan alle 2 Monate? Wenn er die nicht immer zur Selbstdarstellung genutzt hätte, könnte man ihm das abkaufen. Aber warum musste immer ein großer Tross von Journalisten mitreisen, während der Verteidigungsminister mit Sonnenbrille, perfekt gegelten Haaren und Splitterweste aus dem Kampfhubschrauber aussteigt, natürlich von unten fotografiert? Sieht noch jemand, wie widerlich diese Fotos in Wirklichkeit sind:

Aber die (Leit-)Medien haben diese Dinge nie entlarvt. In der marxistischen Zeitung "Junge Welt" habe ich mal einen wirklich kritischen Artikel zum diesem ganzen Spektakel gefunden, ansonsten waren alle Medien begeistert von der showmastermäßigen Andersartigkeit dieses Politikers und haben damit Auflage gemacht. Guttenberg war nicht der fähigste Politiker, er war nicht der klügste Politiker, er war nicht der fleißigste oder vorausschauenste Minister, nein, er war immer "der beliebteste Politiker" Deutschlands. Als ob das irgendwas Wert ist, wurde es in jedem Satz wiederholt. Günther Jauch ist auch durch viele Gesellschaftsschichten hindurch beliebt, wenn man ihn zum Verteidigungminister ernennen würde, wäre er sicherlich auch der "beliebteste Politiker" Deutschlands. Ja und nun? Was sagt das denn über seine Fähigkeiten, das Amt zu führen, aus?
Personelle Beliebtheit wird in der Politik gnadenlos überschätzt und zu Guttenberg war süchtig danach. Es reichte irgendwann nicht mehr mit tollen Pressefotos aus Afghanistan zurückzukommen (wobei übrigens auch selten über den Zustand der Bundeswehr, sondern meistens von den Erfahrungen zu Guttenbergs etwas in der Zeitung stand), dann mussten Kerner und seine Frau, die vorher auf ihre Art den Weg in die personelle Beliebtheit gegangen ist (gegen Kinderpornos zu sein ist da wohl der allereinfachste Weg, den man sich vorstellen kann), mitkommen.
Dieser Minister beherrschte die mediale Darstellung ohne jeden Zweifel. Darin war er gut, er konnte die Medien lenken. Er dachte, er hätte sie im Griff, aber sie ließen sich von ihm nur tragen, weil es ihnen Auflage verschaffte, einen Politiker, auch noch einen adligen, in einem ganz neuen Licht darzustellen.
Das war wie die Berichterstattung vom britischen Königshof, werden Prinz William-Karl-Theodor und seine Frau Camilla-Stephanie-Bismarck neben dem Kampf gegen Kinderarmut in Afghanistan und Kinderpornos in Deutschland auch noch ein x-tes Kind zeugen?
Die Medien haben Politik als Show und Unterhaltung dargestellt, der Minister muss ein guter sein, weil er gut beim Volk ankommt. Diese boulevardeske Vereinfachung der Dinge, diese Angst der Redakteure etwas zu schreiben, was gegen die Einstellung eines Großteils der Leserschaft gerichtet ist - die Vernachlässigung der Medienpflicht, die Regierung kritisch zu begleiten, über diese beiden Dinge muss man auch noch sprechen und schreiben. Es ist ja nicht so, dass zu Guttenberg sich ausschließlich selbst inszeniert hat, er
wurde auch stark inszeniert von Medienmachern.