Champions League Gruppe E - Spieltag 1
Die Champions League Hymne wurde gespielt und ich stand in meinem schwarzen Anzug zwischen meinen Assistenten Jari Litmanen und Risto Puustinen. Das Flutlicht war an, das Stadion war voll und es nieselte ein wenig.
Kurz erinnerte es mich an den Abend an dem ich in Helsinki aus dem Flugzeug gestiegen bin. Dann war die Hymne vorbei, alle klatschten sich ab und feuerten sich an, und ich war zurück aus meiner Gedankenwelt und konzentrierte mich nur noch auf die vor uns liegenden neunzig Minuten gegen Olympiakos.
Mein Stürmerstar Roope Riski war vorgewarnt. Er würde gegen die bulligen Verteidiger Avraam und Mellberg einen harten Abend haben.
Ich war sehr angespannt. Normalerweise konnte ich diszipliniert und ruhig auftreten aber vor unsere wirklichen Champions League Premiere war ich auch augenscheinlich nervös.
Alle vor uns liegenden sechs Spiele gegen europäische Spitzenmannschaften waren Zubrot. Bonbons.
Wir hatten uns diesen heutigen Abend gegen Tiraspol, die Hearts und Hapoel verdient und erkämpft,
aber, und das sagte ich auch meinen Spielern, wir hatten nicht so hart gearbeitet um jetzt als Kanonenfutter der Gruppe E zu enden. Unsere Punkte am Ende waren nicht so wichtig, unser Auftreten in den Spielen, unser Einsatz – das war es was zählte.
Olympiakos kontrollierte das Spiel von der ersten Minute an. Insbesondere ihr Mittelfeld mit den Spaniern Riera und Fuster, sowie dem talentierten Fetfadzidis beeindruckte.
Aber wir ließen uns nicht ganz aus dem Spiel nehmen. Mellberg und Avraam waren gute und harte Manndecker aber Roope Riski war wirklich blitzschnell und wenn es Lagerbloom oder Heikkinen gelang den Ball einen Augenblick zu behaupten und Roope Riski oder unsere Flügelspieler Ääritalo und Manninen einzusetzen entstanden auch für uns Tormöglichkeiten.
Mit einem 0:0 ging das Spiel im bis auf den letzten Platz gefüllten Veritas Stadion in die Pause und ich war begeistert wie meine Mannschaft sich bisher verkauft hatte. Wir gaben unser letztes Hemd und kämpften um jeden Ball.
Albert Riera war es der Olympiakos nach 57 Minuten in Führung brachte. Aber es war klares Abseits!
Ich tobte neben der Linie wie noch nie in meinem Leben und hüpfte wie ein Rumpelstilzchen auf und ab. Als ich am nächsten Tag eine Zusammenfassung des Spiels im finnischen Fernsehen sah war mir die kleine Privat-Show doch sehr peinlich.
In der 73. Minute avancierte ich dann endgültig zum Hauptdarsteller der Partie. Zu meinem Schutz muss ich sagen, dass ich selten einen klareren Elfmeter gesehen habe. Roope Riski wurde nicht nur gehalten, er wurde von Mellberg praktisch aus dem 16er getragen.
Als der englische Schiedsrichter Clattenburg auf mich zu rannte, während ich wildgestikulierend den vierten Offiziellen anbrüllte verglich ich Clattenburgs Sehkraft in einem kurzen Nebensatz mit der eines Maulwurfes und fand mich eine halbe Minute später auf der Tribüne wieder.
Mit 0:1 verloren wir unseren ersten Auftritt in der Champions League und Seppo Seiranen nahm mich nach dem Spiel zur Seite. In einem fünf minütigen Monolog erklärte er mir meine Bedeutung als Repräsentant des Clubs und letztlich fast ganz Finnlands.
Mit hochrotem Kopf hörte ich mir die Sache an und warf gelegentlich die Wörter „Abseits“ und „Elfmeter“ ein aber Seiranen ließ das nicht gelten. Und er hatte recht, wie ich spätestens am nächsten morgen in der Zusammenfassung sah. Ich war der schlechteste Mann auf dem Platz – ok nach Clattenburg.
Aufstellung:Lehtovaara,
Kim Won Sik, Liespuu, Heinikangas, Grove ,
Lagerbloom, Heikkinen, Ääritalo, Bernardo, Manninen, Roope Riski.