Aber doch nur, weil es für die Energiegiganten so gut wie keine Anreize/Zwang dafür gibt, in regenerative Energien zu investieren. Die haben vor 20 Jahren die teuren Atomkraftwerke gebaut, vorher haufenweise Geld in die Atomenergieforschung und die PR gesteckt und haben damit gerechnet, dass so ein Kraftwerk mindestens 40 Jahren am Netz bleiben kann. Das ist keine Frage der Forschung, man ist heute schon in der Lage äußerst energieeffiziente Anlagen zu bauen.
Ich habe zwar keine aktuellen Zahlen im Kopf, doch würde ich einfach mal von einem weiterhin steigenden Energieverbrauch ausgehen und schätzen, dass wir innerhalb der nächsten 50 Jahre maximal 40% unseres Energiebedarfs durch regenerative Energien decken können.
Was durchaus optimistisch ist...
Das ist doppelt Quark. Deutschland hat seit 1990 einen relativ konstanten Energieverbrauch. Seit 2005 nimmt er sogar etwas ab.
Nichts gegen deine Meinung, aber der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung (ein unabhängiger Sachverständigenrat, nicht von der Industrie beauftragt) kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland bereits 2050 zu 100%, also zu jeder Jahres-,Tages- und Uhrzeit von erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Die haben sich mehrere Jahre damit auseinandergesetzt. Es ist bloß die Frage, ob man das will. Die Energiekonzerne wollen es nicht, weil sie viel Geld für die Weiterentwicklung und den Bau der Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien ausgeben müssten. Und das ist das einzige Problem an der Sache: Die Atomkraftwerke sind bereits gebaut und man möchte gerne den letzten Cent aus ihnen herausquetschen, also sie solange laufen lassen, wie es geht. Und solange erzählt man dir, dass erneuerbare Energie einfach noch nicht den Bedarf decken kann. Ja ist ja auch kein Wunder, wenn man den Ausbau nicht vorantreibt.
Die massive Förderung von Solarernergie in den letzten 10 Jahren hat dazu geführt, dass die installierte Leistung von Solaranlagen von 0,1GW (Jahr 2000) auf 1,8GW (2005) bis auf 16GW(2010) angewachsen ist. Das entspricht der Bruttoleistung von 12 Kernreaktoren. Die haben nur den Vorteil, dass sie auch nachts laufen und wenn keine Sonne scheint (aber auch nicht 365 Tage im Jahr). Praktisch hat die gesamte Solarenergie im letzten Jahr soviel Energie eingespeißt, wie das KKW Unterweser. Und das quasi aus dem Nichts, denn vor 10 Jahren konnte man nichtmal soviel Solarenergie ins Netz einspeisen, um irgendein KKW auch nur eine Stunde zu ersetzen.
Da sieht man also, wozu ein bisschen Subventionierung führen kann. Es ist nur schade, dass die Energiekonzerne mit großem Geld gelockt werden müssen. Würde man jedenfalls die Wind-, Wasserkraft- und Geothermiepotentiale auch nur annährend so fördern wie die Solarenergie, wäre es laut Sachverständigenrat für Umweltfragen 2020 möglich, 47% der Stromversorgung auf regenerative Basis zu stellen. Das erscheint mir nur logisch, wenn man bedenkt, dass der Anteil an regenerativen Energien heute schon 10% ausmacht, wo er vor 7 Jahren knapp über 2% ausmachte. Für diese Ziele muss man eben nur mal die Energiekonzerne unter Druck setzen oder am besten verstaatlichen. Die Energieversorgung ist zu wertvoll, um sie privaten Kapitalinteressen zu unterstellen, denn diese Interessen sind nicht von Langfristigkeit geprägt, was gerade jetzt unheimlich wichtig wird.
Übrigens, wenn man die Erzeugung an regenerativen Energien abzieht, dann produzieren alle Atomreaktoren in Deutschland fast genau die Menge an Strom, die exportiert wird. Wenn man also für den kompletten Eigenbedarf produzieren wollte (Stichwort Verstaatlichung), dann könnte man in den nächsten 5 Jahren bequem jedes KKW abschalten. In dieser Zeit sollte der Zuwachs an regenerativen Energien stark genug sein, um die Schwankungen im Netz, die durch Nacht, Flaute oder Bewölkung entstehen, auszugleichen...wenn nicht, dann meinetwegen 10 Jahre. Es gibt absolut keinen Grund, nach 2020 irgendein KKW in Deutschland am Netz zu haben.
Mal so ein paar Fakten nebenbei:
Die Volksrepublik China gibt soviel Geld für die Erforschung von erneuerbaren Energien aus, wie die USA und die EU zusammen.
1990 betrug der Anteil an erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung 3,1%. 1999 5,4% und 2009 ganze 16,4%.
Japan hat 35.000km Küstenlinie...beste Bedingungen, um Off-Shore Windparks zu bauen.
Hier die zentrale Erkenntnis des Sachverständigenrates für Umweltfragen in kürzester Kurzform:
http://www.umweltrat.de/cln_137/sid_1D14DCCAB5B6DCF0865F9031675BC1AF/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/AktuellePressemitteilungen/2010/2010_02_PM_100_Prozent_erneuerbare_Stromversorgung_bis_2050.html?nn=395730