Geld schenken ... das Stammtischniveau braucht es echt nicht.
Ach Gott, der Stammtisch. Es ist schlicht und ergreifend die Wahrheit, das Geld wird der europäischer Steuerzahler nicht mehr wiedersehen. Und ja, es sind Banken gerettet worden, aber auch deren Geld wurde damit indirekt den Griechen geschenkt. Sorry, aber wer ernsthaft meint, dass die Kohle jemals zurück fließen wird, der ist sehr naiv. Es gab keinen Schuldenschnitt, aber es gibt Minizinsen und eine Streckung der Rückzahlfrist auf zig Jahre, was am Ende dank Inflation (ja, die ist im Moment sehr niedrig) dann aufs gleiche rauskommt.
Exporte? Deutschland war immer schon Exportnation und gehörte immer zu den größten Exporteuren der Welt, weil deutsche Produkte gefragt sind, auch wenn die Währung stark war. Eine starke Währung hat ja auch Vorteile, Stichwort günstige Importe und niedrige Rohstoffpreise. Wie viel Kohle haben wir Deutschen denn jetzt eingenommen? Und wieviel Kohle verlieren wir deutschen Sparer wegen der niedrigen Zinsen? Alles hat zwei Seiten.
Der europäische Steuerzahler hat erst einmal noch nichts verloren. Selbst Deutschland hat noch kein Geld verloren (und es ist sehr wahrscheinlich, dass die EZB wieder einspringen würde, bevor Deutschland Geld verliert). Die niedrigen Zinsen haben dafür gesorgt, dass Deutschland seit 2007 über 120 Mrd. Euro gespart hat. Das hat nicht zu unerheblichen Teilen damit zu tun, dass andere Länder in die Krise gerutscht sind (nicht nur Griechenland aber eben vor allem die). Die Negativzinsen seit der Eurokrise sprechen da doch Bände. Und alleine an Zinszahlungen hat Deutschland bislang durch Griechenland mehr als 400 mio eingenommen.
Jetzt mit dem Deutschen Sparer anzukommen verfehlt das Thema meines Erachtens völlig. Es wird hier schwäbische Hausfrauenpolitik betrieben und auf einzelne Menschen emotionalisiert, ohne dabei die gesamte Gemengelage zu betrachten. Jetzt über die niedrigen Zinsen zu meckern, die deutschen und französischen Banken aber ungeschoren davonkommen zu lassen, ist absolut fehl am Platz (damals hat der deutsche Steuerzahler ja von profitiert, aber wer will das schon gerne zugeben, die günstigen Kredite sind da toll gewesen).
Was die Exporte angeht: Ja, Deutschland war schon immer eine Exportnation. Die Importe fallen für uns da nicht so wirklich ins Gewicht. Was derzeit der Fall ist: Deutschland agiert unter seinem Niveau, im Normalfall würden wir deutlich weniger exportieren können, weil wir die Abnehmer nicht hätten. Die Währungsunion hat ja genau das Problem: Der Ausgleich findet nur darüber statt, dass einige Länder extrem über ihrem Niveau agieren müssen, weil andere unter ihrem Niveau agieren. Grob gesagt profitieren die Nordländer derzeit von den Südländern enorm. Die Währungsunion zerreißt.
Passiert selten, dass ich ihm zustimme, aber hier ist es auf den Punkt gebracht:
http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/07/13/das-ist-ein-putsch-gegen-die-alte-brd-5404/Ansonsten noch zu Griechenland:
http://hidemyass.com/?http%3A%2F%2Fwww.faz.net%2Faktuell%2Fpolitik%2Fdie-gegenwart%2Fschuldenkrise-in-griechenland-chronik-des-desasters-13686169.html%3FprintPagedArticle%3Dtrue%23pageIndex_2 Hier sieht man schön, dass das alles nicht so überraschend kam. Aber solange wir profitierten, störte das natürlich nicht.
Zu guter Letzt noch: Dem Kapitalismus so viel Schaden wie möglich zufügen zu wollen? Syriza = schlimm? Ich glaube wir müssen nicht weiter diskutieren, das ist mir ehrlich gesagt zu oberflächlich und unreflektiert. Ja, es gibt vieles, was man Syriza vorwerfen kann und muss (u. a. ihre Verhandlungs'strategie'), aber das ist trotzdem zu einfach. Zumal auch das Referendum selbst gute Gründe hatte und auch die Handlung danach durchaus politisches Kalkül besaß.
Und dass es den Leuten schlecht geht, liegt ja nun nicht weniger auch an der europäischen Politik. Aber nun ja, am deutschen Wesen darf die Welt genesen ...